Den wundersamen Ausgang des Grubenunglücks von Chile hatte „La Rompieron“ irgendwie schon knapp zwei Jahre vor dem Drama vorausgeahnt. „Franklin Lobos stirbt nicht!“, schrieb das chilenische Fußball-Online-Magazin Ende 2008. Der heute 53 Jahre alte Lobos ist einer der 33 im August noch totgeglaubten Bergleute, die jetzt nach 70-tägiger Gefangenschaft in 700 Metern Tiefe aus der San- José-Mine gerettet werden konnten.Eingeschlossener Kumpel war FußballstarFür Schlagzeilen hatte Lobos in seiner Heimat aber schon in den 1980er und 1990er Jahren als Fußballstar gesorgt. Und weil der Mann zuletzt auch wohlbeleibt im Altherren-Fußball mit Filigrantechnik geglänzt hatte, hatte „La Rompieron“ vor knapp zwei Jahren schlicht und einfach Lobos' „Unsterblichkeit“ verkündet.„Das war das schwerste Spiel meines Lebens, und ich habe es gewonnen“, stöhnte der zweifache Vater, nachdem er als 27. Kumpel der Rettungskapsel entstiegen war und mit einem von Tochter Carolina (25) mitgebrachten Ball Kostproben seiner Technik gegeben hatte.Während Carolina vor Freude weinte, zitterte und „Papa, ich liebe dich“ schrie, wurde Lobos von Staatspräsident Sebastián Piñera umarmt und mit den Worten gratuliert: „Willkommen im Leben!“. „Das war Lobos wichtigster Aufstieg“, schrieb „La Rompieron“ am Freitag in Anspielung auf die vielen Vereine, die der ehemalige offensive Mittelfeldspieler von der 2. in die erste Liga Chiles geführt hatte.Während nicht wenige Unglückskollegen nach der Bergung wohl von Hollywood-Filmen träumen, macht der Ex- und Neu-Star Lobos keinen Hehl daraus, dass er nach jahrelanger Arbeit als Taxi-, Bus- und Kumpel-Fahrer wieder auf die große Fußballbühne zurück möchte. Zamorano von Kampfwillen beeindrucktDer nahe der Unglücksmine San José ansässige Club Deportes Copiapó will die Ausbildung zum Trainer finanzieren. „Ich hoffe, dass Franklin sich wieder dem Sport beruflich widmen kann“, sagt Kumpelsohn und Fußball-Legende Ivan Zamorano.Um das Leben von Lobos hatte auch Zamorano gezittert. Der ehemalige Torjäger von Real Madrid war am Anfang seiner Karriere beim Club Cobresal von Lobos auf die Ersatzbank verdrängt worden. Trotz der Konkurrenzsituation wurden beide Freunde. „Er war der Star, ich kam nur ab und zu Mal zum Einsatz. Erst später, 1989, haben wir Seite an Seite gespielt“, erinnert sich Zamorano, der die Rettungsaktion in Mexiko live am Fernsehschirm verfolgte.Noch vor der Bergung hatte Zamorano den Kampfwillen von Lobos hervorgehoben. „Dort unten hat er sich sicher wie früher auf dem Platz verhalten. Er war temperamentvoll, hat die Führung übernommen und seinen Mannschaften immer den Weg gewiesen“.Lobos Freistöße bis heute unvergessenLobos brachte es zum Nationalspieler, stand im Team, das sich für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles qualifizierte. Aufgrund seiner präzisen Freistöße wurde Lobos „Magischer Mörser“ getauft. In 144 Erstligaspielen schoss er 86 Tore. Zamorano staunt noch heute: „Das habe ich so nie gesehen. Er traf den Ball irgendwie extrem mit dem Knöchel“.Dass es Lobos nicht zu mehr Länderspielen und zu Berühmtheit außerhalb der chilenischen Grenzen geschafft hat, liegt wohl daran, dass er der Tradition der südamerikanischen Fußball-Regisseure folgte und sich auf dem Platz nur ungern quälte.Viele Ex-Profis verdienen ihr Geld als MinenarbeiterNach der Fußballer-Karriere musste Lobos Geld verdienen. „Franklin war auf die tausend Dollar (rund 700 Euro), die er als Minenfahrer verdiente, angewiesen“, erzählt Neffe William. In den chilenischen Minen arbeiten zahlreiche Profis früherer Jahre. Besitzer von Kupferminen engagieren sich in Chile traditionell als Clubsponsoren. Cobreloa gewann zwischen 1980 und 1992 fünf Titel, Cobresal wurde 1987 chilenischer Pokalsieger.dpa