Isabel Juana Teleguario aus Guatemala war am Freitag zu Besuch in Bozen, um die Zusammenarbeit ihrer Organisation Aj Quen mit dem Netzwerk des fairen Handels in Italien zu festigen. Damit soll eine neue Perspektive für die indigene Bevölkerung im Land der Maya-Hochkultur geschaffen werden, die Grundlage dafür bildet der Anbau von Bio-Avocados. <BR /><BR />Doch Isabel Juana Teleguario (27) spricht im Gegensatz zum Großteil der indigenen Bevölkerung Guatemalas auch fließend Spanisch. Als Präsidentin der Organisation Aj Quen setzt sie sich nach Kräften für bessere Lebensbedingungen ihres Volkes ein. <BR /><BR />„Vor allem möchten wir mit diesem Projekt unseren Frauen eine wirtschaftliche Existenz ermöglichen, die auf dem Anbau von Gemüse und Avocados fußt“, erläutert sie während unseres Treffens in einer Bozner Bar ihr Anliegen, während an ihrer Seite Beatrice De Blasi von der Stiftung Altromercato als Simultanübersetzerin fungiert. Teleguario macht einen entschlossenen Eindruck, der Kampf für die gerechte Sache verleiht ihr Überzeugungskraft. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100505_image" /></div> „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Menschen der Armut entrinnen können, dass Mädchen studieren können anstatt mit nur 10 oder 14 Jahren schwanger zu werden“, sagt sie. Ein Schlüssel dafür sei Bildung, ein weiterer die Kraft der Gemeinschaft. Hier greift der 1989 von indigenen Frauen gegründete Verein „Aj Quen“, ihm gehören 200 Frauen an. Lange Zeit setzte man auf die Fertigung der landestypischen Textilien, nun geht man neue Wege, indem man sich auf den Anbau von Gemüse und Avocados konzentriert – bio und fair gehandelt. Hierzulande sind Avocados sehr beliebt, ihr cremig mildes Fruchtfleisch lässt sich mit vielen Speisen kombinieren. Seinen Ursprung hat der Avocadobaum tatsächlich in den tropischen und subtropischen Gefilden Zentralamerikas, dort kennt man die Frucht seit 10.000 Jahren. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1100508_image" /></div> Teleguario hat das gesamte Konzept im Auge, sie betont die Notwendigkeit einer fairen Entlohnung genauso wie die Problematik der Besitzverhältnisse, die langfristige Tragfähigkeit und die Stärkung des Netzwerkes mit den europäischen Partnern, so auch den Weltläden in Südtirol bzw. der Vereinigung Altromercato in Italien. Somit ist die 27-jährige Indigene auch eine Botschafterin ihres Volkes. Eines Volkes, das in den 1980er-Jahren Opfer von Massakern wurde und das nach wie vor an den Folgen systematischer Unterdrückung und Ausbeutung zu leiden hat. Rund 80 Prozent der indigenen Bevölkerung von Guatemala lebt in Armut, etwa 15 Prozent könne weder lesen noch schreiben. Der Anteil von Maya-Ethnien an der Gesamtbevölkerung ist mit über 40 Prozent ziemlich hoch. <BR /><BR />Die Frauen der Vereinigung Aj Quen wollen in Würde leben und das Erbe der Maya-Kultur hochhalten, für den Aufbruch in eine bessere Zukunft kann auch Europa seinen Teil beitragen. Im neuen Jahr 2025 werden die Avocados in den Südtiroler Weltläden erhältlich sein.