Wenn man bedenkt, was hierzulande alles wächst und gedeiht, so kann Südtirol durchaus als kleiner Garten Eden bezeichnet werden. Es ist ein überaus fruchtbarer Landstrich, möglich machen dies das Zusammenspiel einer Vielzahl von Faktoren, darunter die klimatischen Bedingungen, unterschiedliche Höhenlagen, nährstoffreiche Böden und natürlich fleißige Menschen mit grünem Daumen. Allerdings gibt es natürlich auch die andere Seite der Medaille. <BR /><BR />„Wenn wir von der Bewahrung der Sortenvielfalt bzw. des Artenreichtums sprechen, so ist es bedauerlich, dass sich einige wenige Ehrenamtliche diese Last auferlegen“, sagt Manfred Hofer, Vorsitzender des Vereins Sortengarten Südtirol. Dieser wurde im Jahre 2000 mit dem Ziel aus der Taufe gehoben, den genetischen Schatz der gebietseigenen Kulturlandschaft zu erhalten und das dazu notwendige Bewusstsein zu schärfen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015209_image" /></div> Die Tätigkeitspalette der mittlerweile rund 100 Mitglieder reicht von der Züchtung autochthoner Haustierrassen (Tirolerhuhn oder Alpenschwein) bis hin zum Anbau von alten Obst- und Gemüsesorten. Spricht Manfred Hofer über Streuobstwiesen oder Wildpflanzen, dann geht ihm einerseits das Herz auf, andererseits sagt er klipp und klar: „Viele derartige Projekte werden zumeist nur kurzfristig finanziert und versanden dann wieder, es bräuchte hier ein nachhaltigeres Engagement vonseiten der zuständigen Instanzen.“ <BR /><BR /><b>Mehr Wildnis auf den Wiesen und in den Gärten</b><BR /><BR />Dabei sei ein Umdenken bzw. ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung allemal feststellbar. „Das Interesse für unsere Themen ist sicherlich vorhanden, aber eben im Freizeitbereich“, meint der in Brixen ansässige Vereinsvorsitzende, der gerade einen Baumschullehrgang macht. <BR />Reges Interesse verbuchte der Verein auch für eine nicht gerade alltägliche Weiterbildung über heimische Wildblumen und Wiesenkräuter. Von den 15 Teilnehmern sind heute noch viele unterwegs, um in ausgewählten Flächen die entsprechenden Blumen- und Kräutersamen in aufwendiger Handarbeit abzuzupfen und sie dann anderweitig auszusäen. Im Sommer gibt es die Belohnung in Form einer regelrechten Explosion an Farben und Duftstoffen, zugleich schafft man Lebensraum für Insekten und Kleinlebewesen, was wiederum Vögeln zugutekommt. <BR /><BR />Einen ähnlichen Beitrag für mehr Artenreichtum (und zugleich für die eigene Lebensqualität) kann jeder in seinem eigenen Garten oder auf dem Balkon leisten, indem man beispielsweise Wildwuchs zulässt, Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiten pflanzt und Nischen für Kleinlebewesen schafft. <BR /><BR /><b>Die Pflanzen-Arche der Permakultur-Pionierin</b><BR /><BR />Geht es um Saatgut, die Erhaltung von Kulturpflanzen und die Vermehrung typischer alter Gemüsesorten, dann kommt man hierzulande kaum an Elisabeth Kössler vorbei. Vor über 20 Jahren hat sie begonnen, sich eingehend mit der Permakultur-Anpflanzung zu befassen, 6 Jahre lang bewirtschaftete die gebürtige Bayerin einen Hof im Sarntal nach Permakultur-Prinzipien, ehe sie vor nunmehr 6 Jahren ein Grundstück im Meraner Ortsteil Gratsch für ihre Pflanzen-Arche fand. Dort hat sie eine grüne Vielfalts-Oase zur Bewahrung wertvollen Saatgutes geschaffen. „Es kommen Leute aus allen Landesteilen und sogar Touristen zu mir, um sich Pflänzchen oder Saatgut zu holen. Das Interesse für alte Sorten und das Bewusstsein für ganzheitliche Anbaumethoden wird immer größer, das lässt sich auch an unseren Marktständen und Kursen feststellen“, sagt die Permakultur-Pionierin. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015212_image" /></div> <BR /><BR />Ihr grünes Projekt nennt sie „Pflanz Gutes“, ihre Samenliste umfasst derzeit zwischen 200 bis 250 verschiedene Sorten, das Gemüse-Panoptikum reicht von der Aubergine Weiße Lilie bis hin zu Zuckerwurzeln und Zucchinis. Besonders gut ersichtlich ist die Vielfalt bei Tomaten (30 bis 40 Sorten), Paprika (30 Sorten), Eierfrüchten bzw. Melanzane (über 10 Sorten), Peperoncino (über 10 Sorten) oder Bohnen (über 10 Sorten), als Raritäten bezeichnet Elisabeth Kössler hingegen Zuckermelonen, Erdmandeln und Erdkastanien. Damit sind jedoch noch gar nicht die Dutzenden Salate, die vielen Küchenkräuter oder die Blumen, Bienenpflanzen und essbaren Blüten erwähnt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015215_image" /></div> <BR /><BR />„Es gibt eine Vielzahl an Blumen wie Bartnelken, Ringelblumen oder die Kamille, die charakteristisch für alte Bauerngärten waren, aber in den heutigen Gärten kaum noch zu finden sind“, meint die Pflanzen-Fachfrau. Allein ihr Bienenpflanzen-Spektrum liest sich wie ein Streifzug durch eine fantastische Fabelwelt: Königskerze, Blutweiderich, Kosmea, Anisysop, Mexikanische Sonnenblume, Ultner Mohn und weitere mehr. Und dann sind da noch die „Hildegard-von-Bingen-Kräuter“ wie Andorn, Eibisch und Eisenkraut, es ist ein weiterer Schwerpunkt im Exerzierfeld von Elisabeth Kössler.<BR /><BR /><b>Obstbäume als Investition</b><b>in die Zukunft</b><BR /><BR />Ihr Grundstück in Gratsch hat sie in 4 Bereiche aufgeteilt: Gemüsebeete zur Saatgutvermehrung, Folientunnel mit Jungpflanzenproduktion, Wildniszone sowie Obstbäume mit Beerensträuchern. „Momentan gilt mein Augenmerk noch den winterharten Salaten und winterharten Erbsen sowie der Aussaat von Zwiebeln, Rucola, Asiasalaten und Frühjahrssalaten“, sagt sie, aber schon in wenigen Wochen verlagere sich der Schwerpunkt in ihrem Permakultur-Reich auf die verschiedenen Beeren. Ihre Experimentierfreude wird auch in diesem Jahr nicht zu kurz kommen: „Ich werde mehrere Obstbäume setzen, allerdings mit dem Bewusstsein, dass ich erst nach 10, 15 oder 20 Jahren die Ernte einfahren werde – also richtige und große Obstbäume, wie man sie nur mehr selten sieht.“ Elisabeth Kössler sieht dieses Vorhaben als Investition in die Zukunft, wenn sie bereits in Pension ist. <BR /><BR />Es ist fürwahr ein schöner Gedanke: Artenreichtum und die Bewahrung lokaler Sorten als Investition in die Zukunft.<BR />