„Der Wunsch, Schneiderin zu werden, war immer schon da“, ist sich Edelgard Tribus sicher. „Ich durfte als einzige mit der Nähmaschine der Mutter nähen – wir waren 6 Schwestern und 3 Brüder.“ Als kleines Mädchen nähte sie Puppenkleider, in der Mittelschule waren es schon anspruchsvollere Kleider und schwierige Nähtechniken.<BR /><BR />Als die Meraner Schneiderin Maria Capelli ihr selbst genähtes Kleid sah, durfte Edelgard Tribus sofort bei ihr als Lehrmädchen beginnen. Um etwas Neues zu sehen, wechselte sie im dritten Lehrjahr zu Gina Bianchini, die in der Meraner Freiheitsstraße ihr Atelier hatte.<BR /><BR />Nach ihrer Lehrzeit wollte die Völlanerin im Ausland weiterlernen. „Meine Mutter war dagegen, aber mein Vater erlaubte mir, nach Deutschland zu gehen.“ In München fand sie eine Anstellung und einen Platz in einem Mädchenheim. Sie ging nie aus. Ihr Geld sparte sie für verlängerte Wochenenden zu Hause.<h3> Heimweh und die Rückkehr nach Südtirol</h3>1978 überreichte der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauss Edelgard Tribus den Meisterbrief. Damit kehrte sie stolz nach Lana zurück. Das Stellenangebot samt Wohnung von Burda in Offenburg (Baden-Württemberg) schlug sie aus. „Ich hatte Heimweh“, sagt sie schlicht.<BR /><BR />Dass sie zurückgekehrt ist, hat sie nie bereut. Sie ist zwar innerhalb von Lana mehrmals mit ihrem Atelier umgezogen, aber nie aus Lana weg. „Ich bin in Lana verwurzelt“, stellt sie fest.<BR /><BR />Ihr Vater mietete ihr eine Wohnung und so begann sie 1979 als Selbstständige zu schneidern. „Ich hatte von Anfang an Kunden, das ging über Mundpropaganda“, ist Tribus stolz. Für die Zeitschrift „Südtirolerin“ hat sie rund 30 Kleider für Titelbilder genäht. Mehrmals kleidete sie auch die Teilnehmerinnen der Miss Südtirol-Wahl ein. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1066869_image" /></div> <BR /><BR />Ihre Kunden, die aus ganz Südtirol und sogar aus Verona kommen, halten ihr seit Jahrzehnten die Treue. Sie würde zum Teil schon für mehrere Generationen einer Familie nähen, erzählt Tribus mit Genugtuung. „Mir ist Qualität ganz wichtig, sonst ist es die Arbeit nicht wert“, ist das Credo der Lananerin.<BR /><BR />Zumeist sind es Frauen, für die sie Brautkleider, Kostüme oder Abendkleider näht, auch Taufkleidchen oder Maturakleider für den Nachwuchs sind unter den Bestellungen nicht so selten. Für Männer näht Edelgard Tribus, die lvh-Vizeobfrau der Maßschneider war, hingegen kaum. Dabei sagt sie ganz direkt: „Mir fallen nur Männer auf die gestylt sind, die anderen sehe ich nicht.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1066872_image" /></div> <BR />„Dass ich mit so schönen Stoffen arbeiten darf, verdanke ich meinen Kunden“, schwärmt Edelgard Tribus. Am Gardasee hat die Maßschneiderin eine gute Quelle für hochwertige Stoffe. „Wenn mir ein Stoff gefällt, dann gefällt er auch meinen Kunden“, ist ihre jahrzehntelange Erfahrung. Und sie weiß, was wem ihrer Kundinnen steht. Diese lassen sich gerne beraten, welches Modell sich für welchen Stoff eignet und was ihrem Typ besonders schmeichelt. „Die Menschen müssen sich in ihrer Kleidung wohlfühlen“, betont sie.<BR /><BR />Edelgard Tribus zieht einen Stoff nach den anderen hervor und streichelt liebevoll darüber. Dann zieht sie Modezeitschriften heraus und spricht begeistert von den Modellen, die sie schon genäht hat. <h3> „Stylistinnen tragen vielfach Schwarz“</h3>Die Maßschneiderin selbst trägt überwiegend Schwarz. „Stylistinnen tragen vielfach Schwarz“, erklärt sie. Sie näht sich alles selbst. „Ich kaufe nichts außer Pullover.“<BR /><BR />Das Zentrum der Mode ist für sie Mailand. Sie hat schon Modeschauen von Ungaro, Versace und Valentino besucht. Fasziniert hat sie die Ausstellung „Dal Cuore alle Mani – Dolce & Gabbana“ im Palazzo Reale in Mailand, die sie kürzlich besucht hat. „Ich war hin und weg.“<BR /><BR />Edelgard Tribus‘ Arbeitsweise hat sich seit 45 Jahren nicht verändert. Jedes Modell erhält einen eigenen Schnitt, er wird nur einmal verwendet. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1066875_image" /></div> <BR /><BR />„Ich kann mir ein Leben ohne Schneiderei nicht vorstellen“, gesteht sie. „In der Früh kribbelt es mir schon in den Fingern.“ In der Mittagspause, schaut sie, was die Designer so machen. Auch das online-Magazin „Le strade di Milano“ konsumiert sie mit großem Interesse. Sie hofft, dass sie ihre Begeisterung an die Lehrlinge weitergeben konnte, die sie immer wieder hatte.<BR /><BR />Was ist Edelgard Tribus heute wichtig? „ Heute bin ich eine dankbare Schneiderin und eine sehr glückliche Oma“, strahlt sie.