Montag, 19. März 2018

Das blaue Wunder im Bett: 20 Jahre Viagra

Vor 25 Jahren waren Pharmaforscher der Firma Pfizer eigentlich auf der Suche nach einem Medikament gegen Bluthochdruck. Doch als Minenarbeiter in England den Wirkstoff in einer Studie testeten, traten unerwartete Nebenwirkungen zutage: Die Männer berichteten, durchaus erfreut, das Mittel verschaffe ihnen häufiger und längere Erektionen.

Vor 25 Jahren waren Pharmaforscher der Firma Pfizer eigentlich auf der Suche nach einem Medikament gegen Bluthochdruck, daraus entstand aber Viagra.
Vor 25 Jahren waren Pharmaforscher der Firma Pfizer eigentlich auf der Suche nach einem Medikament gegen Bluthochdruck, daraus entstand aber Viagra.

„Das war der Durchbruch“, erinnert sich der Chemiker David Brown in einem Interview an den Moment, an dem seine Kollegen das Potenzial des Zufallsfundes noch gar nicht sahen. 5 Jahre später, am 27. März 1998, kam der Wirkstoff Sildenafil unter dem Markennamen Viagra in den USA auf den Markt – begleitet von einer fulminanten „Time“-Coverstory mit dem Titel „Die Potenz-Pille“. Ein halbes Jahr später war sie auch in Europa erhältlich. Seitdem hat die kleine blaue Tablette das Sexleben von zahlreichen Männern – und Frauen – weltweit verändert: Mehr als 64 Millionen Männern schluckten bisher insgesamt über 3 Milliarden Pillen, berichtet Pfizer. Das Unternehmen machte Milliardengewinne.

Heute sprechen Experten vom „Viagra-Effekt“ – denn mit dem Aufkommen der Tablette trauten sich Männer erstmals im größeren Umfang über ihre Probleme im Bett zu sprechen. „Früher haben Männer oft 10 bis 20 Jahre gewartet. Jetzt kommen Patienten teilweise schon nach 3 bis 6 Monaten zu mir in die Sprechstunde“, berichtet der Urologe Frank Sommer, Universitätsprofessor für Männergesundheit in Hamburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit.

Werbung mit gut sichtbarem Ehering 

Ein Grund dafür: Aus dem Problem Impotenz – für viele Betroffene mit sozialem Stigma und dem Makel des „Nicht-Könnens“ versehen – wurde nun sachlicher die Erektile Dysfunktion. Ein medizinischer Fachbegriff, mit dem irgendwie einfacher umzugehen war. Trotzdem war es am Anfang ein pikantes Unterfangen, die Tablette und ihre Wirkung ins Gespräch zu bringen, erinnern sich Marketingfachleute. Werbung durfte im US-Fernsehen dafür zunächst nur nach 23.00 Uhr laufen – und wenn, dann trugen die Schauspieler deutlich sichtbar einen Ehering.

Mittlerweile gibt es diverse Konkurrenzprodukte mit ähnlich wirkenden PDE-5-Hemmern, sowie eine Vielzahl von Generika – seit 2013 ist der Patentschutz für Viagra in Europa ausgelaufen, Ende 2017 auch in den USA. Das versetzte den Produkten, die nicht von der Krankenkasse erstattet werden, weiteren Aufschwung: Denn während das Original je nach Dosierung um die 20 Euro pro Tablette kostet, ist der „Nachbau“ schon für etwa 5 Euro zu haben.
apa/dpa

stol