Samstag, 15. Februar 2020

Dem Holocaust entkommen

Mit vier Jahren war Adriana Viktoria Zanellato Vollwaise, mit sieben wurde sie in Oberbozen von der Gestapo verhaftet – Ziel Auschwitz. „Der Herrgott hatte aber andere Pläne mit mir“, beschreibt sie ihr Schicksal.

Die Erinnerungen an ihre Mutter Grethe Kornblum, an ihren Vater Dante Zanellato und an ihre Zieheltern Luise und Hans Pattis wühlen die heute 84-jährige Adriana Viktoria Zanellato immer noch auf.
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Die Erinnerungen an ihre Mutter Grethe Kornblum, an ihren Vater Dante Zanellato und an ihre Zieheltern Luise und Hans Pattis wühlen die heute 84-jährige Adriana Viktoria Zanellato immer noch auf. - Foto: © DLife
Am 22. September 1943 wurde die 7-jährige Adriana Viktoria Zanellato, von allen Viki genannt, gemeinsam mit ihrer Tante Ilse Kornblum Eckstein und ihrer Cousine Ruth in Oberbozen von der Gestapo verhaftet. Karl Tribus aus Lana hatte sie als Jüdinnen denunziert. An die Fahrt nach Bozen in das Hotel „Mondschein“, wo Hitlers Geheime Staatspolizei ihr Zentralbüro hatte, und die dramatischen Stunden dort kann sich die heute 84-Jährige nicht mehr erinnern. Das Schrecklichste hat ihr Gedächtnis verdrängt. „Ich weiß nur, dass ich noch am selben Tag wieder am Ritten in der Küche der Pension ,Pattis„ auf einem viel zu hohen Stuhl saß.“

Was zuvor im „Mondschein“ geschehen war, bezeichnet Viki Zanellatro heute als Wunder. „Ein Wunder, das ich Hans Pattis verdanke.“ Der Bozner Wirt, der gemeinsam mit seiner Frau in Oberbozen eine Pension führte, war Leiter des Rittner SOD.

Nach dem 8. September 1943 und dem Einmarsch der deutschen Truppen hatten sich viele Hitlersympathisanten dem Südtiroler Ordnungsdienst angeschlossen. „Hans Pattis war aber kein Nazi, das weiß ich.“ Er sei ein rechtschaffener Mann gewesen, der die Ordnung liebte. „Und er hat Tante Ilse, Ruth und mich nach der Verhaftung nicht im Stich gelassen. Er ist mit nach Bozen gefahren und hat dort von der Gestapo verlangte, dass ich, eine Halbjüdin und Tochter eines italienischen Offiziers, wieder freikam. Was dann auch geschah.“

Die Zeitschrift „Die Südtiroler Frau“ hat Adriana Viktoria Zanellato getroffen und widmet ihr in der Ausgabe vom 15. Februar ein Porträt.

Außerdem im aktuellen Heft: Aldeiner Ortsbäuerinnen im Gespräch über Hintergründe, Herausforderungen und Veränderungen.


stol