<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />In Sagres, einer Gemeinde im Südwesten Portugals, bäckt Martin Pernstich seit 2020 Pizzen. „Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass ich einmal an der Algarve ein Pizza-Catering eröffnen würde, hätte ich nur ungläubig den Kopf geschüttelt“, sagt der Kalterer und lacht. <BR /><BR />Heute ist er genau dort und versorgt Veranstaltungen aller Art mit Pizzen. Ob bei Kindergeburtstagen, Hochzeiten oder Surf-Events entlang der Küste – überall werden am südwestlichsten Zipfel des europäischen Festlands „Don Martinos“ Pizzen gegessen – und genossen. Auf seiner Speisekarte finden sich neben Klassikern wie der Caprese oder Diavola auch fantasievolle Eigenkreationen. <BR /><BR />Besonders beliebt: eine Margherita mit frischem Babyspinat, Ziegenkäse und karamellisierten Tropeazwiebeln – oder eine weiße Pizza mit Olivenöl, Walnüssen, Gorgonzola und einem Hauch Chili-Honig. „Ich liebe es, mich kreativ auszutoben“, verrät der Pizzaiolo, den es vor fünf Jahren nach Sagres verschlug, einem Ort, der von portugiesischen Nautikern und Seefahrern einst als „Ende der Welt“ bezeichnet wurde.<h3> Mit der Kochlehre in der Tasche hinaus in die Welt</h3>Schon früh entdeckte der Pizzaiolo seine Leidenschaft fürs Kochen. Nach einer Kochausbildung an der Landesberufsschule für das Gastgewerbe „Savoy“ in Meran und ersten praxisnahen Erfahrungen in den Küchen Südtiroler Hotels packte ihn mit 19 Jahren das Fernweh – und so heuerte er für ein halbes Jahr als Koch auf einem Kreuzfahrtschiff an. Eine harte Zeit, erinnert er sich zurück: „180 Tage am Stück zu arbeiten, ohne einen einzigen freien Tag, hat mich körperlich und mental an meine Grenzen gebracht. Doch genau diese Zeit hat mich gelehrt, wie wichtig Disziplin und Durchhaltevermögen sind.“ Werte, die den weiteren Lebensweg des Kochs prägen sollten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1186539_image" /></div> <BR />Nach seiner Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff kehrte Martin Pernstich zunächst nach Südtirol zurück. Dort arbeitete er in verschiedenen Küchen und sammelte weitere Erfahrungen hinter heimischen Herden. Doch das Fernweh ließ nicht lange auf sich warten – schon bald verspürte der Weltenbummler erneut den Drang, aufzubrechen.<BR />„Während ich mich an Bord des Kreuzfahrtschiffes weiterentwickelt hatte, blieb zu Hause alles beim Alten – und ich wollte nicht in den vertrauten Trott zurückfallen“, erklärt er sich heute die Entscheidung, Südtirol ein weiteres Mal zu verlassen. <BR /><BR />Es folgten Reisen auf die Kapverden und nach Brasilien, die für den Reiseliebhaber mehr waren als bloß Tapetenwechsel. Sie weckten in ihm ein neues Lebensgefühl, geprägt vom bewussten Sein im Moment. Einige Zeit später in Australien angekommen, entflammte schließlich seine große Passion: das Pizzabacken.<BR /><BR />Während eines Roadtrips durch das Land der Kängurus, begann er nämlich in seinem Geländewagen Pizza zu backen. „Ich hatte in meinem Auto einen ‚Camp Oven‘ und hatte richtig Bock auf Pizza. Also bereitete ich Teiglinge vor und lagerte sie in meinem kleinen Kühlschrank im Auto. Dann entzündete ich draußen ein Feuer und stellte den gusseisernen Topf, in dem sich der Teig befand, auf die heiße Glut – mitten in der Natur, unter freiem Himmel.“ Was als spontanes Experiment in der Wildnis begann, wurde bald zur Passion des Kalterers – und zum Grundstein für alles, was danach kam.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1186542_image" /></div> <BR />Zurück in Kaltern investierte Martin Pernstich in einen mobilen Pizzaofen und feilte im ersten Lockdown 2020 weiter am perfekten Pizzateig. „Ich habe mit verschiedensten Mehlsorten experimentiert, mit Temperaturen gespielt, Ideen verworfen, neu gedacht“, erinnert er sich. „Bis ich mein Rezept gefunden hatte, hat es Zeit gebraucht – und vor allem Geduld, Liebe und den Willen, immer weiterzumachen.“ Denn wenn er eines im Leben gelernt hat, dann das: „Hingabe zeigt sich darin, dass man bereit ist, Zeit zu lassen – dem Prozess, dem Produkt und sich selbst.“<h3> Die Geburtsstätte von „Don Martino“</h3>Nach unzähligen selbstgebackenen Pizzen für Familie und Freunde packte Pernstich nach dem ersten Lockdown erneut seine Koffer. Er machte sich auf den Weg nach Portugal – genauer gesagt an die Algarve. Die Sehnsucht nach Weite, nach Wellen und einem abenteuerlichen Leben zog den jungen Kalterer, der in Australien seine Liebe zum Surfen entdeckt hatte, zurück ans Meer.<BR /><BR />„Ich bin also mit meinem Fiat Punto und dem Pizzaofen auf der Rückbank losgefahren – im Gepäck der Traum, mir dort ein neues Leben aufzubauen“, erinnert er sich zurück. Während er dort zunächst wieder als Koch in einem Restaurant arbeitete, feilte er in seiner Freizeit weiter leidenschaftlich an seiner Pizzakunst – bis er spürte: Die Zeit ist gekommen, das Pizzabacken zum Beruf zu machen. Also gründete er ein eigenes Pizza-Catering-Unternehmen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1186545_image" /></div> <BR />Der Name war schnell gefunden, die Vision klar. Mit ein paar Tausend Euro Startkapital, drei Pizzaöfen und einer ordentlichen Portion Entschlossenheit machte sich der Kalterer in seinem Fiat Punto auf den Weg entlang der Küste. Er klapperte Hostels und Surf-Camps ab, stellte sich vor und fragte, ob er für die Gäste Pizza backen dürfe. „Und so“, erzählt er, „nahm alles seinen Lauf.“ Heute, drei Jahre später, ist Martin Pernstichs Pizza-Catering „Don Martino“ entlang der gesamten Südwestküste bekannt und sehr beliebt – geschätzt von Einheimischen, Urlaubern und Surfern gleichermaßen.<BR /><BR />Sein Erfolgsrezept? Geduld, Mut, Passion und der feste Glaube an den eigenen Traum. „Wenn du etwas wirklich willst, dann tu es, auch wenn andere sagen, es klappt nicht. Du musst es zumindest versuchen“, sagt der erfolgreiche Pizzaiolo, der anfangs jeden Cent beiseitelegte, um sein Business aufzubauen. Heute ist sein Terminkalender voll. Aber nicht nur. Auch sein Herz. „Denn ich mache das, was mich glücklich macht.“