<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Es ist still in Julius Wiemann Raffeiners Wohnung in München. Keine Musik, kein Stimmengewirr, nur das Kratzen des Bleistifts auf Papier. Auf seinem Schreibtisch liegen Skizzen, Stoffproben, halbfertige Schnitte. „Meine Arbeit ist intensiv: Ich arbeite schon mal zwölf bis dreizehn Stunden täglich“, erzählt der 23-jährige Modedesigner aus Meran. Entwerfen, zeichnen, Schnitte entwickeln, Stoffe prüfen, Prototypen nähen: All das gehört zum Arbeitsalltag des ehrgeizigen jungen Mannes, der sich in der bayerischen Landeshauptstadt als selbstständiger Designer bereits einen Namen gemacht hat und mittlerweile für international renommierte Modelabels ganze Kollektionen entwirft. Während Freunde in seinem Alter feiern gehen, wirbeln bei ihm Visionen für neue, ausgefallene Outfits durch den Kopf. <h3> Vom Realgymnasium in die Modeschule</h3>Privat liegt der Fokus des jungen Fashion-Designers auf Frauenmode. Für seine Kunden, darunter das dänische Modelabel „O.Files“, entwirft er aktuell aber auch funktionale Herrenmode, mit einem zeitlosen, eleganten Touch. Ein Stil, den er nicht nur entwirft, sondern auch selbst trägt. „Ich liebe Anzüge im Stil der 1950er-, 1970er- und 1980er-Jahre, Hemden, lange Mäntel, weite Hosen, Krawatten und spitze Stiefel“, gewährt Wiemann Raffeiner Einblicke in seine private Garderobe, in der er auch Schätze aus dem Kleiderschrank von Opa und Oma hortet. Denn: Modebewusstsein, Ästhetik und Kunst spielen in seiner Familie seit jeher eine große Rolle. Schon als kleiner Junge erfreute er sich an den Schmuckstücken seiner Mutter, einer Schmuckdesignerin, und daran, seine Gedanken zeichnerisch festzuhalten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1258017_image" /></div> <BR />Beruflich träumte der gebürtige Meraner zunächst aber von etwas ganz anderem: „Ich wollte Schauspieler werden“, verrät der sympathische junge Mann. Umso überraschender erscheint aus heutiger Sicht seine Oberschulwahl: Er besuchte das Realgymnasium, eine Ausbildungsstätte, bei der nicht Kunst und Schauspielerei, sondern trockene allgemeinbildende Fächer wie Mathematik und Biologie auf dem Stundenplan standen. Heute zeigt sich der kreative Kopf froh darüber. Denn wer sich mit Mode und ihrer Geschichte beschäftige, erkenne schnell, dass es oft gerade naturwissenschaftliche Entwicklungen, philosophische Strömungen und historische Umbrüche sind, welche die Mode nachhaltig prägen, weiß Wiemann Raffeiner, der bereits früh großen Wert auf ein stilbewusstes Äußeres legte. Nach der Matura folgte er schließlich jener tiefen Passion, die ihn all die Jahre begleitet hatte: Bekleidung. So kam es, dass er nicht – wie viele der Realgymnasium-Absolventen – Medizin, Jura, Pharmazie oder Ingenieurwesen studierte, sondern Fashion-Design an der renommierten Hochschule „AMD“ für Mode, Design, Medien, Kommunikation und Management in Berlin und München. <h3> Panagiotopoulos: „Er hat dafür wirklich ein Händchen“</h3>Begleitend zum Studium sammelte der junge Mann wertvolle, praxisnahe Erfahrungen bei verschiedenen Modelabels, u.a. bei „Dimitri“ in Meran. Der ebenfalls in der Passerstadt tätige Chefdesigner Dimitrios Panagiotopoulos erinnert sich noch gut an seinen Praktikanten, der vor etwa vier Jahren das feine Handwerk in seinem Atelier in Meran erlernt hatte: „Julius hatte die Möglichkeit, im Atelier die Abläufe vom ersten Entwurf bis zur Produktion zu begleiten und bekam Einblicke in die Verarbeitung von Women's- und Menswear. Wichtig war mir dabei immer, dass er die Abläufe wirklich versteht, auch wenn er dabei manchmal an seine Grenzen gestoßen ist. Trotzdem bin ich überzeugt, dass ihm genau das geholfen hat, sich weiterzuentwickeln. Was ich von ihm gehört habe, lässt mich hoffen, dass er auf seinem Weg viel Erfolg haben wird. Und ich wünsche mir, dass er der Modebranche treu bleibt. Er hat dafür wirklich ein Händchen“, freut sich einer der wohl bekanntesten Fashion-Designer Südtirols über das Nachwuchstalent. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1258020_image" /></div> <BR />Heute, ein halbes Jahr nach seinem Abschluss an der Hochschule für Mode, Design, Medien, Kommunikation und Management, ist Julius Wiemann Raffeiner in der Modebranche angekommen. Aufmerksam macht der junge Südtiroler Designer vor allem mit seinem elegant-klassischen Stil. Charakteristisch für seine Arbeit sind klare Linien und dreidimensionale Schnittentwicklungen, die den Kleidungsstücken Struktur und Tiefe verleihen. Wichtig ist ihm dabei vor allem eines: Tragbarkeit. „Ich möchte, dass meine Kleider im Alltag getragen werden können“, zeigt er sich überzeugt von seiner Vision, die sich stark an jene des US-amerikanischen Modedesigners Tom Ford anlehnt. „Ford verbindet klassische Eleganz mit zeitgenössischem Design und einer gewissen Tragbarkeit und Lockerheit, das gefällt mir“, schwärmt der 23-Jährige über sein Idol. Als Vorbilder sieht er auch die verstorbenen Modedesigner Giorgio Armani und Alexander McQueen. Große Namen, zu denen der junge Mann mit Respekt aufblickt.<BR /><BR />Dass er selbst noch am Anfang seines Weges steht, ist ihm bewusst. Umso mehr bringt er Biss, Motivation und Engagement mit; Eigenschaften, die in der hart umkämpften Modewelt unerlässlich sind. Einen Einblick in seine Arbeit gibt Julius Wiemann Raffeiner übrigens auf Instagram (@juliuswiemannraffeiner), wo er nicht nur seine neuesten Kreationen zeigt, sondern auch, wie ein Kleidungsstück entsteht. „Social Media ist inzwischen eine wichtige Plattform für junge Designer wie mich geworden. So kann ich auch potenziell neue Kunden auf mich aufmerksam machen“, berichtet der Meraner, der sich dem anspruchsvollen Modebusiness definitiv gewachsen fühlt, weil es genau das ist, was ihn erfüllt und wofür er seine ganze Leidenschaft einsetzt.<h3> Diego Largers Traum von der großen Modewelt</h3>Für Diego Larger (18) ist der Traum, Modedesigner zu werden, zwar noch Zukunftsmusik. Aber voller Leidenschaft und Hingabe arbeitet er schon jetzt daran, diesen Traum Stück für Stück Wirklichkeit werden zu lassen. <BR /><BR />Schon als kleiner Junge war Larger fasziniert von langen, pompösen Frauenkleidern: „Am liebsten schlüpfte ich in die Abendroben meiner Mutter“, erzählt der kreative Kopf über seine frühe Begeisterung für edle Gewänder. Doch der Kalterer begeisterte sich nicht nur fürs Tragen von Frauenmode. Er saß bereits als Bub mit bunten Stoffresten an der Nähmaschine von Mama Doris und entwarf seine eigenen ersten „Outfits“. „Die konnte man zwar noch nicht tragen, aber ich liebte es damals schon, etwas Eigenes zu entwerfen“, erzählt er lachend – und erinnert sich gerne zurück an seine ersten, selbst designten Taschen, Fliegen und Westen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1258023_image" /></div> <BR />Mit sieben Jahren bekam Larger vom Christkind dann seine erste eigene Nähmaschine. „Das war das schönste Geschenk überhaupt“, erinnert sich der 18-Jährige zurück an seine Kindheit, die auch ihre Schattenseiten hatte. „Es gab Leute, die meine Eltern warnten, dass mit mir etwas nicht stimmte, nur weil ich gerne nähte“, berichtet er offen von den Vorurteilen anderer, die an seine Eltern herangetragen wurden. Und das nur, weil er sich für etwas interessierte, das nicht als typisch „männlich“ galt.<BR /><BR />Davon abbringen ließen sich Mama Doris und Papa Werner allerdings nicht. Im Gegenteil. Sie standen von Anfang an hinter ihrem Sohn, mit der klaren Haltung: „Es ist egal, was andere denken oder sagen.“ Ein Selbstbewusstsein, das in der Familie von Diego tief verwurzelt ist: Mit neun Geschwistern wuchs der junge Modebegeisterte nämlich in einer Großfamilie auf, die nie in eine gängige Schablone passte – und bis heute stolz darauf ist. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1258026_image" /></div> <BR />Auch heute noch lebt Diego Larger seine Leidenschaft fürs Nähen und Designen jeden Tag aufs Neue aus. In seinem kleinen, schwarzen Notizbuch hält er Ideen fest, vor allem für außergewöhnlich pompöse Frauenkleider. Anschließend experimentiert er an der Nähmaschine mit ausgefallenen Schnitten, Stoffen und Farben, bis seine Vorstellungen Gestalt annehmen. Besonders interessiert ihn die „Haute Couture“ – ein exklusiver Modestil, bei dem jedes Kleidungsstück nach Maß gefertigt wird und höchste handwerkliche Präzision gefragt ist. „Ich träume davon, genau solche Mode zu erschaffen“, sagt er. Und schon bald könnte er diesem Traum ein Stückchen näher kommen. Denn der Kalterer hat sich an der renommierten Hochschule „AMD“ für Mode, Design, Medien, Kommunikation und Management in München beworben, an der auch Fashion-Designer Julius Wiemann Raffeiner seinen Abschluss gemacht hat. Die Akademie genießt einen hervorragenden Ruf in der Modebranche und brachte bereits zahlreiche bekannte Absolventinnen und Absolventen hervor – darunter die Designerin Irene Luft, die mit ihren eleganten, femininen Kollektionen und handgefertigten Couture-Kleidern deutschlandweit Aufmerksamkeit erregte und u.a. für die „Mercedes-Benz Fashion Week Berlin“ sowie für „Germany's Next Topmodel“ entwarf.<BR /><BR />Bei der Aufnahmeprüfung im kommenden Februar möchte der ehrgeizige, junge Mann nicht nur mit seinen skizzierten Entwürfen überzeugen, sondern auch mit einem ganz besonderen Stück: seinem ersten Haute-Couture-Kleid, das er für die Kunstschau „Südschatten“ entwarf, die im November 2025 in Bozen gezeigt wurde. „Die Ausstellung wurde von meinem Bruder – dem Künstler Julian Larger – initiiert und beschäftigte sich mit der Reflexion von ‚Queerness‘ und Folklore in Südtirol“, so Diego. <BR /><BR />„Dafür habe ich ein traditionelles Dirndl neu interpretiert und umgestaltet. Mir ging es dabei darum, mit Kleidung zu zeigen, wie sich Traditionen öffnen lassen, neu gedacht werden können und sich in eine zeitgemäße Richtung weiterentwickeln lassen“, erklärt der Überetscher voller Begeisterung und sicher darüber, dass dieser Weg, dem er mit jedem Nadelstich etwas näher kommt, genau der richtige für ihn ist.