Das zeigt auch der Fall von Maria (Name von der Redaktion geändert) Regelmäßig bekommt sie einen Anruf aus der Schule, sie möge bitte ihren Sohn abholen. Der autistische Bub störe den Unterricht. Marias Fall ist nicht die Regel, aber andererseits auch nur die Spitze eines immer größer werdenden Eisberges. <BR /><BR />Ob der Schulalltag mit und für das Kind mit einer Autismus-Spektrum-Störung gelingt, hängt wesentlich mit den Mitarbeitern für Integration zusammen. Wie viele Stunden werden zugewiesen? Gibt es eine Betreuungskontinuität? Ist die Person speziell ausgebildet? <BR /><BR />Wie diese Fragen im Einzelfall beantwortet werden, ist „ein ziemliches Glücksspiel“, weiß Lucia Russo, Mutter eines Buben mit autistischer Störung (dritte Klasse Mittelschule) und Lehrerin. „Wir haben einen Sechser gewürfelt“, berichtet sie. Soll heißen, die Kommunikation mit „ihrer“ Mitarbeiterin klappt bestens, sie ist kompetent – und nun im sechsten Schuljahr hintereinander ihrem Sohn zugewiesen. Das Ergebnis: Ihr Sohn verbringt alle Unterrichtsstunden tatsächlich in der Schule, davon einen Großteil mit der Klasse. <BR /><BR />Maria hatte weniger Glück. Weder bekam ihr Sohn (Mittelschule) ausreichend Stunden zugewiesen, noch klappt die Integration. Das Ergebnis: Die Lehrkräfte sind mit dem Buben absolut überfordert und er besucht an keinem Schultag alle Unterrichtsstunden. Zumeist kommt nach zwei, drei Stunden der Anruf, das Kind sei zu holen. Mit einer Arbeitsstelle ist das nicht vereinbar und die Familie muss auf ein zweites, auf ihr Einkommen verzichten. <BR /><BR />Das Herausforderung mit Kindern mit einer autistischen Störung: Wenn sie nicht verstanden werden oder überfordert sind, können sie laut, unkontrolliert und „aggressiv“ werden. Auch Selbstverletzungen sind möglich. <BR /><BR />Ein eingespieltes Team Kind/Mitarbeiter, der zudem speziell ausgebildet ist, kann hier vieles verhindern. „Wir Eltern wünschen uns daher nicht nur mehr zugewiesene Stunden und Betreuungskontinuität, sondern auch einen speziellen Pool an Mitarbeitern mit Ausbildung und/oder Erfahrung in Sachen Autismus“, erklärt Elisabeth Fulterer vom Verein GretA. <BR /><BR />Mit dem derzeitigen System zwischen Stellenwahl und Direktberufung für die Mitarbeiter sei dies nämlich nicht gegeben. Statt laufend wechselnde Mitarbeiter jedes Mal aufs Neue auszubilden, wäre ein Expertenpool sinnvoll und ressourcensparend.