<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />„Bunte Farben, intensive Naturdüfte, warmes Licht, freundliche Menschen … einfach traumhaft!“ Brigitte Egger gerät ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Wahlheimat Marrakesch erzählt. <BR /><BR />Vor neun Jahren zog es die Südtirolerin aus der Meraner Gegend in die rund 2200 Kilometer entfernte, quirlige Stadt im Südwesten Marokkos, die jährlich rund drei bis vier Millionen Touristen aus aller Welt anzieht. Heute führt die Burggräflerin dort ihre eigene Reiseagentur „Argana Dream Tours“ und organisiert für ihre Kunden, darunter US-Amerikaner, Engländer, Deutsche, Österreicher, Schweizer und natürlich auch Südtiroler, individuelle Führungen und Touren durch Stadt und Land.<h3> „Hab Vertrauen ins Leben“</h3>„Du spinnst“ – das war noch die freundlichste Reaktion, als die Abenteurerin 2017 ihren Entschluss verkündete, in den Norden Afrikas auszuwandern. Entmutigen ließ sich die Hotelierstochter davon aber nicht – im Gegenteil: „Ich zog das durch, kündigte meine Arbeit bei „Wörndle Interservice„ – und weg war ich.“<BR /><BR />Für viele kaum denkbar: Das eigene, eingespielte Leben aufzugeben, Sicherheiten loszulassen und sich auf einen Weg einzulassen, der mehr Fragen als Antworten bereithält.<BR /><BR />„Everything happens for a reason“ (dt. „Alles passiert aus einem Grund“) – diesen Satz hat sich die Frohnatur vor einigen Jahren auf den rechten Unterarm tätowieren lassen. Er ist zu ihrem Lebensmotto geworden und erinnere sie immer wieder daran: „Hab Vertrau-en ins Leben und in das, was es mit dir vorhat.“<h3> „Marrakesch ist unglaublich quirlig“</h3>Sofort begeistert von Marrakesch war Brigitte Egger jedoch nicht. Als sie vor 15 Jahren zum ersten Mal in die „Ockerstadt“ reiste, war sie alles andere als angetan: „Die Stadt hat mich fertig gemacht“, erzählt sie lachend. „Marrakesch ist unglaublich quirlig, ein Labyrinth aus engen Gassen und vielen kleinen Märkten. Es ist laut, bunt, es duftet überall, Händler preisen ihre Waren an – irgendwann wird man von der Fülle der Eindrücke schlicht erschlagen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1307784_image" /></div> <BR />Doch trotz des anfänglichen „Kulturschocks“ ließ sie die Stadt nicht mehr los. Immer wieder kehrte die offenherzige Frau an ihren Sehnsuchtsort zurück, der sie zunehmend wie magisch in seinen Bann zog. Warum, das kann sie sich bis heute nicht erklären: „Manche Dinge lassen sich nicht in Worte fassen, man fühlt sie einfach“, sagt sie.<h3> Zwei Persönlichkeiten waren ebenso angetan von der Stadt</h3>Einen ähnlichen Reiz übte Marrakesch übrigens auch auf den 2008 verstorbenen französischen Modeschöpfer Yves Saint Laurent aus. Zusammen mit seinem Partner Pierre Bergé kaufte er dort das berühmte Anwesen „Villa Oasis“, das heute Teil des bekannten botanischen Gartens „Jardin Majorelle“ ist. Dort verbrachte der Modeschöpfer regelmäßig längere Aufenthalte, vor allem zur Erholung und Inspiration. Ihm habe die Stadt „Farben geschenkt“, die er in seinen Kollektionen weiterverarbeitet habe. <BR /><BR />Auch der ehemalige britische Staatsmann Winston Churchill soll Marrakesch als „schönsten Ort der Welt“ bezeichnet haben. Auch er hielt sich immer wieder im Rahmen von Reisen in der „Perle des Südens“ auf und ging dort seinem liebsten Hobby, der Malerei, nach.<h3> „Ich organisiere auch Touren in die Wüste oder in die Berge“</h3>Nach unzähligen Aufenthalten in Marokko war es 2017 dann auch für Brigitte Egger so weit: Die Südtiroler Abenteurerin wagte den großen Schritt – und tauschte ihr ruhiges, geregeltes Leben in Südtirol gegen den pulsierenden, ungezähmten Lifestyle in Marrakesch ein.<BR /><BR />Zunächst führte sie erfolgreich drei verschiedene „Riads“ (traditionelle „Bed & Breakfasts“ in der Medina, der Altstadt von Marrakesch), bis sie sich schließlich mit ihrer Reiseagentur „Argana Dream Tours“ selbstständig machte. Besonders gefragt seien Brigitte Eggers Stadtführungen und Touren: „Ich biete Führungen durch Marrakesch an, ich organisiere aber auch mehrtägige Touren durch die Wüste oder in das atemberaubende Atlasgebirge“, berichtet sie.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1307787_image" /></div> <BR />Die Bergbewohner Marokkos haben es ihr besonders angetan: „Sie führen im Gegensatz zu den Menschen in der Stadt ein sehr zurückgezogenes Leben, haben wenig materiellen Besitz und wirken dennoch ausgeglichen. Sie leben im Einklang mit der Natur, etwas, das wir längst verlernt haben“, erzählt sie über die noch sehr traditionell lebenden Berggemeinschaften Marokkos.<BR /><BR />Von ihren Kunden geschätzt werde sie vor allem für ihr fundiertes Wissen und ihren respektvollen, freundlichen Umgang mit den Menschen vor Ort. Auch ihre Mehrsprachigkeit sei ein großer Pluspunkt im touristischen Gewerbe: „Ich spreche insgesamt fünf Sprachen fließend: Deutsch, Italienisch, Englisch, Französisch und Arabisch. Damit erreiche ich einen großen Kundenstamm.“<h3> Sie versorgt und pflegt insgesamt 52 Katzen</h3>So begeistert sie anfangs auch war – an den marokkanischen Lebensstil musste sich Brigitte Egger erst gewöhnen. „Ich bin sehr impulsiv und habe wenig Geduld“, verrät sie. Die Marokkaner gingen vieles deutlich entspannter an: „Wenn etwas nicht sofort klappt, heißt es hier einfach “Inshallah„ – also: „So Gott will„.“ Bedeutet konkret: Macht man mit einem Marokkaner ein Treffen um elf Uhr aus, kann es sein, dass er erst zwei Stunden später aufkreuzt oder gar nicht kommt. „Da bin ich schon einige Male mit ihnen zusammengekracht!“ (lacht)<BR /><BR /> Lange böse sein kann sie dem „äußerst freundlichen Volk“, wie sie die Marokkaner auch gerne beschreibt, aber nicht. Schließlich habe sie von ihnen auch etwas gelernt: „Der Marokkaner sagt immer: “Ihr habt die Uhren und wir haben die Zeit“, schätzt die Abenteurerin eine neu entdeckte Gelassenheit, die nachwirkt.<BR /><BR />In ihrem Viertel in der Neustadt von Marrakesch ist Brigitte Egger übrigens als „Katzen-Mama“ bekannt: „Ich versorge und pflege insgesamt 52 Katzen, sieben in meiner Wohnung und 45 weitere im Garten“, erzählt die Tierliebhaberin, die all ihre Miezen krank aufgefunden und liebevoll bei sich aufgenommen hat.<BR /><BR />Ein schöneres Leben könnte sie sich derzeit also kaum vorstellen. Ob sie eines Tages nach Südtirol zurückkehren wird? „Das weiß ich nicht“, sagt sie. „„Inshallah„ würde der Marokkaner sagen, so Gott es will!“ (lacht)