Dienstag, 17. März 2015

Bozner "Temple Bar" ist weltweit am "irischsten"

Ein kleines Stück Irland im Herzen von Bozen: Der Irish Pub "Temple Bar" am Dominikanerplatz wurde kürzlich von einer globalen Vereinigung als "authentischster Irish Pub außerhalb von Irland" ausgezeichnet. STOL hat mit Betreiber Stephen Tierney über irische Sitten, soziales Engagement und über Weltoffenheit gesprochen.

Die Temple Bar in Bozen hat den "Authenticity Award 2015" gewonnen
Die Temple Bar in Bozen hat den "Authenticity Award 2015" gewonnen

Anfang März wurden von der Föderation "Irish Pubs Global" mehrere Auszeichnungen an irische Lokale rund um den Globus vergeben. Neben zahlreichen anderen Kategorien wurde auch der authentischste Pub außerhalb von Irland prämiert. Dieser befindet sich laut "Irish Pubs Global" - wer hätte es geglaubt - in Bozen, genauer, am Dominikanerplatz.

2006 eröffnete der Ire Stephen Tierney die "Temple Bar", die sich schnell zum beliebten Treffpunkt entwickelte - und das nicht nur am St. Patricks Day, der am 17. März gefeiert wird.

STOL: Herr Tierney, waren Sie von Ihrer Auszeichnung überrascht?

Stephen Tierney: Ich hätte nie geglaubt, dass wir gewinnen könnten. Schon alleine die Nachricht, dass wir es in die engere Auswahl für den „Authenticity Award 2015“ geschafft hatten, war überwältigend. Ich dachte nur: „Wow, das ist Wahnsinn." Dass wir tatsächlich gewonnen haben, war ein absoluter Schock. Und sehr emotional. Wir sind einfach nur überglücklich.

 

 

STOL: Wie haben Sie von der Auszeichnung erfahren?

Tierney: Die Vereinigung „Irish Pubs Global“ veranstaltet jedes Jahr eine Konferenz in Dublin, auf der sich Irish-Pub-Besitzer aus der ganzen Welt treffen. Ich wäre in diesem Jahr sowieso hingereist, habe aber dann den Anruf bekommen, dass unser Pub neben einem Lokal in Atlanta, Georgia und einem im französischen Bordeaux in die engere Auswahl gekommen war. Auf der Konferenz wurden dann die Gewinner bekanntgegeben.

STOL: Wie war Ihre Reaktion?

Tierney: Ich war zunächst absolut überwältigt. Ich habe dann sofort im Pub angerufen: Dort war schon eine Party im Gange, alle warteten gespannt auf das Ergebnis. Als meine Geschäftspartnerin verkündete, dass wir den Award gewonnen hatten, drehten alle komplett durch. Es wurde ordentlich gefeiert. Seitdem haben wir zahlreiche Glückwünsche bekommen: Die Leute finden es unglaublich, dass so ein kleiner Pub in Bozen eine solche Auszeichnung erhält. Immerhin hat „Irish Pubs Global“ rund 6500 Pubs im Verzeichnis.

 

Arthur Edward Rory Guinness, Urahn des Begründers der Biersorte Guinness, überreicht den Award an Stephen Tierney.

 

STOL: Was denken Sie: Warum ist gerade die Temple Bar weltweit der authentischste Irish Pub außerhalb Irlands?

Tierney: Was einen wahren Irish Pub ausmacht, sind nicht nur typisch irische Produkte. Soziales Engagement für die Gemeinde ist noch viel wichtiger. Wir von der Temple Bar sind stolz darauf, uns sehr für die Gemeinschaft von Bozen zu engagieren. Wir sponsern fünf Sportteams und mehrere Bands, organisieren Wohltätigkeitsveranstaltungen und unterstützen die GEA (Gender and Education Association) in ihrem Kampf gegen Gewalt an Frauen. Das alles bringt uns den Leuten, die in unseren Pub kommen, näher. Es geht nicht nur ums Geschäft: Es ist ein Geben und Nehmen.

Ich glaube, dass genau dieses soziale Engagement für die Menschen in Bozen eine absolute Neuheit ist. Sie sind es nicht gewohnt, dass sich eine Bar mit so großem Einsatz für die Gemeinschaft engagiert. Aber genau das ist es, was uns so authentisch macht. In den Pubs in den Vorstädten von Irland ist es gang und gäbe, sich für den lokalen Sport einzusetzen und auch mal Geld zu sammeln, wenn ein Nachbar Hilfe braucht. Wir Iren werden von Kind an dazu erzogen, uns für unsere Mitmenschen einzusetzen.

 

Stephen Tierney

 

STOL: Die Temple Bar hat sehr viele Stammgäste. Ist auch das typisch irisch?

Tierney: Absolut, ja! Bei uns kennt jeder jeden. Das ist das Schöne daran: Auch wenn jemand häufiger alleine zu uns kommt, trifft er spätestens beim vierten Mal jemanden zum Reden. Wir ermutigen diese Offenheit in unseren Gästen. Und es ist ansteckend: Die Leute in unserem Pub sind sehr weltoffen. Sie sehen kein Hindernis in unterschiedlichen Nationalitäten oder Sprachen. Sie sind hier, um gemeinsam zu trinken, und alles ist gut.

Interview: Elisabeth Turker

stol