Als Eschgfäller im März dieses Jahres verstarb, ging eine Ära zu Ende. Für die Stadt schien es, als sei eine der Ecken, in der noch Besonderes geboten wurde, abseits vom Mainstream und der x-ten Modekettenfiliale unwiederbringlich verloren. <BR /><BR />Doch vergangenen Samstag ging die Ladentüre wieder auf: Über der Tür prangt mit „Rebel Rebel“ ein neuer Name und zwischen den Regalen entdeckt man ein neues Gesicht: Der 31-jährige Bozner Anthony Bosin, der bis vor Kurzem bei OBI gearbeitet hat, ist es, der den Mut hatte, seine Passion für Musik und insbesondere für Vinyl in Form des Plattenladen zum Beruf zu machen. <BR /><BR /> Bereits als Jugendlicher hatte er mit einem Freund mehrmals wöchentlich das „Disco New“ besucht und davon geträumt, selbst einmal einen Plattenladen zu haben. „Doch niemals hätte ich gedacht, dass es genau dieser wird. Und wenn mir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass das so kommt, den hätte ich für verrückt erklärt“, meint er. Denn: „Ja, es braucht viel Mut“, meint er mit einem Lächeln, „in Zeiten von Streamingdiensten und Onlinegeschäften einen Plattenladen zu eröffnen.“<BR /><BR />Die CD-Auswahl von Eschgfäller steht in den Regalen und ganz viele Vinylplatten, für die Bosins Herz besonders schlägt. Die ersten Tage liefen gut: die durchschnittlichen Kunden seien zwischen 40 und Mitte 50, „aber auch Oberschüler kommen und eine 80-jährige Frau hat ein paar CDs gekauft“, freut sich der Jungunternehmer. <BR /><BR />Dabei drückt das Erbe von „Telly“ schon: „Man möchte, dass die früheren Kunden das auch gut finden, was ich mache“, sagt er. Dabei hat er versucht, einen Mix zu machen: Die Möbel hat er übernommen, aber in „seinen“ Farben graublau bemalt und orange Akzente gesetzt. Eine Sitzecke zum Musikhören ist dazu gekommen. Und der Name ist anders: „Rebel Rebel, der Song von David Bowie, ist die Inspiration, auch weil das einprägsam ist, aber vor allem, weil man ein bisschen ein Rebell sein muss, um in Zeiten wie diesen, einen Plattenladen zu eröffnen.“<BR /><BR />Ein Rebell, der er selbst auch ist, denn auf Dauer wäre er sonst nicht glücklich gewesen: „Als die Möglichkeit kam, diesen Laden zu übernehmen, dachte ich mir: Was ist in 10 Jahren, wenn ich da immer noch nicht meine Passion lebe und das auch noch weitere 20 Jahre so bleibt?“ So fiel die Entscheidung. „Es geht mir nicht ums Reichwerden, aber wenn ich ein Auskommen habe mit etwas, das ich liebe, dann bin ich schon zufrieden.“