Sonntag, 08. Mai 2016

„Andere Firmen möchten jung sein, wir sind es“

Zu den Speakern der Ted Talks, die am Samstag im Museion erstmals in Südtirol stattfanden, zählte auch Paolo De Nadai, der 27-jährige Begründer der Studentenplattform „Scuola Zoo“ und Geschäftsführer der Gruppe „One Day“.

Paolo De Nadai
Paolo De Nadai

Die Plattform zählt 2,5 Millionen Besucher monatlich und  bündelt die Interessen einer ganzen Generation. STOL hat mit dem erfolgreichen Start-Upper gesprochen.

Südtirol Online: Ihre Geschichte – also die eines erfolgsverwöhnten Aufsteigers – ist außergewöhnlich für ein Land, wo die junge Elite sich vielfach deprimiert und auswandert, weil die Perspektiven fehlen. Wie bewerten Sie diesen Umstand?
Paolo De Nadai: Ich finde es normal, in jungen Jahren ins Ausland zu gehen – das gehört zum DNA der jungen Generation. Ich würde es nicht so negativ sehen, denn junge Leute bereisen gerne die Welt und entdecken dabei Neues. Auch ich selbst reise in meiner Freizeit sehr viel. Es stimmt aber sehr wohl, dass Italien einen bürokratischen und fiskalischen Kontext mit weit höheren Anforderungen entwickelt hat als andere Länder in Europa und auch der Welt.
STOL: Was aber nicht bedeuten soll, dass man keine neuen unternehmerischen Akzente setzen kann, wie Sie beweisen. Die Möglichkeiten, etwas aufzubauen, gibt es also allemal?
Paolo De Nadai: Ja, ich teile diese Auffassung zu 100 Prozent. Deshalb denke ich, dass Unternehmen, die es in Italien schaffen und all die Hürden und Kosten in den Griff bekommen haben, einige Gänge mehr draufhaben als andere Firmen. Man ist dann gerüstet, den Herausforderungen der Märkte zu begegnen.

STOL: Was ist ein Schlüssel Ihres Erfolges?
Paolo De Nadai: Die Zielgruppe zu verstehen und kennen. Es gilt, die Interessen und die Sprache der Millennials zu verstehen und zu teilen – also jener Generation, die zwischen 1980 und 1999 geboren ist. Viele etablierte Unternehmen versuchen jung zu sein – wir hingegen sind es tatsächlich. Wir begegnen die Millennials auf Augenhöhe. Anfangs hat alles wie ein Spiel begonnen, jetzt hingegen sind wir gewachsen, wir haben Büroräume bezogen und beschäftigen mittlerweile 70 Leute. Jetzt ist die Herausforderung, weiterhin diesen besonderen Spirit und kreativen Geist zu behalten.
STOL: Wie soll das als konventionelle Firma gelingen?
Paolo De Nadai: Beispielsweise bei der Personalauswahl. Im vergangenen Jahr sind bei uns Curricula von mehr als 4000 Leuten eingegangen, alles Initiativbewerbungen. Dennoch schauen wir uns auch sehr gezielt um, und beobachten, welche Phänomene die sozialen Netzwerke weiterentwickeln und wer davon zu uns passen könnte. Wir haben immer ein wachsames Auge auf aktuelle Tendenzen und das garantiert uns die nötige Frische.

STOL: Sind Sie auch selbst oft überrascht, was für Phänomene das Internet hervorbringt?
Paolo De Nadai: Es kursieren unheimlich viele Ideen und man kann über Italien vieles sagen – aber wir sind auch Meister im Finden und Umsetzen von Ideen. Durch das Internet ist es eben auch für Leute vom hintersten Bergdorf möglich, selbst aktiv zu werden und eigene Vorhaben voranzutreiben.

STOL: Wie kommt es, dass Sie bei den Ted Talks in Bozen teilnehmen?
Paolo De Nadai: Mit Claudia Di Stefano kenne ich eine der Organisatorinnen sehr gut. Es ist ein Format, das ich sehr schätze, und als Hörer habe ich auch mehrfach teilgenommen. Ich finde, es ist wichtig, einen Stimulus zu dieser Veranstaltung beizutragen und nach Bozen zu bringen. Im Winter bin ich gerne in Carezza und Obereggen zum Skifahren, ich weiß, dass es sich bei Südtirol um eine Art glückliche Insel handelt und habe gehört, dass auch die Start-up-Szene in Bewegung ist.

Interview: Alex Zingerle

Paolo De Nadai ist Geschäftsführer der Gruppe One Day, die für 2016 mit einem Umsatz von zehn Millionen Euro rechnet. De Nadai zählte zu den Referenten der erstmals in Südtirol organisierten TED Talks. 

 

 

 

 

 

stol