Unsicherheit und Sorgen prägen das Weihnachtsfest vieler Südtiroler Familien im Jahr 2020. Einige tun sich mit der Situation besonders schwer, sagt die Psychotherapeutin Christiane Mühlhäusler von der Familienberatung. Wie können wir ihnen helfen?<BR /><BR /><i><BR /><BR />von David Hofer</i><BR /><BR />„Mental ist diese Krise eine besondere Herausforderung für Jung und Alt. Das habe ich bei meiner Arbeit in einem Altenheim auch erlebt. Die Menschen dort wollen, dass man sie berührt, den Arm auch mal auf die Schulter legt und sie spüren lässt, dass sie sich geborgen fühlen dürfen. Sie verstehen oft auch nicht, warum das nicht mehr geht. Das sind Fälle, bei denen ich selbst an meine Grenzen stoße“, sagt die Psychotherapeutin Christiane Mühlhäusler. Sie plädiert dafür, „dass wir mit dem Durchführen von Corona-Tests auch in einem gewissen Maße wieder mehr Kontakt zu den engsten Freunden und Angehörigen zulassen. Etwa eine Regelung, dass Menschen, die sich regelmäßig oder direkt vor Besuchen in Altersheimen testen lassen, auch wieder mehr körperliche Nähe zu ihren Liebsten zugestanden wird.“<BR /><BR /><b>Kindern die Situation genau erklären</b><BR /><BR />Ob nun der Besuch der Großeltern und Alleinstehenden zu Weihnachten möglich ist, steht bei vielen Familien aktuell noch in der Schwebe. Eine kritische Situation für viele Betroffene, die besonders mit der Unsicherheit zu kämpfen haben. <BR /><BR />Davon betroffen sind auch die Kinder, die mit der neuen Situation zurechtkommen müssen. Allerdings könnten sie verhältnismäßig gut mit den Herausforderungen zurechtkommen, wie Christiane Mühlhäusler betont: „Sie wissen, dass sie die Großeltern nicht anstecken sollen. Wenn Kinder einen Grund für ein Verhalten verstehen, können sie sich recht gut damit arrangieren. Wichtig ist hier, dass die Eltern und ältere Geschwister den Kindern die Situation erklären und es ihnen vorleben. Schwierig ist es allerdings trotzdem. Vor allem müssen wir die Kinder hier begleiten, ihnen Sicherheit geben und ihre Trauer und Sorgen verstehen.“<BR /><BR /><b>Jugendliche als Verlierer des Corona-Jahres</b><BR /><BR />Besorgter blickt die Psychotherapeutin auf die zahlreichen Jugendlichen in Südtirol. Sie seien große Verlierer des Corona-Jahres und der Krise allgemein. In einer Phase, in der sie sich eigentlich von den Eltern lösen wollen und sollen, ist es ihnen nicht möglich, sich mit Altersgenossen zu treffen und gemeinsam Erfahrungen zu machen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-47104014_quote" /><BR /><BR />Mit Silvester steht zudem ein Fest vor der Tür, das gewöhnlich in größerer Runde gefeiert wird. Für Jugendliche eine Gelegenheit etwas Dampf abzulassen, den Abschluss eines Jahres zu zelebrieren und sich auf das neue Jahr zu freuen. Größere Silvesterfeiern sind allerdings nicht erlaubt. <BR /><BR />Insbesondere für Jugendliche wieder ein schwerer Brocken, wie Christiane Mühlhäusler erklärt: „Nachdem fast das gesamte Jahr davon geprägt war, sich an strenge Regeln zu halten, sich zusammenzureißen und sich diszipliniert zu zeigen, wäre Silvester eigentlich eine traditionelle Gelegenheit, um etwas Frust abzubauen. Doch es geht unter diesen Umständen wieder nicht, was für viele sicherlich schwer zu verdauen ist. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich bei einigen eine gewisse mentale Müdigkeit einstellt und sie sich weniger diszipliniert an die Vorschriften halten. Dass Menschen in der aktuellen Situation an ihre Grenzen stoßen, kann ich auch verstehen.“ <BR /><BR />Es müssten Lösungen gefunden werden, mit denen in Zukunft wieder mehr soziale Kontakte ermöglicht werden können, betont die Psychotherapeutin. Auch bräuchte es wieder mehr Sicherheit in der Lebensplanung. Bleibt zu hoffen, dass das Jahr 2021 dies zulässt.