Sonntag, 28. Juni 2015

Benni balanciert auf dem Eisberg

Benjamin Kofler aus Tramin zählt zu den verwegensten Highlinern im Alpenraum. Erst am Freitag Nachmittag ist er von seinem neuesten Coup zurückgekehrt – einem tollkühnen Seiltanz auf einem Eisberg in Grönland.

Beim Slacklinen zwischen Eisbergen ist - wie auch sonst - viel Geschick gefragt. - Foto: Federico Modica/Alice Russolo/Ralf Brunel
Beim Slacklinen zwischen Eisbergen ist - wie auch sonst - viel Geschick gefragt. - Foto: Federico Modica/Alice Russolo/Ralf Brunel

Die bevorstehende Hitzewelle kommt Benjamin Kofler aus Tramin (Jahrgang 1988) sehr gelegen, denn er ist vor zwei Tagen aus dem Reich der Kälte zurückgekommen. In Grönland hat er zusammen mit einem kleinen Team ein ebenso verwegenes wie bildgewaltiges Unterfangen durchgezogen: Eine Highline auf einem Eisberg fixieren und darauf balancieren. „Das ist absolutes Neuland, gewissermaßen eine Weltpremiere“, sagt der wieder wohlbehütet im Unterland gelandete Abenteurer.

Am 11. Juni waren sie mit dem Flugzeug in Mailand Richtung Island für die Mission „Montura Iceberg Challenge“ aufgebrochen: der Kletterer und Slackliner Mattia Felicetti, der Fotograf und Ideator des Projekts Federico Modica, der Filmer Graziano Bosin, der Fotograf Ralf Brunel, die Fotografin und Filmerin Alice Russolo und eben Benjamin Kofler. Fünf unerschrockene Abenteurer aus dem Fleims- und Fassatal und eben Benjamin Kofler, im Hauptberuf Grafiker.

Von Island ging es zu den Siedlungen Kulusuk und Tasiilaq in den Osten Grönlands, wo die Truppe zunächst nicht etwa von einheimischen Fischern begrüßt wurden, sondern einen bereits in den Neunziger Jahren ausgewanderten Bozner: Robert Peroni. Der über 70-Jährige organisiert dort Touren in die Fjörde und das Packeis für Touristen und kennt wie kaum ein anderer die Schönheit und Tücken Grönlands.

Doch auch einheimische Fischer hatten für die sechs Abenteurer wertvolle Tipps parat, denn Eisberge sind ständig in Bewegung. „Das war eine fragile Angelegenheit, denn das Eis sollte nicht zu hart und auch nicht zu weich sein“, erzählt Benjamin.

 

Foto: Federico Modica/Alice Russolo/Ralf Brunel

 

Balancieren in einer bizarren, aber sehr realen Traumwelt

Zunächst erprobten sie mit einer Slackline an der Küste die Bedingungen, genossen dabei auch einen Seiltanz in der Mitternachtssonne. Danach wurde in einem Boot das Arktische Meer nach geeigneten Eisbergen abgesucht. Auf zwei verschiedenen Eisbergen wurde in dem rund zweiwöchigen Exil die Slackline aufgespannt: Zunächst eine 35 Meter lange und 3 Meter hohe Line auf einem burgähnlichem Eisberg und am letzten noch verbliebenem Tag eine weitere Line, die diesmal 30 Meter hoch und 20 Meter lang war.

Akrobaten, die in einer bizarren, aber eben realen Traumwelt balancieren. Als Seiltänzer waren lediglich Benjamin Kofler und Mattia Felicetti in Aktion, der Rest der Truppe organisierte, informierte, filmte und fotografierte. Die Bilder rücken eine faszinierende und fragile Welt in den Blickpunkt, die es zu schützen gilt. Einen kleinen Beitrag zur ökologischen Bewusstseinsbildung darf sich die Truppe rund um Ideator Federico Modica und Benni Kofler getrost an ihre Fahnen schreiben. 
Der Highliner mit Humor

Im Zuge des Outdoorfestes in Innichen und voraussichtlich auch beim Bergfilmfestival in Trient wird der Film und das einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt, vor allem in der Netzgemeinde dürfte er für Furore sorgen.

Benjamin Kofler, der mit diversen Slacklineacts wie etwa Goaßschnöllen in Lederhosen auf der Line oder mit einer Übernachtung auf der Line in der Aurer Schwarzenbachschlucht (die „Zett“ berichtete) immer für eine Überraschung gut ist, wird seine nächste Line wohl doch bei schönsten Sonnenschein auf einem heimischen See aufziehen. Im Gegensatz zum vier Grad kalten Wasser im grönländischen Eismeer kann er hier getrost länger im kühlen Nass verweilen.

Text: Alex Zingerle

stol