<BR />Der Geruch von frischem Leder, Klebstoff und die typischen Geräusche einer Schusterwerkstatt werden in ein paar Tagen für immer der Vergangenheit angehören. Schustermeister Bruno Morat schließt nämlich seine Werkstatt. Damit geht auch ein Stück Magreid verloren. <BR /><BR /><BR /><BR />Bereits im Jahr 1632 gab es laut einer Steuerverschreibung für das Viertel Margreid eine größere Anzahl an Handwerkern, unter anderem auch 2 Schuster. <BR />Im Jahr 1643 zahlte der Kirchenpropst einen Schuster für die geleistete Arbeit. In einer Aufstellung des Steueramtes Neumarkt werden damals sogar 3 Schuster in Margreid namentlich genannt. Es sind Mark Lieberat, Karl Mark und Georg Piger. Später waren ebenfalls 3 Schuster in Margreid tätig. Bazzanella, Casatta und Slanzi.<BR /><BR />Der Schuster Bazzanella hatte seine Werkstatt in der Albertistraße, in dem Lokal der ehemaligen Bäckerei. Casatta hingegen hatte seine Schusterei in der Karl-Anrather-Straße.<BR /><BR /><b>Schuhe herstellen und reparieren</b><BR /><BR />In früherer Zeit war es die Hauptaufgabe des Schusters, Schuhe herzustellen und Reparaturen durchzuführen. Eine große Arbeit und viel Zeitaufwand war das Herstellen von genagelten Schuhen, welche hauptsächlich in der Landwirtschaft benötigt wurden. Der Schuster fertigte auch Geldbeutel, Gürtel, Riemen und lederne Schürzen.<BR /><BR />Der Schuster Bazzanella zog von Margreid ab, schloss seine Schusterwerkstatt und ließ sich in Bozen nieder. Dort hatte er in der Museumstraße eine Schusterwerkstatt eröffnet. Anfänglich kam er einmal die Woche von Bozen nach Margreid, um bei seinen Kunden die zu reparierenden Schuhe abzuholen. Diese brachte er in seiner Werkstatt in Bozen auf Vordermann, dann kamen sie wieder zu den Kundinnen und Kunden im Unterland zurück. Dies ging etwa 2 Jahre lang, dann kam er nicht mehr nach Margreid. <BR /><BR />Im Jahr 1973 kam es in einer Schusterwerkstatt seines Freundes, bei dem er auf Besuch war, zu einem schweren Unglück und Brand. Da der Schuster mit Benzol das Leder weich und geschmeidig machte, kam es aus nicht geklärter Ursache zu einer Explosion. Bazzanella erlitt am ganzen Körper schwere Verbrennungen, denen er nach einiger Zeit im Krankenhaus erlag. Ein Mitarbeiter wurde ebenfalls verletzt, jedoch waren seine Verbrennungen nicht lebensgefährlich.<BR /><BR />Der Schustermeister Carlo Slanzi hatte noch immer seine Schusterwerkstätte in Margreid, welche er nach den Kriegsjahr 1946 eröffnete und bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1988 führte.<BR /><BR /><b>Leidenschaft zum Beruf gemacht</b><BR /><BR />Bruno Morat, ein waschechter Margreider, war bereits als Jugendlicher vom Schusterhandwerk fasziniert. Schon als Schüler, mit 10 Jahren, half er in seiner Freizeit und in den Ferien beim Schuster Slanzi tatkräftig mit. Als die Werkstätte etwas ausgebaut wurde, war er derjenige, der die Schuhe mit dem „Loaterwagele“ in die vorübergehende Wirkstätte brachte. Nach erfolgter Anpassung der Werkstätte ging er ebenfalls mit dem „Loaterwagele“ los und brachte die Schuhe und all das Material zurück. Nach Abschluss der Grundschule in Margreid und der Mittelschule in Salurn machte Morat seine Leidenschaft zum Beruf. <BR /><BR />Die Lehrjahre absolvierte er beim Schuster Slanzi in Margreid, und dies ganze 3 Jahre. Er schloss seine Lehrjahre mit der Gesellenprüfung ab. Nach erfolgreicher abgeschlossener Lehre samt Berufsschule in Bozen absolvierte er 2 weitere Lehrjahre in Bozen und lernte für die Meisterprüfung, welche er im Jahre 1983 erlangte. In Bozen arbeitete er 20 Jahre beim Schuster Putzer in der Wangergasse. Hier konnte Morat auch das Anfertigen von orthopädischen Schuhen erlernen. <BR /><BR /><b>Mutiger Neustart</b><BR /><BR />Margreid war damals schon seit längerer Zeit ohne Schuster. Bruno Morat erkannte die Chance und konnte in seinem Heimatdorf die geschlossene Schusterwerkstätte revitalisieren. Im Jahr 1994 war es dann so weit. Morat und seine Frau Reinhild wagten den Sprung in die Selbständigkeit. Mit viel Schwung und Tatendrang putzten sie die alte Schusterwerkstätte heraus und brachten diese auf Vordermann.<BR /><BR />Das Ehepaar legte sich ein bescheidenes Lager an Damen-, Herren- und Kinderschuhen an. Denn es sollten ja auch neue Schuhe angeboten werden. Mit der Zeit wurde das Lager beträchtlich ausgebaut, doch der Absatz ließ zu wünschen übrig. So sah sich Bruno gezwungen, nebenbei noch eine Handelsvertretung für Schuhe und Schusterartikel zu übernehmen. In der Freizeit, früh am Morgen, aber auch samstags war er in der Werkstätte und reparierte Schuhe. Seine Kundschaft kam auch von außerhalb des Dorfes. Auf Bestellung fertigte er auch Trachtenschuhe an. <BR /><BR />Nach erfolgreichen und weniger erfolgreichen Jahren schließt nun der Letzte seines Standes in Margreid die Schusterwerkstätte und Schuhgeschäft. Ganze 27 Jahre prägte Bruno und seine Ehefrau Reinhild mit ihrer Arbeit das Dorfgeschehen. <BR />