Bei einer Begehung mit Lisa Huber zeigen sich die Besonderheiten dieser fast unbekannten Duftoase im Herzen Bozens.<BR /><BR /><BR />Manche von ihnen sind nach bekannten Persönlichkeiten benannt und tragen Namen wie Edith Piaf, Charles de Gaulle oder Julio Iglesias. Zur besten Jahreszeit erreichen einige von ihnen die stattliche Höhe von zwei Metern. Alle zusammen bescheren dem Innenhof des Franziskanerklosters eine märchenhaft anmutende Oase, bloß einen Steinwurf entfernt vom Trubel der Bozner Altstadt. Vor allem versprühen sie einen betörenden Duft, schließlich ist dies das charakteristische Merkmal der Bozner Duftrosen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1186776_image" /></div> <BR />„Es handelt sich um das Lebenswerk von Toni Psenner, mit großem Feingefühl hat er hier im Einverständnis mit den Franziskanerpatern diesen einmaligen Garten verwirklicht“, sagt Lisa Huber, während sie durch die in verschiedensten Farbtönen leuchtende Anlage führt. Während man zwischen den Zeilen entlangwandelt, lassen sich die unterschiedlichen Sorten entdecken, im zweiten Moment kann man als Blickfang drei große schmale Räder als Kunstobjekte ausmachen, ehe dahinter ein kleiner Kräutergarten zum Vorschein kommt. Der klösterliche Rosengarten weiß auf Schritt und Tritt zu überraschen. Unterm Strich gedeihen hier an die 1.000 Rosenstöcke und mehr als 40 verschiedene Sorten. <BR /><BR /><b>Mehr als 40 Sorten</b><BR /><BR />Der Duftrosengarten ist Teil des privaten Klostergartens im Innenhof des Franziskanerklosters, insofern ist er bis auf wenige Anlässe im Jahr nicht öffentlich zugänglich. Mehr als 25 Jahre ist es her, dass im Zuge der Umbauarbeiten am Franziskanergymnasium eine unterirdische Turnhalle entstand, darauf ein Olivenhain angepflanzt wurde und schließlich Toni Psenner mit seiner Vision eines Rosengartens daherkam. Er stieß auf offene Ohren. Für seine Zucht pachtete er zwei Drittel des ehemaligen Klostergartens und so erblühten im Frühling 2005 bereits Rosen wie die blassrosafarbene Märchenkönigin oder die tiefschwarze Madonna. Zuvor hatten die Kapuzinerpater dort vorwiegend Gemüse angebaut. Die eigentliche Geschichte dieses grünen Areals reicht noch viel weiter zurück, denn seit 800 Jahren werden zwischen Klosterkirche und Binder-gasse Blumen und Bäume angepflanzt. Allein die blühende Orangerie dürfte an die 100 Meter umfasst haben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1186779_image" /></div> <BR />Toni Psenner, der Kunstsinnige, der Impulsgeber, der vor Ideen sprühende Charismatiker, setzte den Schwerpunkt auf die Königin aller Blumen. Angetan hatten es ihm dabei vor allem Sorten mit betörenden Duftstoffen, die als Teehybride bzw. Edelrosen bekannt sind. Es handelt sich um die älteste Klasse der Kulturrosen, sie entspringen Kreuzungen von chinesischen Teerosen und europäischen Remontant-Rosen. Nach und nach vervollständigte der emsige Bozner Florist sein duftendes Idyll, ehe er im Mai 2023 nach schwerer Erkrankung 78-jährig verstarb. Für die Fortführung seines Lebenswerks fand sich eine Lösung, indem der Familienbetrieb Huber übernahm. Mit einem Gartenfachhandel und dem Blumengeschäft Allium in Rentsch waren Knowhow sowie Verwertungsmöglichkeiten gegeben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1186782_image" /></div> <BR />„In unserem Blumengeschäft werden die Rosen, die hier jeden Tag früh am Morgen geschnitten werden, zu Sträußen verarbeitet“, sagt Lisa Huber. Sie ist in der Verwaltung des Betriebes beschäftigt, ihre Mutter Margit Tutzer arbeitet im Blumengeschäft, im Duftrosengarten schauen die Gärtner nach dem Rechten. Die spezifische Bozner Rosensaison fängt bereits Ende April an und reicht bis zum Dezember – eine weitere Besonderheit. Die Pflege der Rosen sei mit viel Aufwand verbunden, zwischendurch brauche es auch die eine oder andere Behandlung mit Schwefel und Kupfer, aus finanzieller Sicht sei eigentlich nichts gewonnen. Und doch, die Bozner Duftrosen sind bekannt und haben allemal ihre Liebhaberinnen. Tatsächlich gibt es einige Abnehmer, die sich in Form eines Rosen-Abos regelmäßig bzw. Woche für Woche mit frischen Rosen beliefern lassen. <BR /><BR /><b>Nullkilometer-Sträuße</b><BR /><BR />„Im Lebensmittelsektor bekommen fair und saisonal gehandelte Waren immer mehr an Bedeutung, im Schnittblumensektor muss diese Botschaft erst langsam ankommen“, sagt Lisa Huber. Die Bozner Rosen seien so gesehen ein Paradebeispiel für einen nachhaltigen Kreislauf, mit Fug und Recht ließe sich von Nullkilometer-Sträußen und fairen Bouquets sprechen. In der Regel werden Schnittblumen aus Holland, Südafrika oder Südamerika importiert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1186785_image" /></div> Seltsam mutet zudem an, dass bei Rosenzüchtungen verstärkt auf Eigenschaften wie Haltbarkeit, Widerstandsfähigkeit oder Langstieligkeit Wert gelegt wird, während das Spezifikum Duft in den Hintergrund gerät. „Bei diesen Rosen hier ist der Duft die herausragende Eigenschaft, bei manchen kann man auch das Duftbouquet beschreiben“, sagt die Boznerin. Wahrnehmen kann man etwa Essenzen von Zitrusfrüchten, Vanille, Beeren, Melone, Pfirsich oder Moos. In einem kleinen Abschnitt des Klostergartens gedeiht allerlei Bindgrün und dekoratives Beiwerk. Es handelt sich um ein Experiment, man möchte vollumfänglich regionale Sträuße und Bouquets anbieten können. Einen duftenden Klostergartenstrauß, wenn man so will, eine Offenbarung für die Sinne und das Gemüt.