<b>Von Maria Cristina De Paoli</b><BR /><BR /><BR />Schon gewusst, dass der Envy nach tropischen Früchten, nach Ananas und Mango, der Golden Delicious hingegen nach Fenchel, grünem Gras und Vanille schmeckt? Und dass gerade die Vanille-Note beim Golden umso intensiver wird, je reifer die Frucht ist? <BR />Wenn Maria Forcher Tappeiner über Äpfel spricht, kommt sie rasch ins Schwärmen – Süße und Säure, Textur und Aroma, Kaugefühl und Nachgeschmack. Wen wundert's da, dass die Vinschger Apfelsommelière einen immer engeren Terminkalender abzuarbeiten hat. <BR />Anfang Februar war sie auf der Fachmesse Fruit Logistica in Berlin, dann bei einer Apfelverkostung in einem römischen Supermarkt, schließlich bei den Eisacktaler Spezialitätenwochen. Im Sommer bietet sie Apfelführungen auf dem eigenen Hof an oder begleitet die Gäste auf sensorische Spaziergänge durch die Vinschger Obstplantagen.<h3> Eigenes Standbein</h3>Ich werde gut und gerne gebucht“, sagt Maria und muss dabei herzlich lachen. Mit ihrer offenen Art und ihrem lockeren Umgang macht die Bäuerin vom Moarhof in Kastelbell einen sympathischen Eindruck.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1029927_image" /></div> <BR /><BR /> Aber nicht nur: Maria wirkt durch und durch bodenständig. Ein praktischer Mensch, der versucht, das Beste aus jeder Lebenslage herauszuholen. Das war schon daheim auf dem Pinthof in Galsaun der Fall, als sie nach dem frühen Tod ihres Vaters und als Älteste von 3 Geschwistern kräftig mit anpacken musste, um ihre Mutter zu entlasten. Und dann wieder vor 5 Jahren, als nach den Töchtern Sophia und Greta der Sohn Johannes zur Welt kam. Für die Hotelsekretärin wurde es immer schwieriger, Familie und Beruf zu vereinbaren. Außerdem brauchte ihr Mann Lorenz Tappeiner auf dem Moarhof immer mehr Hilfe.<BR /><BR />Da stellte die junge Frau und Mutter kurzerhand ihr (Berufs-)Leben auf den Kopf, ohne allerdings ihre finanzielle Unabhängigkeit aufzugeben. „Ich habe nach der Matura an der FOS in Meran zuerst bei einem Busunternehmen und später in einem Hotel im Büro gearbeitet. Als Johannes geboren wurde, wollte ich dann doch auf den Hof, um mehr bei den Kindern zu bleiben.“ Was sie nicht wollte: Eine Mitarbeiterin sein. Das war ihr zu wenig.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1029930_image" /></div> <BR /><BR />Und so hat sich Maria Forcher Tappeiner Schritt für Schritt ihr eigenes Standbein aufgebaut. Wobei die Ausbildung zur Apfelsommelière nur ein Teil eines größeren Projektes war, das von der Arbeit im Haus, im Garten und in den Obstwiesen über die gesamte Buchhaltung und die Tätigkeit als Apfelbotschafterin in den Schulen bis hin zur Herstellung von Säften, Sirupen und Aufstrichen reicht. <BR /><BR />Verkauft werden die Produkte ab Hof, auf Weihnachts- und Bauernmärkten. Gerne baut Maria im Sommer ihren Stand auch beim Langen Donnerstag in Lana auf. Über den Erfolg ihrer frisch-fruchtigen Aperitifs freut sich die Bäuerin ganz besonders. „Meist nehme ich auch noch frische Beeren und Kräuter als Dekoration mit, was das Ganze geschmacklich zusätzlich verfeinert.“<h3> Obst- und Weinhof</h3>Der Moarhof in Kastelbell ist ein klassischer Obst- und Weinhof. Neben den Äpfeln werden allerlei Kernobstsorten und verschiedene Beeren geerntet. Der Weinberg der Familie mit Blick auf Schloss Kastelbell liefert Blauburgunder- und Vernatschtrauben. „Seit Kurzem bauen wir dort – als Einzige im Vinschgau – auch Viognier an“, so Maria Forcher. Für die französische Weißweinsorte sei die Lage besonders geeignet.<BR /> Früher wurden die Trauben an einen Produzenten geliefert. „Jetzt werden sie für uns eingekellert.“ Das Ergebnis ist ein eigenes Weinsortiment mit Vernatsch, Blauburgunder, Rosé und Viognier. Dass der Wein Marias nächste Baustelle sein wird, braucht man sie erst gar nicht zu fragen. Die Begeisterung, die ihr beim Erzählen ins Gesicht geschrieben steht, sagt alles. „Ich möchte in Zukunft mehr über den Wein und den Wein- anbau lernen,“ bestätigt die Bäuerin des Jahres: „Ich muss ja wissen, worüber ich mit unseren Kunden rede.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1029933_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Dass sie irgendwann ihrer Berufung als Bäuerin nachgehen würde, war für die junge Maria Forcher lange Zeit ein No-Go. „Ich habe am 1. Oktober Geburtstag und habe als Kind und später auch als Teenager immer erst Ende Oktober gefeiert, weil wahrend der Ernte daheim niemand Zeit hatte“, erzählt Maria. „Allein deswegen schien mir eine Zukunft auf einem Bauernhof nicht unbedingt erstrebenswert.“ Dass sie gerade bei der Bauernjugend ihren späteren Ehemann kennenlernen sollte, war also eher ein Zufall. „Lorenz war damals 19 und ich 17 Jahre alt.“<BR /><BR /> 2012 ist Maria auf dem Moarhof eingezogen, ein Jahr später wurde geheiratet. Heute ist ihr Mann ihr größter Fan. „Er unterstützt mich bei meiner Tätigkeit als Apfelsommelière, hält mir den Rücken frei, wenn ich unterwegs bin, und übernimmt gemeinsam mit meiner Schwieger- mutter, die ebenso auf dem Hof lebt, die Kinder.“ Dafür arbeitet Maria bei der Ernte mit, fährt die Hebebühne, betreut die Erntehelfer. „Es wird immer schwieriger, verlässliche Mitarbeiter zu finden.“<BR /><BR />Maria Forcher Tappeiner sitzt am großen Holztisch in der getäfelten Stube. Im Herrgottswinkel steht unter dem Kreuz eine schöne Marienstatue. Die Tradition zu wahren und den Kindern ihre Werte weiterzugeben, ist der frisch gekürten Bäuerin des Jahres sehr wichtig. Mindestens ebenso wie das Credo, das sie beim Landesbäuerinnentag im Haydn-Auditorium mit Nachdruck rezitiert hat: Jede Bäuerin muss sich auf dem Hof selbst verwirklichen und ihr eigenes Geld verdienen können. Wir müssen uns nur trauen.“<BR /><BR /><BR />