Samstag, 25. April 2015

„Bin eine Frau“: Kardashian-Stiefvater transsexuell

Bruce Jenner fackelt nicht lange. „Soll ich meinen Pferdeschwanz aufmachen?“, fragt der Ex-Olympiasieger und Stiefvater von TV-Sternchen Kim Kardashian zu Beginn eines in den USA seit Wochen mit Spannung erwarteten Fernsehinterviews. „Warum nicht, wir reden ja genau darüber."

Kourtney Kardashian, Kim Kardashian, Kris Jenner und Bruce Jenner 2005.
Kourtney Kardashian, Kim Kardashian, Kris Jenner und Bruce Jenner 2005. - Foto: © shutterstock

Zum Vorschein kommt eine glänzende und gepflegte lange Haarmähne – und kurz darauf spricht der 65 Jahre alte Jenner dann auch aus, worüber US-Medien seit Monaten spekulierten: „Ich bin eine Frau.“

Dass er transsexuell sei, habe er schon als kleiner Bub gewusst. Damals habe er heimlich die Kleider seiner Mutter und Schwester angezogen. „Mein Gehirn ist viel mehr weiblich als männlich. Es ist schwer für Menschen, das zu verstehen, aber so ist meine Seele.“ Er habe einige Schönheitsoperationen hinter sich und Hormone genommen, sei aber nicht vollständig umoperiert. Jahrzehntelang habe er nur ganz wenigen Menschen davon erzählt, aber nun wolle er sich nicht mehr länger verstecken. „Wir werden die Welt verändern.“

Outing zur besten Sendezeit

Für sein Outing wählt Jenner die ganz große Bühne: Ein TV-Interview beim Sender ABC mit der in den USA sehr prominenten Moderatorin Diane Sawyer zur besten Sendezeit am Freitagabend. „Heute haben Millionen Menschen gelernt, dass jemand, den sie kennen, transsexuell ist“, kommentiert die Präsidentin der schwul-lesbischen Organisation Glaad, Sarah Kate Ellis. Jenners Geschichte werde „unzählige Menschen auf der Welt beeinflussen“.

Wochen im Voraus war das Interview beworben worden, Millionen Amerikaner schalten ein, Tausende diskutieren im Internet darüber – ein Paukenschlag in der Promi-Welt. „Das ist Mut“, lobt die Sängerin Lady Gaga per Kurznachrichtendienst Twitter, und der HipHop-Labelgründer Russell Simmons schreibt: „Wir erleben gerade, wie Geschichte geschrieben wird.“

Riesiges Interesse in den USA

Jahrzehntelang hatte Jenner als Macho und Sex-Idol gegolten. 1976 gewann er Zehnkampf-Gold bei Olympia, war danach auf zahlreichen Titelblättern abgebildet, im Weißen Haus zu Gast und spielte in mehreren Filmen mit. Jenner war dreimal verheiratet, zuletzt mehr als 20 Jahre mit Kris Jenner. Im vergangenen Jahr ließ sich das Paar scheiden. Die beiden sind Eltern von Kendall und Kylie und haben aus früheren Ehen jeweils vier weitere Kinder. Kris ist die Mutter von Kourtney, Kim, Khloe und Robert Kardashian. Der Familien-Clan ist unter anderem durch die Reality-Serie „Keeping Up With the Kardashians“ bekannt.

Für die Großfamilie sei sein Kampf mit den Geschlechtern nicht einfach gewesen, gibt Jenner zu. Seine beiden ersten Frauen unterstützen den 65-Jährigen öffentlich, Kris Jenner will sich zunächst nicht äußern. Die Familie werde das Interview aber gemeinsam schauen, hatte Kim Kardashian zuvor angekündigt.

Seine weitere Umwandlung zur Frau will Jenner natürlich ebenfalls von Fernsehteams begleiten lassen. „Ich hoffe, dass alles gut wird. Ich fühle, dass alles gut wird. 2015 wird ganz schön aufregend.“ Es sei sein letztes Interview als Mann gewesen, aber seinen neuen Frauennamen wolle er noch nicht verraten. „Wie sollen wir dich nennen?“, fragt Jenners Tochter Casey. „Ihr könnt mich “Dad„ nennen. Ich werde immer euer Dad sein.“

apa/dpa

stol