Mittwoch, 31. März 2021

Das große Abenteuer liegt vor der Haustür: 40 Jahre „TKKG“-Hörspiele

Diese vier Schüler sind seit 40 Jahren in der neunten Klasse sitzengeblieben. Dennoch haben sie das Leben von Millionen Kindern lehrreicher und spannender gemacht. Am Mittwoch hat die Hörspielreihe „TKKG“ runden Geburtstag, als Stichtag gilt der 31. März 1981. Rund 40 Millionen Tonträger wurden bisher verkauft.

von links: Klößchen, Tim, Karl und Gaby begeistern seit 40 Jahren in Hörspielen.
von links: Klößchen, Tim, Karl und Gaby begeistern seit 40 Jahren in Hörspielen.
Als Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby waren die Hobbydetektive an den Start gegangen – heute steht das „T“ für Tim. „Es ist für uns selber ja manchmal gar nicht vorstellbar, dass wir 40 Jahre jetzt nun dabei sind und dass es 40 Jahre gut läuft“, sagt „Klößchen“-Sprecher Manou Lubowski im dpa-Interview. Das Erfolgsrezept? „Dass wir uns treu geblieben sind.“ Täglich wird „TKKG“ gut eine Million Mal gestreamt.

Die Grand Dame des deutschen Hörspiels, Heikedine Körting, hat für das Label Europa bisher 217 Folgen produziert, die meisten nach Geschichten des Schriftstellers Rolf Kalmuczak alias Stefan Wolf. Sie etablierte damit ein deutsches Gegenstück zu den Abenteuern der „Drei Fragezeichen“ in den USA, die sie seit 1979 in Hamburg vertont: „Grundsätzlich kann man sagen, dass die Fälle aus den “TKKG„-Folgen im realen Umfeld der Hörerinnen und Hörer spielen könnten. Herr Kalmuczak sagte immer, er bräuchte bloß in die Tageszeitung zu schauen, was so passiert, und schon hätte er eine Story.“

Da geht auch mal eine Bombe hoch. Es fliegen Steine von Brücken auf Autofahrer. Einmal bricht ein Tiger aus. Aber eigentlich ist es das Wiedererkennen des eigenen Alltags, das die Storys liebenswert macht. Auch ein Markenzeichen: Am Rande wird Allgemeinwissen eingeflochten. Zwischen zwei Verfolgungsjagden erzählt Physikersohn Karl etwas über Planeten oder Tarzan bläut Klößchen ein Kapitel Kunstgeschichte ein.

Vier Freunde. Ein Judo-Kämpfer, ein schlagfertiges Dickerchen, ein Schlauberger und ein Mädchen, das hübsch und tierlieb ist. Sascha Draeger (Tarzan/Tim) und Manou Lubowski (Klößchen) sind seit der ersten Folge bis heute dabei. Veronika Neugebauer ist 2009 viel zu jung gestorben. Niki Nowotny stieg nach rund 200 Folgen aus. Die vier Rollen machen dieser Tage Tobias Diakow und Rhea Harder komplett.

Heute ist „TKKG“ ein Stück Popkultur. Lubowski erinnert sich: „Bis in die 90er gab es wirklich diese Jugendgruppen – auf dem Schulhof, oder draußen, wenn man auf dem Dorf lebte. Da war das auch so aufgeteilt. Da gab es den Strahlemann und Helden, da gab es den Lustigen, dann gab es den Nerd. Wenn man Glück hatte, waren auch Mädchen dabei.“
Lubowski, der als Elfjähriger begann und inzwischen 51 Jahre alt ist, liebt die akustische Welt dieser Hörspiele. „Das ist immer so eine Reise in die Vergangenheit. Gerade was die Geräusche angeht.“ Da sei zum Beispiel dieses Hundebellen: Der tapfere Cocker-Spaniel Oscar weicht außerhalb des Klassenzimmers nur selten von Gabys Seite. Die Wenigsten dürften wissen, dass es eine Hundedame war, die Oscar das charakteristische Europa-Bellen lieh. „Der Cocker-Spaniel hieß Mona, er lebte noch viele Jahre und war sehr häufig mit im Studio. Und das Bellen blieb eigentlich immer gleich“, erinnert sich Körting.

Wenn man in die ersten Fälle reinhört, hört man das Westdeutschland der ausklingenden Helmut-Schmidt-Ära. Zehn-Pfennig-Stücke, die in ein Münztelefon rasseln. Ratternde Wählscheiben. Scheibenwischer, die so laut quietschen wie eine ganze Waschanlage. Große Milchbars, in denen Eis im Glasbecher ausgelöffelt wird. Ein versunkener Kontinent.
Bei der „TKKG“-Reihe setzt man heute auf behutsame Modernisierung. In diesen Tagen veröffentlicht Amazon Music ein interaktives „TKKG“-Hörspiel, bei dem die Fans den Helden zu Hilfe kommen müssen.

„TKKG – Das verfluchte Osterei“ kommt am Karfreitag auf den Markt.
Was würde Manou Lubowski denn gern mal in der Rolle des „Klößchen“ erleben? „Interessant wäre für mich, wenn uns mal ein alter Fall einholen würde. Das ist aber sehr schwierig zu bewerkstelligen, weil wir ja immer im selben Alter bleiben. Aber auch was das angeht, wird es sehr spannend werden in nächster Zeit, soviel kann ich versprechen. Das TKKG-Universum fängt eigentlich erst an zu wachsen.“



dpa

Schlagwörter: