Jahrzehntelang prägte die Anwesenheit des großen Braunbären die alltäglichen Spaziergänge der Bozner Kinder, Familien und Senioren: Ihr Weg führte oft an seiner Grube im heutigen Petrarcapark vorbei, wo ihn die Besucher beim Spielen, Essen und Schafen beobachteten und so manche Nuss hinuntergeworfen wurde.Pippo war 1962 nach Bozen gekommen. Er war – zusammen mit der Bärin Denis – ein Geschenk des Trienter Bürgermeisters an dessen Bozner Amtskollegen und hatte zuvor in Sardagna oberhalb von Trient gelebt.Liebling der Bozner KinderAuch nach Denis' Tod blieb Pippo der Liebling aller Bozner Kinder. Fast jeder brachte ihm ein wenig Futter mit, rief nach ihm, schaute zu, wie er sich beim Zerfleddern alter Reifen oder im Sommer am Wasserbecken vergnügte. Pippo saß in seiner Grube und ertrug alles mit Gelassenheit.Mitte der 80-er Jahre stellten sich erste Probleme ein. Pippo litt unter Rheumatismus. Bald war der Bär an den hinteren Extremitäten komplett gelähmt und kroch nur noch schwerfällig durch seine Grube.Pippo erhielt bald bessere Pflege, und der Zwinger wurde tiergerechter gestaltet. Doch sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Die nicht heilenden Verletzungen, die Lähmung der Hinterläufe, aber auch das hohe Alter bedeuteten für das Tier große Qualen.Pippo war nun rund 36 Jahre alt; in freier Wildbahn werden Bären höchstens 30 Jahre alt.Am 23. April 1993 eingeschläfert - Bozen trauerteAm 19. April 1993 beschloss der Bozner Stadtrat, den Bären einschläfern zu lassen. Proteste hatten dieses Mal keinen Erfolg. Am 23. April setzte Tierarzt Paolo Gallmetzer, der das Tier in seinen letzten Lebensjahren medizinisch versorgt hatte, die Spritze und begleitete den Bären in seinen letzten Lebensstunden.Hunderte kamen zur leeren Bärengrube, um ihre Trauer über Pippos Ableben zu bekunden. Über Jahrzehnte hatten die Bozner eine emotionale Bindung zu Pippo aufgebaut.Der Zwinger wurde 2001 eingeebnet. An seiner Stelle wurden die Spielanlagen erweitert, ein kleines Freilicht-Theater angelegt und entstand im Jahr 2008 ein Jugendclub. Der Name konnte nicht anders lauten als „Pippo“.D/Claudia Schwarze____________________________________________________________In der Mittwoch-Ausgabe der "Dolomiten" ist dem Grieser Bären eine Extra-Seite mit zahlreichen Hintergrundgeschichten gewidmet.