Schwarze Designerbrille, Markenkleidung, makellos weiße Zähne und eine Rolex am Handgelenk. Nach Alf Gamper braucht man in einer Südtiroler Dorfbar nicht lange Ausschau halten. Er ist eine Erscheinung und hierzulande ein bisschen so wie die prickelnde „Edelbrause“, die ihn zur „Ischgl-Legende“ gemacht hat: erfrischend, stilvoll und durchaus ein bisschen extravagant.<BR /><BR />Seit 27 Jahren leitet der gebürtige Klausner die legendäre „Champagnerhütte“ in Ischgl und ist weit mehr als nur Wirt: Er ist Entertainer, Netzwerker, Exzentriker und wohl einer der Pioniere, die aus dem Skiort im Tiroler Paznauntal das „Monaco Österreichs“ gemacht haben.<BR /><BR />Mit dem Tausendsassa aus dem Eisacktal hat 1998 nämlich auch der Schampus und mit ihm die Schickeria in Ischgl Einzug gehalten. „Sekt ist was zum Füßewaschen, haben wir immer gesagt, und waren die Einzigen, die damals Champagner auf der Karte hatten“, erinnert er sich zurück an die Anfänge: „Verkauften wir zehn Flaschen am Tag, liefen wir durchs Dorf und glaubten, die Größten zu sein.“ Heute gehen pro Saison über 30.000 Liter über seine Theke. „Und es wird jedes Jahr brutaler“, so Gamper, der sich auch mit 60 Jahren ein Leben ohne Party nicht vorstellen kann. <h3> Vom Sterzinger Nachtleben nach Ischgl</h3>Schon als Jugendlicher bestimmte das Nachtleben mit coolen Drinks, schönen Frauen und fetten Beats seinen Lebensrhythmus. In den 1990er-Jahren arbeitete er schließlich im „Derby Club“ in Sterzing. Mit Gigs großer italienischer DJs wie Molella oder Gigi D'Agostino zog das Szenelokal Gäste weit über die Grenzen hinaus an. Einer, der regelmäßig über den Brenner fuhr, war Arnold Tschiderer, Chef des <?Uni SchriftWeite="95ru"> Fünf-Sterne-Hauses „Schlosshotel“<?_Uni> in Ischgl. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1178847_image" /></div> <BR />Gamper und der Hotelier verstanden sich auf Anhieb, so wurde aus Bekanntschaft Freundschaft und schließlich ein Business. Denn 1998 unterbreitete Tschiderer dem Klausner – der hatte mittlerweile in Sterzing eine gut laufende Wein- und Bierschänke eröffnet – das Angebot, zu ihm nach Ischgl zu kommen. „Ich mache ein kleines Après-Ski-Ding auf, du bist umsatzbeteiligt. Da <?Uni SchriftWeite="94ru"> verdienst <?_Uni> du das Dreifache, als wenn du hier rumstehst“, versprach er Alf Gamper. <BR /><BR />Der Handschlag-Deal gilt bis heute. Aus dem Ischgler Après-Ski-Lokal „Romantikhüttn“ – ein ausgemustertes Holzhäuschen vom Innsbrucker Christkindlmarkt – ist mit den Jahren aber ein Luxusschuppen für 650 Gäste geworden – und aus Gamper und zwei Mitarbeitern ein 37-köpfiges Team. Auf zwei Stockwerken mit Terrasse wird heute Après-Ski geboten, und im Keller hat der Club bis in die Morgenstunden geöffnet. <BR /><BR /><h3> Hartes Business für gutes Geld</h3>Gamper selbst ist meist im VIP-Bereich anzutreffen. „Ich betreue die Gäste, gehe von Tisch zu Tisch, schaue, dass alles passt und helfe, wo es braucht“, so der Wirt mit dem Talent, aus Alltäglichem et<?TrVer> was Außergewöhnliches zu machen – von Sprühkerzen auf den Magnumflaschen, Schultergüssen der Barkeeper bis hin zu extravaganten Partyoutfits.<BR /><BR />Personalprobleme kennt er nicht. „Manche Kunden geben Trinkgeld im vierstelligen Bereich. Das motiviert die Mitarbeiter, auch mal bis sechs Uhr morgens zu arbeiten“, weiß er. Der 60-Jährige selbst verabschiedet sich aber meist gegen drei Uhr und zieht sich in seine Suite im Schlosshotel zurück – bis ihn die Rezeptionistin um halb 10 Uhr morgens aus dem Bett klingelt. „Das funktioniert viel besser als ein Wecker, den habe ich im<?TrVer> mer weggedrückt und weitergeschlafen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1178850_image" /></div> <BR />Zum „Auspennen“ ist ihm heute aber die Zeit zu wertvoll. Nach dem Frühstück geht es für den glücklichen Single-Mann auf<BR /> die Piste. 100 Skitage hat er durchschnittlich pro Saison, heuer wetterbedingt nur 87. Nach einem Abstecher ins Büro beginnt gegen <BR />15 Uhr dann der eigentliche Job, sieben Tage die Woche, von No<?TrVer> vember bis Anfang Mai.<BR /><BR />„Mein Mercedes hatte vor ein paar Jahren die Autobatterie kaputt, weil ich ihn im November in die Tiefgarage gestellt und bis Mai nicht gefahren habe“, verweist Gamper auf die Intensität des Gastro-Geschäfts. „Schwache Wochen“ gäbe es nicht mehr: „Wir haben täglich voll, müssen manchmal sogar Gäste wegschicken.“ <BR /><BR /><h3> 40.000 Euro für eine Flasche – und viele schwarze „Amex“</h3>Sechzig Prozent seiner Kunden sind dabei Stammgäste, vor allem aus Deutschland, Belgien, Skandinavien und England: „Russen haben wir ganz wenig, auch weil wir internationale, keine russische Musik spielen.“ Dafür kommen immer öfter Gäste aus Asien, aus Australien und Amerika, um für einen Nachmittag und Abend die legendäre Party bei „Ischgl-Legende“ Alf zu genießen. <BR /><BR />Die Getränkekarte startet bei sechs Euro für ein Glas Mineralwasser und reicht bis zu 40.000 Euro für ei<?TrVer> ne Flasche Champagner. Am häufigsten aber würden Flaschen bis maximal 9000 Euro getrunken (oder einfach nur herumgespritzt), weiß der Kenner und teilt die Tische nach Getränkevorlieben seiner Stammgäste ein – hier ein „Moët Ice“-Tisch, da ein „Dom Perignon“-Tisch. <BR /><BR />Auch Weine und Superalkoholika sind sehr gefragt. Eine Sechs-Liter-Flasche Wodka mit Beigetränken ist für etwa 2000 Euro zu haben. Wer das bezahlt? „Ich frage meine Gäste nicht, wie sie ihr Geld verdienen; bei uns werden alle gleich behandelt“, so der Wirt, der nicht selten schwarze „Amex“ – also exklusive Kreditkarten von „American Express“ – durch sein Zahlgerät zieht. Sie gehören Unternehmern, Privatbankern, Gastronomen oder Profisportlern. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1178853_image" /></div> Auch Schlagerqueen Andrea Berg kehrt gern bei Alf ein, ebenso wie viele ihrer Berufskollegen: „Reggae-Musiker Shaggy war heuer hier, auch Zucchero und der Eros Ramazzotti.“ Letzterer ha<?TrVer> t für ein Wienerschnitzel in der „Champagnerhütte“ sogar sei<?TrVer> ne Diät unterbrochen, plaudert der schrille Hüttenwirt aus dem Nähkästchen. Ein prominenter Musikproduzent hingegen könne sich sein Schnitzel auf den Bauch auflegen: „Der ging, ohne zu bezahlen. Als ich sagte, da wäre noch eine Rechnung offen, meinte er einfach, er zahle nie.“ <BR /><BR />Geblecht habe schlussendlich sein Bekannter, so <?Uni SchriftWeite="97ru"> Gamper über die unverschämt-ar<?TrVer> rogante Art dieses „Pop-Titanen“: <?_Uni> „Bei uns gibt es keine Runde gratis und kein Schnapsl dazu. Wer bestellt, zahlt sofort und gibt bestenfalls noch Trinkgeld. Aufgeschrieben wird nur bei Stammkunden. Da weiß ich, es passt.“ Zu dieser Kategorie zählen u.a. die Fußballprofis Thomas Müller, Manuel Neuer oder Joshua Kimmich. Sie haben Alf schon öfters zu ihren Spielen eingeladen – genauso, wie er schon auf deutschen Hochzeiten tanzte, Firmenpartys in Ibi<?TrVer> za feierte, Jachtreisen mit Stammgästen unternahm – und über die Jahre viele Freundschaften geknüpft hat.<BR /><BR /><h3> Leben im Fünf-Sterne-Haus und urlauben auf der Alm</h3>Ein bekannter Unternehmer aus Deutschland nimmt Gamper zum Beispiel immer ins Schweizer Samnaun zum Uhrenkauf mit. „Durch meine Kontakte kriegt er Sondereditionen, die sonst nicht erhältlich sind“, erzählt der Klausner eine von vielen Geschichten aus seinem Leben, die ihn im Paznauntal längst selbst haben Geschichte schreiben lassen. <BR /><BR />An die Rente denkt er mit 60 darum noch lange nicht. „Ich fühle mich wie 29, liebe, was ich tue, wohne in einem Fünf-Sterne-Haus, und die Leute machen ständig Fotos mit mir. Das tut in Südtirol kein Schwein“, sagt er lachend. Für immer nach Ischgl zu ziehen aber würde für ihn nicht infrage kommen. „Im Winter ist alles weiß, und ich kann auf den Berg zum Skifahren. Aber im Sommer ist der Ort ein ‚Loch‘, da ist keine Luft, da erstickst du“, sagt er frei heraus. Außer Saison findet man den Klausner darum meist im Warmen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1178856_image" /></div> <BR />38 Mal war er schon in Thailand, auch eine Rundreise auf seiner geliebten Vespa entlang der italienischen Küsten ist jedes Jahr Pflichtprogramm. „Es gab schon Jahre, da habe ich keine zehn Nächte in meinem Haus in Klausen verbracht, wo auch mein Bruder und meine Eltern leben“, erzählt er und schiebt gleich hinterher: „Weißt du, wenn ich morgen aufwache und nach Ibiza fliegen will, dann tue ich das.“<BR /><BR />Diese Freiheit sei für ihn der wahre Lu<?TrVer> xus im Leben und mitunter wohl auch der Grund, warum Beziehungen nie ganz so lange hielten. „So bin ich halt“, lächelt er und macht gerade im arbeitsfreien Sommer nur das, worauf er Lust hat – etwa eine Quad-Fahrt auf die eigene Alm nach Latzfons. Früher gehasst, liebt er heute die Ruhe und Aussicht, die karierten Gardinen, den Rasen vor der Tür und den gut bestückten Keller. Für Freunde aus Südtirol und dem Ausland macht der Partytiger dort gern ein gutes Fläschchen auf. <BR /><BR />An diesem Donnerstagvormittag in der Dorfbar aber bestellt er Orangensaft. „Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, trinke ich nicht“, so der 60-Jährige resolut. Das handhabe er auch bei der Arbeit meist so, weshalb sein Lieblingsgetränk in der „Champagnerhütte“ eine „Cola Zero“ ist. „Würde ich mit jedem Gast anstoßen, wäre ich 155 Tage besoffen“, weiß Gamper. Er beeindruckt lieber mit seiner herzlichen Art, denn mit Trinkfestigkeit – und logisch mit bestem Champagner, der nicht nur die Gläser klirren, sondern auch die Kassen klingeln lässt.