Freitag, 18. November 2016

„Auf die Berge steigen, um in die Tiefe zu schauen“

Wunderschöne und traurige Momente habe sie auf den Bergen dieser Welt erlebt, meint Gerlinde Kaltenbrunner und lächelt dabei verschmitzt und nachdenklich zugleich. Seit ihrer Kindheit fühlte sich die österreichische Extrembergsteigerin mit Südtiroler Wurzeln von den Bergen angezogen - sie sind ihre große Leidenschaft. Die erste Frau, die ohne künstlichen Sauerstoff alle 14 Achttausender dieser Welt bestiegen hat, erzählte am Donnerstagabend in Meran von der „Leidenschaft 8000 – Tiefe überall“.

Gerlinde Kaltenbrunner sprach am Donnerstagabend im Meran auf Einladung des Handschuhherstellers Reusch und des Südtiroler Alpenvereins. - Foto: DLife
Gerlinde Kaltenbrunner sprach am Donnerstagabend im Meran auf Einladung des Handschuhherstellers Reusch und des Südtiroler Alpenvereins. - Foto: DLife

Der 23. August 2011 dürfte für Gerlinde Kaltenbrunner ein besonderer Tag gewesen sein. Es war der Tag ihrer K2-Besteigung. Mit 8611 Metern (ü.d.M.) gilt der K2 als zweithöchster Berg der Welt - der letzte Achttausender, der ihr noch „gefehlt“ hatte.

Kaltenbrunner: „Der Bergsport ist noch immer männerdominiert“

Zwischen 1998 und 2011 hat die österreichische Extrembergsteigerin als erste Frau ohne künstlichen Sauerstoff die 14 höchsten Gipfel der Welt erklommen - ihr zweideutiger Spitzname „Cinderella Caterpillar“ kommt nicht von ungefähr.

Gerlinde Kaltenbrunner neben einer weiblichen Alpinbekleidung aus dem Jahre 1910. - Foto: DLife

Auf Einladung des Handschuhherstellers Reusch und des Alpenvereins Südtirol ließ die Extrembergsteigerin am Donnerstagabend rund 600 Gäste im Meraner Kursaal an ihren Höhen und Tiefen teilhaben.

Geographische und innere Tiefblicke

„Das waren einschneidende, prägende Momente für mich“, sagt Kaltebrunner unmittelbar vor ihrem Vortrag, denkt kurz nach und meint: „Momente, in denen ich in die Tiefe blicken konnte, nicht nur in die Tiefe des Tales, sondern in die Tiefe meines Inneren“.

Gerlinde Kaltenbrunner im Gespräch mit STOL. - Foto: DLife

Die höchsten Berge hat die Oberösterreicherin, die mütterlicherseits aus Altrei stammt, mittlerweile hinter sich gelassen, das Bergsteigen bleibt aber ihre Passion.

Kaltenbrunner: „Das lässt einen nicht mehr los“

„Die Berge ziehen mich seit meiner Kindheit unwahrscheinlich an, wenn man das einmal in sich hat, dann lässt das einen nicht mehr los“, zeigt sich Kaltenbrunner überzeugt. Andere Berge seien nun aber für sie interessanter - „niedrigere“ Berge, etwa 5000er, 6000er oder 7000er.

Zudem wolle sie sich in den nächsten Jahren vermehrt ihren Schulprojekten in Nepal und Pakistan widmen - Kaltenbrunner schmunzelt, überhaupt, es gebe noch so viel anderes Schönes zu erleben.

stol/aw

stol