Die „ZiB“-Lady verlässt nach 32 Jahren den ORF, um mit 1. Juli die Leitung des Jüdischen Museums der Stadt Wien zu übernehmen.„Kein Abend wie jeder andere“ Ihre letzte Sendung wird für die Moderatorin in jedem Fall ein besonderer Moment, wie sie im Interview mit der APA sagte: „Natürlich wird das kein Abend wie jeder andere sein.“ Nach 32 Jahren ORF und 22 Jahren Moderation der „Zeit im Bild“ sei sie mit dem Unternehmen und ihrer Aufgabe „sehr verbunden, jedenfalls möchte ich mich beim Publikum für den großen Zuspruch im Lauf vieler Jahre bedanken“.Spera hat seit 1988 den ORF-Nachrichten ein Gesicht gegeben. Ihr Abschied wird sowohl von Kollegen als auch dem Publikum bedauert, wie zahlreiche Glückwünsche oder Briefe mit dem Ausdruck des Bedauerns belegen, wie sie schildert. „Auch mir fällt es nicht leicht, mich von meinen Kollegen zu trennen, nach so vielen Jahren, die wir gemeinsam verbracht haben.“„Gerüstet für neuen Job“ Für ihren neuen Job sieht sich Spera jedenfalls gerüstet, nicht zuletzt nach den gewonnenen Erfahrungen in über 30 Jahren Fernsehgeschäft. Eine wesentliche Fähigkeit, die sie aus dem Nachrichtenjob mitnehmen möchte, sei es, „den Menschen die Schwellenangst zu nehmen, um sie abzuholen und einzuladen, sich mit der jüdischen Kultur auseinanderzusetzen“.Als langjährige Redakteurssprecherin hatte sich Spera auch mit dem oft zitierten versuchten politischen Einfluss auf die ORF-Redaktion auseinanderzusetzen. Unter wechselnden Führungen des Unternehmens sei es stets gelungen, „dass wir uns immer wieder gegen jede Art von politischer Einflussnahme zur Wehr gesetzt haben - und das mit Erfolg“.„9/11 hat nachhaltig betroffen gemacht“ Aller journalistischen Routine zum Trotz gab es auch für Spera Ereignisse, die sie als Mensch nachhaltig betroffen machten: “9/11 war ganz sicher ein derartiger Moment, wo wir alle nicht für möglich gehalten haben, was wir da live miterlebt haben“. Die interessanteste berufliche Aufgabe im ORF war für die Journalistin jene als Reporterin. „Das war für mich die spannendste Periode, da bin ich in die verschiedensten Weltgegenden gereist, in Regionen, in die ich sonst vermutlich nicht gekommen wäre.“ Die Zeit prägte sie auch in Folge und außenpolitische Themen blieben ihr Faible, wie sie sagte.„Ihre Professionalität und Persönlichkeit werden fehlen“ TV-Chefredakteur Karl Amon streute der scheidenden Journalistin am Dienstag Rosen: „Mit Danielle Spera verlässt eine hervorragende Journalistin das Unternehmen. Sie hat mit ihrem einzigartigen Moderationsstil den Erfolg der ’Zeit im Bild 1’ mitgestaltet. Ihre Professionalität und ihre Persönlichkeit werden der ’Zeit im Bild’ fehlen“, betonte Amon in einer Aussendung.Danielle Spera, geboren im August 1957, begann 1978 ihre Tätigkeit als freie Mitarbeiterin in der Auslandsredaktion des Aktuellen Dienstes im Fernsehen. Nach redaktioneller Mitarbeit und Gestaltung der „Wochenschau“ von 1980 bis 1983 reiste die Wienerin als Redakteurin der Auslandsredaktion zur Berichterstattung nach Mittelamerika, Griechenland und Zypern. Von 1987 an war die promovierte Publizistin, die sich jahrelang als streitbare Redakteurssprecherin der „Zeit im Bild“ einen Namen gemacht hat, als Korrespondentin im ORF-Büro Washington tätig.Biographie über Hermann Nitsch herausgegebenIm Juni 1988 moderierte sie ihre erste „Zeit im Bild“, insgesamt führte Spera durch knapp 4.000 „Zeit im Bild“-Sendungen, unzählige Ausgaben der Kurz-„ZiBs“ sowie zahlreiche Sondersendungen. Ihre Studiopartner waren Josef Broukal, Horst Friedrich Mayer, Martin Traxl und - seit der Wiedereinführung der Doppelmoderation 2007 - Tarek Leitner. Nebenbei berichtete die zweifache Romy-Preisträgerin und Mutter eines Sohnes sowie zweier Töchter immer wieder von Schauplätzen aus der ganzen Welt, vor allem aus dem Nahen Osten.Darüber hinaus präsentierte Spera bis Jänner 1998 das wöchentliche Magazin „Brennpunkt“. Im Oktober 1999 stellte sie auf der Frankfurter Buchmesse ihre Biographie des Künstlers Hermann Nitsch mit dem Titel „Hermann Nitsch - Leben und Arbeit“ vor. Von 1990 bis 2002 war sie Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien. Seit 2000 ist Spera ständige Autorin bei der jüdischen Zeitschrift „NU“.apa