Berge von Müll auf einem großen Areal: Das sind eigentlich die Bilder, die man im Kopf hat, wenn man daran denkt, wo der eigene Abfall landet. Stattdessen steht man vor einem modernen Gebäude, die Autobahn spiegelt sich in der Glasscheibe. Keine Spur von Schrott, Schmutz, Staub und Säcken voller Unrat. <BR /><BR />Marco Palmitano, Generaldirektor der Anlage, läuft voran. „Die Müllwagen fahren bis zur Zufahrt und laden dort direkt alles im Bunker ab“, erklärt er. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142769_image" /></div> <BR />Hier stinkt es erstmals. Hinter den Luken ragen Abfallhaufen hervor, kein Wunder, also der Geruch! „Vormittags staut es gar manchmal, so groß ist der Andrang“, sagt Palmitano. Die Entsorgungsfahrzeuge bringen die eingesammelten Abfälle von Bozen und Umgebung hierher. In den restlichen Landesteilen geben die Bürger den Abfall bei der Restmüllsammlung ab, er wird bei Umladestationen zusammengepresst und dann in größeren Wagen nach Bozen transportiert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142772_image" /></div> <BR />Sula Mentor sitzt in einem Büro im ersten Stock, hält einen Steuerknüppel in der Hand und transportiert den Müll mit einem Brückenkran in den Trichter des Ofens. Wie ein Spielautomat, bei dem man nach einem Kuscheltier angelt. Dabei ist sein Inhalt alles andere als kuschelig: Südtirols Rest- und Sondermüll werden vermischt. „Es ist ein Spiel, aber man benötigt volle Konzentration. Schließlich sind die Abfälle 4000 Kilogramm schwer“, erzählt Mentor. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142775_image" /></div> <div class="img-embed"><embed id="1142778_image" /></div> <BR />Von seinem Platz ganz hinten rechts im Büroüberblickt er den Müllbunker, von hier aus, der Schaltwarte, wird alles gesteuert. Am Haupttisch im Zentrum des Raums stehen mehrere Monitore, überwachen verschiedene Vorgänge und zeigen Daten an. <BR /><BR />Die Müllverwertungsanlage ist zu 100 Prozent in öffentlicher Hand und arbeitet nicht gewinnorientiert – zum Vorteil der Bürger. So bezahlt man hierzulande durchschnittlich 90 Euro pro Tonne, in anderen Provinzen Italiens sind es zwischen 140 und 160 Euro pro Tonne, im Trentino gar 220 Euro pro Tonne. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142781_image" /></div> Ein beißender Geruch schlägt einem entgegen. Der Ofen steht in der Mitte des Raumes, eine kleine Luke öffnet den Blick in das Flammenmeer. Bis zu 400 Tonnen Abfall werden pro Tag verbrannt. Man spürt die Wärme, die er abgibt. Jacken werden ausgezogen. Die heißen Abgase produzieren Dampf, er wird zur Dampfturbine geleitet. „Es ist wie auf einem Schiff“, sagt der Generaldirektor und lacht. Daraus wird zum einen Strom erzeugt, zum anderen Fernwärme. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142784_image" /></div> „Luftverschmutzung ist bei dieser modernen Anlage kein Thema mehr“, erklärt er. Die Verbrennungsgase machen 3 Reinigungsstufen durch, wie ein Labyrinth ziehen sich Maschinen und Rohre durch den Raum, mehrere Stockwerke hoch. EU-weit ist man die einzige Anlage im Dauerbetrieb wo gleichzeitig mehrere Labors (bis zu 12) die Emissionsmessungen am Kamin durchführen können, „eine diesbezügliche Zertifizierung ist im Gange“, freut er sich.<BR /><BR /><embed id="dtext86-69053102_quote" /><BR /><BR />Aber nicht alles geht in Dampf auf. Von den entsorgten Abfällen bleiben jährlich etwa 23 Prozent an Rückständen zurück, sogenannte Schlacke. Sie werden in der Deponie von Pfatten gelagert. „Dieser Wert soll in ein paar Jahren auf ca. 1 Prozent sinken. Es gibt Pläne, eine Rückgewinnung von 95% dieses Materials im Bausektor zu erreichen“, blickt Palmitano voller Eifer in die Zukunft. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142787_image" /></div> <BR /><div class="img-embed"><embed id="1142790_image" /></div> <BR />In Kleines aber nicht uninteressantes Detail zum Abschluss: Die Müllverwertungsanlage ist kein Arial, das man nicht betreten darf. Ganz im Gegenteil: „Wir organisieren Führungen für Gruppen auf Voranmeldungen. Die Nachfrage steigt Jahr für Jahr“, berichtet Generaldirektor Marco Palmitano. Da das Betreibermodell so innovativ ist, zeigt er es auch immer wieder Delegationen aus dem In- und Ausland.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142793_image" /></div>