<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Man mag es kaum glauben, aber als Patrick Batista als kleiner Bub mit seinen Eltern Krampusläufe besuchte, war ihm vor Angst beinahe zum Weinen zumute. Heute erzählt der bekennende Tuifl-Fan lachend davon. Denn je älter der gebürtige Malser wurde, desto mehr entfachte sich in ihm eine Faszination für die dämonischen Gestalten mit der Birkenrute in der Hand. <BR /><BR />„Der Krampus ist eine bekannte Figur der alpenländischen Folklore mit langer Tradition. Er ist der wilde Begleiter des heiligen Nikolaus und soll der Überlieferung nach unartige Kinder bestrafen. Er stellt also eine Mahnfigur dar, die daran erinnert, Gutes zu tun“, erklärt der Vinschger, der seinen ersten Krampusverein „Shadow of Darkness Südtirol“ mit Anfang 20 gründete. Dieser zählte elf junge Mitglieder. 15 Jahre später folgte dann der nächste große Schritt: Aus dem Krampusverein „Shadow of Darkness Südtirol“ wurde 2023 der Krampusverein „Fallen Angels Südtirol“.<h3> Klickzahlen in Millionenhöhe</h3>Mit dem neuen Verein folgt Patrick Batista der Intention, einen Südtiroler Krampusverein zu schaffen, der über die Dorfgrenzen hinausgeht und viele Menschen erreicht – unter anderem über soziale Netzwerke. Auf Instagram folgen dem Verein mittlerweile 57.100 Menschen. Die dort veröffentlichen Fo<?TrVer> tos und Videos erreichen Klickzahlen in Millionenhöhe. Einige dieser Videos haben gar einen humoristischen Inhalt: Ein Krampus, der einen entspannten Tag im Day-SPA verbringt oder es sich beim Nippen an einem Aperol Spritz gut gehen lässt. <BR /><BR />„Natürlich teilen wir auch Fotos und Videos, die den Entstehungsprozess der handgeschnitzten Holzmasken zeigen – ebenso wie Aufnahmen, in denen die Krampusse bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel stehen“, erzählt Patrick Batista. Damit möchte er nicht nur Einblicke in das Spektakel geben, sondern vor allem auf die tiefere Bedeutung der Tradition aufmerksam machen – den Krampus als Symbol für das Wechselspiel von Gut und Böse: „Ohne das Dunkle würde es das Helle nicht geben. Ohne das Böse wüssten wir nicht, was das Gute ausmacht.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1181202_image" /></div> <BR />Der Krampus erinnert uns daran, dass beides untrennbar miteinander verbunden ist – eine Mahnung ebenso wie ein Spiegel der menschlichen Natur“, so Batista, der mittlerweile in Prad am Stilfser Joch wohnt.<BR />Insgesamt besitzt der Verein über 30 Holzmasken, die alle zwischen 1000 und 1500 Euro kosten. Die Felle haben einen Wert zwischen 1600 und 2500 Euro. Sowohl die Masken als auch die schweren Fel<?TrVer> le stammen aus traditioneller Handarbeit in Österreich und Südtirol. Patrick Batista besitzt drei unterschiedliche Masken, darunter eine besonders markante mit teuflisch herausgestreckter Zunge. „Die trage ich besonders gern – vor allem gemeinsam mit meiner Part<?Uni SchriftWeite="96ru"> nerin, die ebenfalls „tuifl-fanatisch“<?_Uni> ist und eine eigene Frauenmaske ihr Eigentum nennt“, erzählt der Vinschger schmunzelnd.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1181205_image" /></div> <BR />Auch ihre vierjährige Tochter ist bereits begeistert von der Leidenschaft der Eltern. Angst vor den furchteinflößenden Masken im Keller? Fehlanzeige! Im Gegenteil: Sie sei schon jetzt fasziniert von den wilden Fratzen und dem mystischen Treiben.<BR /><BR /><h3> „Höllisch-heiße Vorbereitungsphase“</h3>Ein Blick auf die Instagram-Seite von Patrick Batista und seinen Vereinskollegen genügt, um zu erkennen: Diese Krampusse kennen keine Sommerpause. Das ganze Jahr über geben sie in den sozialen Netzwerken Einblicke in ihr Tun. Kürzlich fand auch eine große Vereinssitzung statt, bei der beschlossen wurde, wie viele neue Masken und Felle für die kommende Saison – die traditionell im September startet – bestellt werden sollen.<BR /><BR />Doch damit nicht genug: Der Verein baut derzeit eine beson<?Uni SchriftWeite="97ru"> dere Figur, welche die Krampusse <?_Uni> heuer begleiten wird. „Um wen es sich handelt, bleibt bis Saisonstart noch unser kleines Geheimnis“, sagt Batista. Dass er dem Beginn der Krampus-Saison entgegenfiebert, ist ihm deutlich anzusehen. Schon jetzt werden Wagen vorbereitet, Eventdetails abgestimmt und neue Ideen gesammelt. Ganz nach dem Motto: Nach der Saison ist vor der Saison.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1181208_image" /></div> <BR />Was der 35-Jährige zur Kritik an Krampusläufen sagt, bei denen Maskenträger über die Stränge schlagen? „Hier muss man beide Seiten betrachten“, erklärt er. „Immer wieder gibt es Zuschauer, die meinen, sie könnten den Krampus an den Hörnern oder am Fell ziehen. In solchen Fällen ziehen wir meist Maske und Fell aus und informieren einen Sicherheitsbeamten vor Ort.“ Denn was viele nicht wissen: Am Horn zu reißen, könne für den Menschen unter der Maske lebensgefährlich sein – schlimmstenfalls drohe eine Verletzung der Halswirbelsäule. Doch auch innerhalb der Szene gebe es schwarze Schafe, räumt der 35-Jährige ein: „Natürlich gibt es Krampusse, die sich nicht an die Regeln halten. Das lehne ich entschieden ab.“<BR /><BR />Mit seinem Verein – den „Fallen Angels Südtirol“ – verfolgt Batista jedenfalls einen klaren, friedlichen Anspruch: das Brauchtum zu bewahren und gleichzeitig modern zu interpretieren, um es am Leben zu erhalten. Selbst bei höllisch-heißen Sommertemperaturen.