Der Titel mag für manchen Leser oder manche Leserin paradox klingen. Aber ist es nicht so, wenn wir davon ausgehen, dass das Verliebtsein eigentlich eine Täuschung ist?<BR /><BR />Natürlich nicht bewusst. Man lernt jemanden kennen, verliebt sich und hat Schmetterlinge im Bauch. Was passiert? Glückshormone reagieren auf äußere Reize wie Aussehen und Ausstrahlung. Oft haben meine Frau und ich bei unserer Arbeit mit Paaren Sätze gehört wie: „Ich hab mich sofort mit ihm oder ihr vertraut, verstanden gefühlt.“ „Er war ein wunderbarer Zuhörer.“ „Sie war eine einfühlsame Frau.“<BR /><BR />Diese und ähnliche Formulierungen zeigen, wie wir auf Menschen reagieren, ohne sie wirklich zu kennen. Der erste Eindruck hat oft mehr mit uns selbst und dem zu tun, was wir suchen, als mit dem anderen. Er oder sie weckt Sehnsüchte, Erwartungen und Fantasien, die mit unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen verbunden sind. Soweit die Täuschung.<h3> Wunsch und Wirklichkeit</h3>Mit der Zeit, wenn Menschen sich besser kennenlernen, zeigt sich der Mensch hinter dem Idealbild. Unterschiedliche Rollenbilder, Prägungen, Verletzungen und Grenzen treten hervor. Erwartungen werden enttäuscht.<BR /><BR />Viele Paare fragen sich an diesem Punkt: „War das alles? Haben wir uns geirrt?“<BR /><BR />Die ehrliche Antwort lautet: „Ja, wir haben uns geirrt.“ Fatalerweise geben manche Menschen dem anderen die Schuld. Sie sagen: „Du hast mich getäuscht, du hast mir etwas vorgespielt.“ Aus Enttäuschung wird das Gefühl, hintergangen worden zu sein. Das Vertrauen schwindet und damit die Basis für eine dauerhafte Beziehung.<BR />In unseren Paarseminaren und besonders in den Paarberatungen begegnete uns dieses Thema häufig. Wir gewannen den Eindruck, dass genau dies ein wesentlicher Grund für viele Trennungen ist. Denn mit hohen Erwartungen ge<?TrVer> hen entsprechend große Enttäuschungen einher.<BR /><BR />Dies hängt auch damit zusammen, wie Paare sich heute kennenlernen. Viele Begegnungen finden auf virtuellen Wegen statt. Das Angebot ist umfangreich, ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass Männer wie Frauen sich von ihrer besten Seite zeigen und sich nicht immer ganz ehrlich präsentieren. Dazu kommt, dass nicht al<?TrVer> le an einer langfristigen Beziehung interessiert sind. Manche Paare lernen sich nach dem Motto „Gleich und gleich gesellt sich gern“ kennen, etwa im gemeinsamen Beruf, beim Sport oder in der Freizeit. Der Vorteil liegt darin, dass auf diesem Weg authentische <?Uni SchriftWeite="96ru"> Wesenszüge und Qualitäten früher<?_Uni> sichtbar werden. Vertrauen und Sicherheit können wachsen, was für eine dauerhafte Beziehung Voraussetzung ist.<BR /><BR />In meiner Jugend war das oft anders. Man lernte sich im Freundeskreis, im Beruf, bei Hobbys oder auf Tanzveranstaltungen kennen. Es war üblicher, Beziehungen langsam anzugehen. Bei meiner Frau und mir dauerte es drei Jahre bis zur Verlobung und ein weiteres Jahr bis zur Heirat. Das soll keine Bewertung sein, sondern Unterschiede und Veränderungen sichtbar machen.<BR /><BR /><h3> Die Enttäuschung</h3>Enttäuschung sehen wir als notwendigen Reifeschritt auf dem Weg zur Liebe. Enttäuschung bedeutet das Ende innerer Bilder, die unsere Vorstellungen und Sehnsüchte nährten. Erst wenn Illusionen weichen, entsteht Raum für eine tiefere Form von Liebe und Zugehörigkeit, für ein Wir-Gefühl. Dieses braucht Zeit, ebenso wie <?Uni SchriftWeite="97ru"> gegenseitiges Vertrauen. Während<?_Uni> in der Verliebtheitsphase der Wunsch nach Verschmelzung vorherrscht, kommt es in der Phase der Enttäuschung zu Auseinandersetzungen, Vorwürfen wie „Du hast mich getäuscht!“ und zu Distanzierung. Für manche Paare ist dies die erste große Krise, die nicht selten mit Trennung endet.<BR /><BR /><h3> Der Weg zur Liebe</h3>><Fett_DinPro> Annehmen statt Verändern.</Fett_DinPro> Als ich meiner Frau bei der Trauung versprach „Ich nehme dich an“, dachte ich noch nicht daran, wie herausfordernd das sein kann. Es geht darum, Eigenheiten des anderen anzunehmen und nicht nur zu tolerieren.<BR /><TippsNummer><BR />></TippsNummer> <Fett_DinPro>Verantwortung übernehmen.</Fett_DinPro> Für die eigenen Gefühle, für Erwartungen und Verletzungen, <?Uni SchriftWeite="95ru"> statt sie dem Partner zuzuschieben.<?_Uni> <BR /><TippsNummer>></TippsNummer> <Fett_DinPro>Verletzlich werden.</Fett_DinPro> Wahre Nähe entsteht, wenn Menschen sich zeigen, ohne sich zu schützen oder beweisen zu wollen.<BR /><TippsNummer><BR />></TippsNummer> <Fett_DinPro>Dialog statt Rückzug.</Fett_DinPro> Unterschiedlichkeiten und Konflikte nicht als Bedrohung, sondern als Einladung zu Verständnis und Wachstum begreifen.<BR /><TippsNummer><BR />></TippsNummer> <Fett_DinPro>Und schließlich: Entscheidung für Liebe.</Fett_DinPro> Reife Liebe ist weniger Gefühl als Haltung. Sie ist eine bewusste Entscheidung für ein gemeinsames Ja, auch durch Unvollkommenheit.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053060_image" /></div>