Sonntag, 02. August 2015

„Badeapartheid“ in Triest: Getrennter Strand für Männer und Frauen

Im Sommer ist die ganze Küste bis nach Triest von vielen kleinen Strandbädern belebt. Einzigartig in Europa ist das Strandbad Lanterna im Stadtzentrum, wo seit 112 Jahren Männer und Frauen streng getrennt baden.

Europas letzte Badeanstalt mit Geschlechtertrennung, die an theresianische Zeiten zurückreicht, erlebt in diesem heißen Sommer einen Boom. Nur ein Euro kostet der Eintritt.

Bis zu 2.500 Gäste täglich werden im weiblichen Teil der Badeanstalt gemeldet, das sind doppelt so viele als jene im Männerbad. Das Frauen- und Kinderbad ist von dem der Männer durch eine drei Meter hohe Mauer getrennt, im Wasser verläuft ein Seil.

Jeder Versuch, die Geschlechtertrennung abzuschaffen, ist bisher auf erbitterten Widerstand gestoßen. Mehrfach sollte diese „Bade-Apartheid“ abgeschafft werden, aber die Triestiner protestierten so lautstark für den Erhalt, dass sie bis heute gilt. Die Badeanstalt, die 1903 eingeweiht worden ist, als Triest noch zu dem Habsburgischen Reich gehörte, wurde 2009 für 300.000 Euro restauriert. Sie wurde in der Vergangenheit auch von Persönlichkeiten wie Schriftsteller James Joyce besucht.

Das Bad Lanterna wird in der Stadt auch „el Pedocin“ genannt, was im Triestiner Dialekt „kleiner Floh“ bedeutet. Laut Tradition wurde dieser Strand von den Soldaten des Kaisers Franz Josef genutzt, um zu baden und sich von den Flöhen zu befreien.

apa

stol