Hannes Pattis, passionierter Biker, Besitzer von mehreren Maschinen und Präsident von Südtirols ältestem Motorradclub MC Falken, gibt aktuelle Einblicke in die Szene.<BR /><BR />Wenn sich der Frühling mit längeren Tagen und milderen Temperaturen anbahnt, juckt es Hannes Pattis gehörig in den Fingern. Dann wird endlich wieder die Maschine flott gemacht, dann steigt auch bei seinen langjährigen Weggefährten wieder der Adrenalinspiegel, dann geht es wieder auf die Straßen, über Pässe, zu fernen Zielen. Mitunter allein, noch viel lieber aber zusammen mit vielen Kumpels. „Am vergangenen Wochenende hatten wir unseren Falken Ride, da sind wir mit rund 100 Motorrädern bis zum Gardasee gefahren“, zählt Hannes Pattis das erste von mehreren größeren bereits traditionellen Aktivitäten der Falken auf. Es war sozusagen die Auftaktveranstaltung des weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannten Motorradclubs aus dem Raum Sterzing, der im Jahre 1982 von einigen eingefleischten Motorradfans aus der Taufe gehoben wurde und seitdem keine Abnutzungserscheinungen erkennen lässt. <BR /><BR /><b>Falken mit neuem Schwung</b><BR /><BR />Gut gealtert und bestens geölt, könnte man sagen, denn der Zuspruch ist in all den Jahren nicht weniger geworden. „Natürlich ändern sich irgendwann im Leben die Prioritäten, die eigene Familie bekommt Vorrang, bei manchen nimmt der Job viel Zeit in Anspruch, aber diese spezielle innere Kraft hat uns über die Jahre zusammengehalten“, erzählt Hannes Pattis. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1165608_image" /></div> <BR /><BR />Mit der besonderen Kraft meint er die Verbundenheit der Kameraden, die gemeinsamen Ausfahrten, die Lebenseinstellung. So manche Falken hatten sich wegen der vorhin erwähnten Prioritäten eine Auszeit genommen, doch nun, mit 50 Jahren oder auch mehr, kommen sie wieder zurück, um die alten Erlebnisse aufzufrischen und neue in Angriff zu nehmen. Die sogenannte Kerngruppe der Falken ist derzeit 23 Mitglieder stark, während der befreundete Kollegenverein Falcons Group weitere 54 Mitglieder umfasst. „Wenn die Freundschaft so viele Jahre überdauert, ist das schon für sich etwas Besonders, zugleich wollen wir aber nicht stillstehen und immer wieder Neues wagen“, meint der Sterzinger und zählt einige davon auf. So steht nun eine Fahrt in die Toskana unmittelbar bevor, der Höhepunkt im Sommer sind die Bike Days im vereinseigenen Clubhaus, während im Herbst mit einem ziemlich neuen Format, dem Free Spirit Run, eine offene Veranstaltung für wohltätige Zwecke durchgeführt wird. <BR /><BR /><b>Klischee und Wirklichkeit</b><BR /><BR />22 Sterzinger Falken werden somit in dieser Woche durch die malerischen Hügellandschaften der Toskana tuckern, an mittelalterlichen Städtchen und passenden Küstenabschnitten einen Stopp einwerfen, ähnlich wie die etwa 100 Maschinen letzthin am Gardasee ziehen sie dann natürlich viele Blicke auf sich. Nicht nur die vielen Harleys sind eine Attraktion, sondern natürlich auch die gestandenen Kerle in ihren charakteristischen Leder-Outfits. Biker sind gestandene Mannsbilder mit ausuferndem Bartwuchs, vielen Tattoos, durstiger Kehle, trockenen Sprüchen und so manchen Narben im Gesicht – dieses althergebrachte Klischee mag zwar auf den einen oder anderen zutreffen, aber geht längst an den Tatsachen vorbei.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1165611_image" /></div> <BR /><BR /> Derartige Zuschreibungen quittiert auch Hannes Pattis mit einem Lachen, allerdings räumt er ein, dass man das Biker-Dasein schon gerne ein wenig zelebriert – vor allem mit bestickten Lederjacken oder langen Haaren. Am wichtigsten sei, dass sich jeder in seiner Haut wohlfühle, dass man sicher und bequem unterwegs sei. Und natürlich könne man nicht den Körperbau eines Rennradfahrers oder Bergläufers haben, wenn man unterwegs einen Bärenhunger aufbaut und gerne mal hier, mal dort eine Rast einschiebt.<BR /><BR /><b>Die Harley & Sammlerstücke</b><BR /><BR />Am liebsten sattelt Hannes Pattis heute seine Harley Davidson Streetglide, diese ist komfortabel, zuverlässig und macht auch optisch etwas her. Einige Ausfahrten macht er aber auch mit seinen älteren Maschinen der Baujahre 1967 und 2000, denn auch diese muss man in Schuss halten. Der Sterzinger hat sogar noch ältere Modelle, die er als „Vorkriegsmotorräder“ bezeichnet. Bei den Baujahren 1918 und 1923 ist das ganz und gar zutreffend, ein weiteres Objekt stammt aus dem Jahr 1948. „Diese Vorkriegsmodelle lassen sich nicht mehr fahren, das sind Sammlerobjekte, die hin und wieder auch ausgestellt werden“, sagt er und fügt erklärend hinzu: „So wie andere Weinliebhaber sind oder ihr Rennrad huldigen sind wir Falken eben mit ganzem Herzen Motorradfreaks.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1165614_image" /></div> Er selbst war gerade mal 18 Jahre alt und Führerscheinneuling, als er im Jahr 1986 zu den Falken dazugestoßen ist. „Die Jungs auf den großen Maschinen haben schon als Kind einen Reiz auf mich ausgeübt, generell war Motorradfahren damals einfach cool“, blickt er mit etwas Wehmut zurück. Auch kann er sich noch gut an seine ersten Abenteuer in der damaligen Clique erinnern, denn als Abenteuer konnte man die Fahrten bis nach Bayern allemal bezeichnen: Man musste zwei Grenzen passieren, hatte mit drei verschiedenen Währungen zu hantieren, freundete sich mit Gleichgesinnten an.<BR /> Es war wohl diese erste Ahnung von Ungezwungenheit, Lebenslust und jugendlichem Aufbruch, die viele der ersten Sterzinger Biker bis heute begleitet. Unvergessen bleibt auch so mancher Biker Day, im Jahr 2007 wurde zum 25-jährigen Bestehen des MC Falken mit etwa 14.000 Besuchern ein Fest der Superlative gefeiert. Es ist eben ein spezielles Lebensgefühl, das diese famose Truppe bis heute zusammenschweißt. <BR /><BR />„Nach Feierabend hin und wieder eine kleine Runde mit dem Motorrad zu drehen, ist für mich auch immer ein guter Tagesausklang und Stressabbau“, bringt Hannes Pattis einen weiteren Aspekt ins Spiel. Die Welt sei in Ordnung, wenn man gemütlich durch die Landschaft tuckert und den Wind im Nacken spürt. Unweigerlich kommt dabei ein hinlänglich diskutiertes Thema ins Spiel: Das Image von Motorradfahrern als Verkehrsrowdy und als Lärmquelle. <BR /><b><BR />„Nicht die Wurzel allen Übels“</b><BR /><BR />Die Kritik begleitet Hannes Pattis und seine Falken seit geraumer Zeit, er plädiert für eine differenzierte Betrachtung: „Die meisten Motorradfahrer sind Genussfahrer und halten sich an die Verkehrsregeln, einige schwarze Schafe einmal ausgenommen. Wenn es um Lärm und ganz generell um das Verkehrsproblem geht, sollte man nicht den Fehler machen, indem man die Motorradfahrer als Wurzel allen Übels ausmacht. Klar, natürlich sind wir Motorradfahrer mit dem stetig zunehmenden Tourismus ein Teil des Problems, hier wäre aber mehr Aufklärungsarbeit gefragt.“ Mitunter hat er das Gefühl, dass Motorradfahrer für Dinge herhalten müssen, welche die Politik und die Gesellschaft überfordern. Sperrungen, Verbote oder vollautomatische Blitzer sind in seinen Augen der falsche Ansatz. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1165617_image" /></div> <BR />Allemal kann er nachvollziehen, dass Anrainer an vielbefahrenen Straßen unter dem ausufernden Verkehr zu leiden haben. Diese Sensibilität ist mittlerweile bei vielen Bikern vorhanden, konkret zeigt sie diese durch das Herunterdrehen der Auspuffanlage. „Bei den allermeisten Motorrädern kann die Auspuffanlage im Abgleich zum erlaubten Dezibel-Wert im Fahrzeugbrief leiser gestellt werden, im Sinne eines rücksichtsvollen Miteinanders“, sagt er. <BR /><BR />Wenn die Falken in größeren Formationen zu einer längeren Tour aufbrechen, schlägt ihnen vielfach ohnehin Sympathie und Interesse entgegen. Die Leute winken ihnen zu, bestaunen die geparkten Maschinen, man kommt schnell ins Gespräch. Und zu erzählen gibt es immer viel, etwa von den Erlebnissen in Andalusien oder den Ausfahrten bis nach Hamburg oder Griechenland – all das ist noch gar nicht lange her. Mindestens genauso gerne wie in Nostalgie zu schwelgen, blicken die Falken aber nach vorne. Da draußen warten noch abertausende Kilometer Straßen, die Sterzinger Biker sind noch längst nicht gesättigt.