Wie alt Alex Storaszzuk aus Lemberg/Lwiw in der West-Ukraine wurde und wo er die Verletzungen erlitten hatte, die zu seinem Tode führten, ist nicht bekannt. Auf dem Massengrab ist nur sein Todestag vermerkt. <BR /><BR />Dieser Tag war der 16. November 1918, 13 Tage nach dem Waffenstillstand, den Österreich 1m 3. November mit in der Villa Giusti mit Italien geschlossen hatte. Der aus Galizien stammende Storaszzuk hatte auf Seiten Österreich-Ungarns an der Dolomitenfront gekämpft.<BR /><BR />Die Geschichte wiederholt sich in diesen Tagen, wenn auch unter völlig anderen Voraussetzungen und Gegnerschaften. Das Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst (TAP) in Lienz und Bruneck nimmt die schlimmen Ereignisse in der Ukraine zum Anlass, um in Form einer virtuellen Fotoausstellung 100 Jahre zurückzublicken.<BR /><BR />Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine wird bereits oft als „Zeitenwende“ bezeichnet. Nicht nur aufgrund des massiven Einschnitts mit Völkerrechtsverletzung und Kampf gegen die Zivilbevölkerung mitten in Europa, sondern auch aufgrund vielfacher Sanktionen einer geschlossenen Europäischen Union gegen Moskau. <BR /><BR />„Geht man über 100 Jahre zurück, stellt man fest, dass sich der Weltwaffengang anno dazumal zum Teil genau in derselben Region abgespielt hat“, sagt Martin Kofler, Historiker, Leiter des TAP in Lienz und Bruneck und Kurator der neuen Ausstellung. <h3> Die Wurzeln der Katastrophe</h3>Vor 100 Jahren seien die Voraussetzungen und Gegnerschaften völlig andere gewesen. „Damals gab es keine Staaten Ukraine und Polen, sondern die Monarchien Österreich-Ungarn, das Deutsche Kaiserreich und das zaristische Russland, die im Raum des heutigen Südpolens und der West-Ukraine unmittelbare Nachbarn waren“, zeigt Kofler auf.<BR /><BR /> Ziel dieser Ausstellung sei es, die damalige Tragik der Kriegsverhältnisse näherzubringen und die traurige Ebene „Tirol/Ukraine“ zu verdeutlichen. „Das Schicksal an der russischen Front 1914/15 betraf zahllose Familien direkt“, sagt Kofler. Die Schau sei deshalb ein ansprechender Überblick in Bild und Wort zu einem schwierigen bzw. eher in Vergessenheit geratenen Kapitel der Tiroler/Südtiroler Zeitgeschichte. Ein Blick zurück in die Geschichte schärfe den Fokus und verdeutliche, dass vielfältige Konflikte in der Region Mittel-/Osteuropa nicht wirklich neu seien.<BR /><BR />„Die enorme Katastrophe von heute hat tiefsitzende, leider sehr negative Wurzeln. Die damalige österreichisch-ungarische Kulturstadt Lemberg, das heutige Lwiw in der West-Ukraine, ist derzeit überfüllt mit traumatisierten Flüchtlingen. Heute wie damals war das ‚einfache Volk‘, Tiroler und Ruthenen (heutige Ukrainer), Spielball einer uneinsichtigen Politik der Allerobersten im Land“, zeigt Kofler auf. So wie Tiroler Kaiserjäger an der Ostfront fielen (6435 waren es von August 1914 bis Sommer 1915), starben auch viele Ruthenen (heutige Ukrainer), die an der Dolomitenfront gegen Italien eingesetzt waren.<h3> Seltene Stereoaufnahmen</h3>Die virtuelle Ausstellung des TAP behandelt die russische Front im Ersten Weltkrieg 1914 bis 1916. Abseits einzelner gezeigter Denkmäler und Friedhöfe, die auf den Tod als allgegenwärtigen Faktor im Krieg verweisen, liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den für diese Schau erstmals erschlossenen rund 300 Aufnahmen des Fotografen Wilhelm Dronowicz in der Sammlung Martin Dobernik im TAP, die den Bereich der russischen Ostfront zeigen. In den meisten Fällen handelt es sich um seltene Stereoaufnahmen. In der Regel sind sowohl die Glasnegative als auch (beschriftete) Abzüge erhalten. Hier werden die wechselhaften Kämpfe in Galizien und Wolhynien, heute Teile der Staaten Polen und Ukraine, dokumentiert. <BR /><BR />In den 44 <a href="www.tiroler-photoarchiv.eu" target="_blank" class="external-link-new-window" title="Website des Tirol Archiv Photographie">für die Schau ausgewählten Fotos </a> sieht man Vormarsch, Zerstörungen, Anlegen von Schützengräben durch die Zivilbevölkerung, Errichtung von zum Teil großen Unterkünften im Hinterland, die stark umkämpfte Stadt Luck (heute Luzk/Ukraine), Einzel- und Gruppenaufnahmen der Einheimischen bis hin zur Truppe des Fotografen (4. Armee, Sappeur-Kompanie 2/3) und deren Aufgabenbereichen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53536539_gallery" />