Im Rahmen des International Mountain Summit referiert der Zamser ?ber seine beeindruckenden Erlebnisse. S?dtirol Online hat mit dem Kletterer ?ber den Umgang mit st?ndigen Extremsituationen, seinen Alltag, die Faszination Free Solo und den Alpinismus gesprochen.S?dtirol Online: Sie geh?ren weltweit zu den aktivsten und besten Kletterern. Vor allem durch die Free Solo Begehung der ?Weg durch den Fisch-Route? an der Marmolata-S?dwand in den Dolomiten, machten Sie auf sich aufmerksam. Wie geht man mit st?ndigen Extremsituationen um?Hansj?rg Auer: Die Free Solo Begehung vom ?Fisch? ist sicher mit Abstand das intensivste Erlebnis, das ich je hatte. Im Nachhinein gesehen, ist f?r mich aber viel mehr der extrem freche Zugang bzw. die kurze Vorbereitung beeindruckender als das Free Solo an sich. Ich bin generell ein Typ, der sich gerne in Extremsituationen hineinman?vriert und einer, dem es gef?llt, einen Weg hinaus zu finden.STOL: Wie sind Sie zum Klettern gekommen?Auer: Mit zw?lf Jahren w?hrend eines Kletterkurses der ?rtlichen ?AV Sektion Umhausen. Mein Trainer war Roland Mittersteiner aus Meran.STOL: Wie sieht der Alltag eines Weltklassekletterers aus?Auer: Nicht viel anders, als der eines Angestellten; Nur, anstatt in das B?ro zu gehen, besch?ftige ich mich mit Kletterprojekten oder bin auf Expeditionen oder Klettertrips. Daneben schreibe ich gern, oder bin sonst mit anderen Arbeiten, die das Profileben mit sich bringt, besch?ftigt. Ich versuche aber auch immer wieder viel Zeit mit anderen Disziplinen des Bergsports zu verbringen, die nicht direkt mit dem Klettersport in Verbindung stehen. Das ist sehr wichtig f?r mich.STOL: Immer wieder kommt es zu t?dlichen Unf?llen in den Bergen. Die Gefahr ist ein st?ndiger Begleiter.Auer: Man lernt damit umzugehen und es geht darum, dass man sich des Risikos bewusst ist. Dann ist es f?r mich vertretbar. Und um ehrlich zu sein, die Ungewissheit ?ber ein Projekt macht es erst interessant. Je mehr Fragezeichen es gibt, umso mehr motiviert es mich, meine gesamte Energie zu investieren.STOL: Ihr bisher schlimmstes Erlebnis?Auer: Nat?rlich meine Unf?lle und Verletzungen. Aber das sind Momente des Schmerzes. Die vergehen. Viel mehr pr?gen sich Erlebnisse des R?ckzugs unter schlechten Bedingungen oder harte Biwaks (Anm.: ein Biwak bezeichnet ein Lager im Freien) in das Ged?chtnis ein. Da hatte ich einige. Patagonien, Pakistan, aber nat?rlich auch bei Winterbegehungen in meinen Heimatbergen.STOL: Nat?rlich gibt es auch viele positive Aspekte und beeindruckende Momente im Leben eines Kletterers. Was war Ihr bisher sch?nstes Erlebnis?Auer: Es gab viele sch?ne Momente. Die erst k?rzlich erlebten sind nat?rlich mehr in meiner Erinnerung: Da geh?rt auf alle F?lle der Moment dazu, als ich heuer im Sommer mit Simon Anthamatten und meinem Bruder Matthias am Gipfel des Kuyang Chhish East (7400m) in Pakistan stand. Uns ist die erste Besteigung und ein gro?es Karakorum Projekt gegl?ckt. Daneben sind alle meine Marmolata-Klettereien f?r mich pers?nlich sehr wichtig. Nat?rlich auch der Moment nach meinem Free Solo des ?Fisch? am 29. April 2007.STOL: Sie referieren beim International Mountain Summit in Brixen. Was erwartet die Zuschauer dort? Kann man solche Erlebnisse ?berhaupt richtig vermitteln bei Vortr?gen?Auer: Das ist eine gute Frage. Ich werde mein Bestes geben. Wichtig ist f?r mich immer, dass ich f?r die Zuschauer so wirke, wie ich bin. Ich will aus meinem Leben erz?hlen und davon, was mich antreibt, immer wieder aufzubrechen.STOL: Vortr?ge werden heutzutage immer bedeutender. Von der Natur geht es manchmal direkt in den Saal. Wie ist es f?r Sie, Vortr?ge vor Publikum zu halten?Auer: Das mache ich eigentlich sehr gerne. F?r mich geht es aber nicht von der Natur direkt in den Saal; das ist Quatsch. Zuerst genie?e ich die positiven Momente eines abgeschlossenen Projektes selbst und dann erst entscheide ich, ob ich davon in Vortr?gen erz?hle. Von vielen meiner Klettereien und Erlebnissen gibt es gar keine Fotos und keine Geschichte.STOL: Wie wichtig sind solche Festivals f?r die Kletterszene?Auer: Nat?rlich ist es f?r Kletterer, die vom Sport leben, immer wichtig, solche Events zu haben. Wir k?nnen mit den Medien zusammen arbeiten und unsere Sichtweisen pr?sentieren. Allerdings halte ich nicht viel von zu vielem Gerede und Diskussionen. Ich will den Alpinismus mit meinen Projekten beeinflussen und nicht am Gr?nen Tisch.STOL: Wie begeistert man junge Menschen f?r das Klettern?Auer: Eine gro?e Rolle spielt sicherlich das pers?nliche Umfeld der Jugendlichen. Zudem mag das Konzept von ?Vorbildern? zwar altmodisch erscheinen, doch es funktioniert immer noch.Interview: Michael Andres________________________________________________________________________________________Hansj?rg Auer referiert am Montag, 21. Oktober, im Rahmen des IMS im Forum Brixen. Mehr Informationen zum Vortrag gibt es hier. Bereits am Samstag, 19. Oktober, nimmt der Weltklassekletterer am IMS Walk teil.