Montag, 21. März 2016

Bud Spencer: Olympia-Schwimmer wird "König“ des Spaghetti Western

Bud Spencer blickt auf ein so ereignisreiches Leben zurück wie wenige andere. Leistungsschwimmer, Schauspieler, Jurist, Unternehmer und Musikproduzent: Die Erlebnisse, die der „König“ des Spaghettiwestern gesammelt hat, reichen für mehrere Existenzen. Doch trotz seiner 86 Jahre hungert der schwergewichtige Held unzähliger Actionkomödien immer noch nach neuen Abenteuern.

Steht weiterhin fest im Leben: Bud Spencer
Steht weiterhin fest im Leben: Bud Spencer - Foto: © APA/EPA

Nur wenige wissen, dass der als Carlo Pedersoli geborene Spross einer Industriellen-Familie bei der Schwimm-Europameisterschaft in Wien gleich an zwei Finalen teilgenommen hat. Sieben Mal in Folge gewann Pedersoli die italienische Meisterschaft. Seine Schwimmkarriere, die er als Wasserballer begonnen hatte, erreichte den Höhepunkt, als er 1952 an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnehmen durfte. 1956 beteiligte er sich an den Olympischen Sommerspielen in Melbourne und spielte danach auch Rugby.

"Mir flog alles mühelos zu"

„Ich war nie besonders ehrgeizig. Das regelmäßige Trainieren war nicht mein Ding. Hätte ich härter gearbeitet, wäre ich als Schwimmer viel weiter gekommen“, gibt der gebürtige Neapolitaner im Gespräch mit der APA in seiner Wohnung in Rom zu. Niemals habe er nach dem Maximum gestrebt, alles sei ihm mühelos zugeflogen. Doch er hatte auch anderes als nur den Sport im Kopf.

Nach der Promotion und verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, die ihn bis nach Südamerika führten, verschaffte ihm der befreundete Filmregisseur Giuseppe Colizzi 1967 die erste Hauptrolle. Colizzi suchte damals einen Giganten für seinen Film und der 1,94 Meter große Pedersoli kam ihm passend vor. Aus dem Sportler war mittlerweile ein bärtiger, beleibter Riese geworden. „Meine Schauspielerlaufbahn hat wie meine Sportlerkarriere begonnen: Total ungeplant“, erinnert sich Pedersoli.

Neustes Hobby: Facebook

Bud Spencers Motto ist heute wie gestern: „Lasst mich vorbei, ich lebe gerade mein Leben!“. Diese spielerische Lebensphilosophie, die in krassem Gegensatz zu seiner bulligen Körperstruktur steht, hat dem Schauspieler die Herzen von Menschen in allen Weltteilen eröffnet. Die Kontakte zu seinen auf allen Kontinenten verstreuten Fans pflegt er jetzt über seine Facebook-Seite „Bud Spencer Official“. Denn der imposante Italiener ist kürzlich ganz der Faszination der Sozialnetzwerke verfallen. Darüber berichtet er in seinem neuen Buch „Was ich Euch noch sagen wollte“, das jetzt im deutschen Verlag „Schwarzkopf & Schwarzkopf“ erscheint. Das Werk enthält Lebensweisheiten mit autobiografischen Bezügen und vielen Gedanken über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Welt.

"Ich bin ein Marsmensch, der sich immer in neue Abenteuer stürzt"

Mithilfe seines Enkelsohnes Alessandro pflegt Bud Spencer täglich die Kontakte zu seinen Fans. Über eine Million „Likes“ hat er inzwischen gesammelt. Das sind Zahlen großer Stars. „Ein Wahnsinn! Wen interessiert denn noch das Schicksal eines 86-Jährigen, frage ich mich oft. Doch mein Gehirn, das immer noch wie ein 28-Jähriger denkt, sagt mir, dass das nur ein weiterer Rekord in meinem Leben ist. Ich wundere mich über nichts mehr“, lächelt der dreifache Vater und fünffache Großvater.

Seit 56 Jahren ist Bud Spencer mit Maria Amato verheiratet. Die Tochter des bekannten römischen Filmproduzenten Giuseppe Amato, die Besuchern gern Bilder und Zeitungsartikel aus ihrem Privatarchiv über die Karriere ihres Mannes zeigt, hat Spencer nicht nur bei seiner filmischen, aber ebenso bei seiner menschlichen Laufbahn stets unterstützt. Auch als diese unerwartete Wenden nahm und der Schauspieler eine eigene Fluggesellschaft, die „Mistral Air“, gründete, die viel Geld verschlungen hat. „Fliegen ist wie alle Leidenschaften: kostspielig“, seufzt Bud Spencer. Auch eine Textilfabrik für Kindermoden hat der Schauspieler aufgebaut. „Maria hat eigentlich einen Marsmenschen geheiratet. Denn meine Natur treibt mich, gegen den Strom zu schwimmen und mich in immer neue Abenteuer zu stürzen.“

...und dann kam Terence Hill

Als Spencers Partner in „Gott vergibt, wir beide nie“ verpflichtete Regisseur Colizzi einen schlanken, gut aussehenden Typen, der ebenfalls noch am Beginn seiner Karriere stand – sein Name: Mario Girotti, Sohn eines Venezianers und einer Deutschen, besser bekannt unter dem amerikanisch angehauchten Künstlernamen Terence Hill. Ein Traumduo der internationalen Filmindustrie war geboren. Streifen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ und „Zwei Missionare“ wurden zu absoluten Kassenschlagern. „Doch mein absoluter Lieblingsfilm ist die deutsch-italienische Produktion 'Banana Joe' aus dem Jahr 1981“, verrät der Ex-Raufbold.

"Wir können nicht aufeinander verzichten"

Bud Spencer ist zwar eine Legende des Action-Kinos, hat sich aber Starallüren nie hingegeben. Heute wie gestern weiß er Freundschaften hoch zu schätzen. Der Kontakt zu Terence Hill ist nie abgerissen und bleibt immer noch ein Fixpunkt in Spencers Leben.

„Wir können nicht aufeinander verzichten. Auch wenn wir beruflich anderswo unterwegs sind, halten wir dauernden Kontakt. Wenn Mario in Rom ist, kommt er mich immer besuchen. Wir hatten beide das unglaubliche Glück, im Zweiten Weltkrieg den Bombenhagel zu überleben, ich in Rom und er in Dresden. Diese Erfahrung hat uns beide zutiefst geprägt und zusammengeschweißt. Lange wussten unsere Fans nicht, dass wir ein italienisches Duo waren. Wegen unserer Künstlernamen hielt man uns für Amerikaner“, berichtet der Schauspieler.

Obwohl seine Gesundheit heute nicht mehr so gut ist wie früher, hegt Bud Spencer neue Projekte. So will er weitere Teile seiner Autobiografie schreiben. „Ich habe noch Material für unzählige Bände“, versichert er. Im Juni wird er an einem Event in Klagenfurt teilnehmen, will aber Genaueres noch nicht enthüllen. „Ich war unzählige Male in Wien und liebe Österreich und seine Gastronomie sehr. Wiener Schnitzel schmecken mir sehr und natürlich auch die Süßspeisen. Aber mein Lieblingsgericht sind Bratkartoffeln, ganz unüblich für einen Neapolitaner, der eigentlich auf Pizza stehen sollte“, berichtet er.

Trotz seines geschäftigen Lebens denkt Spencer gelegentlich auch an den Tod. „Ich habe es zwar nicht eilig, das Jenseits zu erforschen. Ich bin aber ein neugieriger Mensch und will herausfinden, was auf der anderen Seite los ist. Sollte es nichts geben, wäre ich wirklich wütend!“, lacht Spencer.

apa

stol