Es macht Jacopo und Barbara einzigartig, obwohl sie die sportliche Karriereleiter jeweils auch schon ohne einander beeindruckend hoch geklettert waren: die Tatsache, als Liebespaar eine Seilschaft zu bilden. „Nie zuvor kletterte ein Paar auf so hohem Niveau“, heißt es auch im Doku-Magazin „Bergwelten“, das letzthin auf „Servus TV“ erstmals ausgestrahlt wurde. Der Titel des Filmprojektes: „Seilschaft fürs Leben“.<BR /><BR /><BR />Über zwei Jahre beschäftigte den aus Bozen stammenden Jacopo Larcher (32) und seine Freundin Barbara Zangerl (33) aus der Nähe von Landeck dieses Projekt. „Wir haben zwischen Sommer 2020 und Ende 2021 gefilmt“, erklärt Larcher im Gespräch mit der „Zett“. Darin zu sehen ist u.a. die gemeinsame Begehung der schwersten Route in der Eiger-Nordwand („Free Odyssee“). Vor allem aber ist der Film ein Porträt eines Paares, das die sportliche Leidenschaft gemeinsam lebt. <BR /><BR /><b>Die Einzelkarrieren von Larcher und Zangerl</b><BR /><BR />Jacopo Larcher ist in Meran geboren und in Bozen aufgewachsen. Zum Klettern kam er als zehnjähriger Bub über einen Kurs der Alpenvereine AVS und CAI. Schnell wuchs seine Begeisterung für das Bouldern. Und Schritt für Schritt entwickelte er sich in beeindruckender Manier bis hin zum Italienmeister in dieser Disziplin (2010). Danach wendete er sich von den Wettkämpfen ab und wurde zu einem der besten Big-Wall- bzw. Felskletterer (u.a. Erstbegehung „Tribe“ im Piemont; gilt als schwierigste Route der Welt im „traditionellen Klettern“).<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="743369_image" /></div> <BR /><BR />Barbara Zangerl stammt aus Strengen bei Landeck. Zum Klettern kam sie über ihren Bruder. Im Bouldern war sie bald international erfolgreich – bis zu einer Verletzung am Rücken 2009. Auch sie wurde dann zur Big-Wall- bzw. Felsklettererin – eine der besten der .<BR /><BR /><b>Wie sie „nüchtern“ zum Liebespaar wurden</b><BR /><BR />Privat zusammengefunden haben die beiden Weltklasse-Kletterer im Jahr 2013 bei einem Boulder-Festival im lombardischen Val di Mello („Melloblocco“). „Die Boulder-Community ist klein, und wir kannten uns schon vom Sehen“, erzählt Larcher. Beim Festival habe es dann aber gefunkt. Die Annäherung war anfangs jedoch etwas schwierig, wie Barbara Zangerl im Film „Seilschaft fürs Leben“ erzählt. Mittlerweile spricht Larcher perfekt Deutsch, damals gab es aber die eine oder andere sprachliche Schwierigkeit – etwa, als Jacopo seiner Barbara verraten wollte, dass er „nüchtern“ sei. „Ich dachte mir, hoffentlich!“, lacht Zangerl im Film, „gemeint hat er freilich ‚schüchtern‘!“<BR /><BR />Nun wohnen sie gemeinsam in Bürs bei Bludenz (Vorarlberg). Sie arbeitet in Teilzeit als Röntgen-Assistentin im örtlichen Krankenhaus, er projektbezogen als „Routenbauer“ für Kletterhallen und Wettbewerbe in ganz Europa.<BR /><BR />Ihr „Hauptberuf“ ist allerdings das Klettern – finanziert über Sponsoring-Verträge. „Wenn wir uns gemeinsam für ein Projekt begeistern, machen wir es zusammen. Wir haben aber auch Projekte getrennt voneinander“, betont Jacopo Larcher.<BR /><BR /><b>16-stündige „Free Odyssee“ in der Eiger-Nordwand</b><BR /><BR />Zu den spektakulärsten gemeinsamen Projekten der vergangenen Jahre gehört die eingangs erwähnte Route „Free Odyssee“ in der Eiger-Nordwand, die auch im Mittelpunkt des Films „Seilschaft fürs Leben“ steht. Zu sehen sind darin mehrere Abbrüche und eine lebensbedrohliche Situation für Barbara Zangerl.<BR /><BR />„Wir haben diese Route schon 2018 gemeinsam bestiegen – allerdings in vier Tagen. Im September 2020 wollten wir dann die Idee umsetzen, die Route an einem Tag zu klettern. Was uns schlussendlich auch gelungen ist – in nur 16 Stunden“, so Larcher. Abgesehen vom individuellen Können der beiden Top-Kletterer kam es dabei vor allem auf das Zusammenspiel als Seilschaft an. Da ist es natürlich von Vorteil, dass sie auch privat ein Paar sind: „Wir kennen uns genau, wir vertrauen uns, das ist in der Wand sehr wichtig“, erläutert Larcher. I<BR /><BR />m Umkehrschluss sei es für die Beziehung von großer Bedeutung, dass sie die gleiche Passion hätten. „Für Nicht-Kletterer wäre die Begeisterung nicht so leicht nachvollziehbar. Wir können aber die Bedürfnisse des anderen nicht nur akzeptieren, sondern teilen.“ Streit gibt es, wie bei jedem Paar, trotzdem ab und zu. Nicht jedoch am Felsen. „Das liegt auch daran, dass man bei einem Streit zu Hause einfach mal zur Tür rausgehen kann. Das geht in der Wand nicht“, schmunzelt Larcher.<BR /><BR />Dass sie medial gerne als Kletter-Traumpaar wahrgenommen werden, ist beiden bewusst. „Wir klettern ja auch zusammen. Aber wir wollen dieses Bild nicht überstrapazieren, denn es ist in gewisser Weise auch unsere Privatsache.“ <BR /><BR />In den sozialen Medien legen sie deshalb Wert darauf, als Einzelathleten wahrgenommen zu werden. Dieses Engagement (er hat über 40.000 Follower auf Instagram, sie über 60.000) bezeichnet Larcher als „Teil der heutigen Arbeit als Athleten der neuen Generation.“ Einerseits sei es Erfordernis, andererseits auch eine gute Möglichkeit, „unsere Passion mit vielen zu teilen, die es interessiert.“<BR /><BR /><b>Nächstes Projekt: Auf den Spuren der Huber-Brüder</b><BR /><BR />Das nächste große gemeinsame Projekt planen sie im Juli in Pakistan – an einer der legendärsten Wände der Welt am „Nameless Tower“ (6285 m) im Karakorum: „Wir wollen die Route ‚Eternal Flame‘ frei klettern, denn das haben die Huber-Brüder 2009 erstmals gemacht – seither niemand mehr“, erklärt Larcher. Dass Jacopo Larcher und Barbara Zangerl das erste Paar wären, das diese Route schaffen könnte, versteht sich freilich von selbst.