Donnerstag, 06. August 2020

Die späte Rache von Königin Sofía: So lässt sie Juan Carlos für seine Skandale büßen

Für sie dürfte es ein kleiner Triumph sein: Jahrzehntelang harrte Spaniens Königin Sofía an der Seite von Juan Carlos aus, musste dulden, dass dieser mit Affären und Skandalen dem Ansehen der Monarchie und der Ehe schadete. Jetzt ist der treulose Gatte ins Exil geflüchtet. Und Sofía?

Nach all den Jahren der Skandale und Affären rund um ihren königlichen Gatten Juan Carlos kommt jetzt die späte Rache von Königin Sofía. Sie wird ihren Mann nicht ins Exil begleiten.
Nach all den Jahren der Skandale und Affären rund um ihren königlichen Gatten Juan Carlos kommt jetzt die späte Rache von Königin Sofía. Sie wird ihren Mann nicht ins Exil begleiten. - Foto: © CASA S.M. EL REY / ESTELA CASTRO
Als Juan Carlos (82) am 18. Juni 2014 das Gesetz unterzeichnete, das seine Abdankung ermöglichte, entledigte er sich gleich zweier „Fesseln“: jener, spanisches Staatsoberhaupt zu sein, und jener, angeblich treu sorgender Ehemann von Sofía (81) zu sein.

Denn als der nunmehr „rey emérito“, der emeritierte König, die Unterschrift setzte, war seine Ehe bereits seit Jahrzehnten eine Farce, geprägt von außerehelichen Affären des Königs, die die Königin stillschweigend ertrug.

Seit 40 Jahren in getrennten Wohnungen

Nur der Pflicht wegen hatten die Eheleute all die Jahre zusammengehalten und sich bei offiziellen Terminen gemeinsam gezeigt. Hinter den Kulissen des Madrider Zarzuela-Palastes sah es ganz anders aus: In Wirklichkeit lebten die beiden seit 40 Jahren in getrennten Wohnungen, verbrachten privat kaum Zeit miteinander. Dieses Theater hatte nun – mit Juan Carlos' Unterschrift – ein Ende.

Wie hatte es so weit kommen können? Bei der Hochzeit am 14. Mai 1962 in der Kathedrale St. Dionysius Areopagita in Athen hatten Juan Carlos de Borbón y Borbón und Sophia Margerita Victoria Frederika, Prinzessin von Griechenland und Dänemark, verliebt gewirkt. Sie nannte ihn „Janni“, er sie Sofie. Tatsächlich aber war die Eheschließung arrangiert.


Zum ersten Mal hatten sich die beiden auf einer Ägäis-Kreuzfahrt getroffen, die das griechische Königshaus organisiert hatte. Auf die Hochzeit soll Königin Friederike gedrängt haben, schrieb Jahrzehnte später die Journalistin Pilar Urbano (80) im Buch „La Reina“ (Die Königin).

Eine Interessensehe mit kaum gemeinsamen Interessen

Das Paar hatte und hat wenig gemeinsame Interessen. „Er interessiert sich für Funkgeräte, Motorräder und die Geschwindigkeit. Ich begeistere mich für Musik und Kunst. Er ist ein Draufgänger, ich bin schüchtern“, erklärte Sofía.

„In Sofia verliebt habe ich mich 1961 bei der Hochzeit der Herzöge von Kent in London“, schilderte Juan Carlos in der Biografie über die Königin. „Ich bin allerdings nicht jemand, der sich leidenschaftlich verliebt. Außerdem unterhielten wir uns damals nur auf Englisch. Und Englisch ist nicht gerade meine starke Seite.“



Sofía, Tochter von König Paul I. von Griechenland , einem Prinzen der dänischen Königsfamilie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, und dessen Ehefrau Friederike von Hannover , sollte unter die Haube.

Für Spaniens Thronprätendent war die sowohl väterlicherseits (Großnichte) als auch mütterlicherseits (Urenkelin) mit dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. verwandte Prinzessin eine standesgemäße Braut, die das Band der Bourbonen mit den anderen europäischen Königshäuser verfestigen sollte.


Denn als Juan Carlos im römischen Exil geboren wurde, sah es überhaupt nicht danach aus, dass der kleine Bourbonen-Anjou-Prinz jemals König von Spanien werden würde. Die Geschichte und seine eigene Familie sprachen dagegen: Sein Großvater, Alfonso XIII. , wurde 1931 durch die Zweite Republik entthront, und während Juan Carlos in den Windeln lag, lag die Republik in ihren letzten Zügen gegen die Putschisten Francisco Francos . 1941 rang der Diktator König Alfonso einen offiziellen Thronverzicht ab.

Juan Carlos' Vater, Don Juan de Borbón, Conde de Barcelona, bat – aus dem Exil – heraus sowohl Hitler als auch die Alliierten um Hilfe, um in Spanien wieder eine Monarchie zu installieren. Damit katapultierte er sich bei Franco ins Abseits. Dieser machte Don Juan ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte: die Rückkehr der Monarchie nach seinem Tode gegen die „Auslieferung“ von dessen Sohn Juan Carlos. Diesen formte Franco in den darauffolgenden Jahren nach seinen Vorstellungen. Der Diktator verstarb 1975, der Rest ist spanische Historie...

Erste glückliche Ehejahre – dann bis zu 500 Geliebte

Für die Ehe mit Juan Carlos konvertierte Sofía vom griechisch-orthodoxen Glauben zur römisch-katholischen Kirche und erlernte die spanische Sprache. Die ersten Jahre, als der Prinz noch nicht König war, waren harmonisch.


3 Kinder kamen in dieser Zeit zur Welt: Elena , Herzogin von Lugo (56), Infantin Cristina (55) und Felipe VI. (52), heute König von Spanien. Der „Augenblick der Wahrheit“ kam 1976 wenige Monate nach Juan Carlos' Ernennung zum König.

Sofía wollte ihrem Mann einen Überraschungsbesuch im Landhaus eines Freundes bei Toledo abstatten. Stattdessen ertappte sie Seine Majestät in flagranti mit einer bekannten Schauspielerin.

Sofías Eheleben wurde immer mehr zu einer Tragödie. Unzählige außereheliche Affären – die Rede ist von bis zu 500 Geliebten – zerstörten die Liebe. Auch im Alter blieb Juan Carlos ein Schürzenjäger. Die Königin schwieg zum Wohle der Krone.


Gegen die Königin wird nicht ermittelt

Wer würde es Sofía – nach Juan Carlos' Abdankung trägt sie ehrenhalber weiterhin den Titel Königin – jetzt also ankreiden, dass sie ihren Mann nicht ins Exil begleitet? Wie die Tageszeitung „El País“ erfahren haben will, soll sie ihre Residenz im Zarzuela-Palast auch weiterhin bewohnen und ihre institutionellen Aktivitäten sowie ihre Arbeit für ihre Stiftung weiter ausführen. Da sie in keinerlei Verbindung mit den vermeintlichen Geschäften ihres Mannes stehe, soll sie laut der Nachrichtenagentur „EFE“ aus allen Kontroversen herausgehalten werden.

Sofía wird vermutlich ihre Arbeit weiterführen und sich für die nach ihr benannte Stiftung einsetzen. Zudem ist die Königin, im Gegensatz zu ihrem Mann, sehr beliebt in Spanien. Viele ihrer Landsleute sehen sie als gütige und herzliche Landesmutter. Warum sollte sie diese Position aufgeben? Vermutlich wird sie daher weiter Felipe den Rücken stärken. Und gemeinsam werden Mutter und Sohn den Scherbenhaufen aufsammeln, den Juan Carlos hinterlassen hat.

Trotz des Trubels um den Ex-König urlaubt Sofia derzeit mit ihrer Schwester, Prinzessin Irene (78), und ihrer Tochter Elena auf Mallorca. Im Marivent-Palast in Palma sollen sie zum Wochenende auch Felipe und seine Familie besuchen.

d

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