<b>Von Johannes Vötter</b><BR /><BR />Nur noch etwas mehr als ein halbes Jahr, dann heißt es auch hierzulande, in Anlehnung an Baron Pierre de Coubertin: „Dabei sein ist alles!“ Denn am 6. Februar 2026 starten die „25. Olympischen Winterspiele Mailand–Cortina“, wie sie offiziell genannt werden – und Antholz ist einer der Hauptaustragungsorte. <BR /><BR />Doch wer die moderne (und auch antike) olympische Geschichte kennt, weiß: Erstens ist „Dabei sein“ für manche Verbände oder Teilnehmer doch nicht genug. Zweitens zählt mit Blick aufs Podium durchaus das Motto „Schneller, höher, weiter“ und damit die Medaille. Und drittens gehören Doping, der ewige Kampf dagegen und entsprechende Skandale seit jeher dazu. Doch dass – wie im Fall der „Enhanced Games 2026“ – <I>(siehe Infokasten unten)</I> sämtliche olympischen Werte ganz offen mit Füßen getreten werden, das ist neu. Entsprechend groß sind Aufregung, allgemeines Entsetzen und Kritik querbeet durch die internationalen Verbands- und Sportlerreihen. Von „Dopingspielen“ über „Menschenversuche“ bis hin zu „Clownerie“ und „fataler Werbeaktion“ reichen die Einschätzungen. Ein Meinungsbild, dem sich die heimische Sportwelt durchaus anschließt, wenn auch verschieden im Ansatz.<h3> „Ist nicht sicher, dass die überhaupt Athleten finden“</h3>Das befindet Alex Tabarelli, Präsident im Olympischen Komitee Südtirol CONI. Er verfolgt die „leidige Geschichte“ rund um die „Enhanced Games“ sehr genau und meint: „Die müssen erst mal die Athleten dafür finden. Denn wer daran teilnimmt, dessen sportliche Karriere ist vorbei.“<BR /><BR />Doch als Witz abtun, das würde er dieses US-Projekt aus persönlicher wie auch verbandsverantwortlicher Sicht nicht. Ganz im Gegenteil, diese ernste Sache sei schärfstens zu verurteilen: „Ein fairer, sauberer und für die Athleten gesunder Wettkampfsport ist nur ohne Dopingmittel möglich. Doch die Organisatoren haben sich hier genau jene Sportarten und Wettbewerbe ausgesucht, wo sich mit ‚Nachhelfen‘ viel herausholen lässt.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1193592_image" /></div> <BR />Allein der Name „Optimierte Spiele“ sei daher absurd und ein Widerspruch in sich: „Hier wird doch erst recht getrickst, was das Zeug hält.“ Dennoch bleibt Tabarelli zuversichtlich, dass all dies keine Auswirkungen auf den wahren Spitzensport habe: „Dass es Doping gibt, das es nach bestem Wissen und Gewissen zu bekämpfen gilt, brauchen wir gar nicht in Abrede zu stellen. Aber der Doping-Höhepunkt ist vorbei. Die Kontrollen sind heute engmaschiger und effektiver sowie die Strafen härter. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse in vielen Sportarten. Die Zeitenunterschiede sind geringer, die Teilnehmerfelder ausgeglichener, auffällige Ausreißer gibt es kaum mehr. All dies zeigt, dass der eingeschlagene Weg zu einem fairen Sport der richtige ist.“<h3> „Optimierung passt ins Bild des ‚perfekten Menschen‘“</h3>„Erstaunt und besorgt“, dass es sich bei den „Enhanced Games“ nicht nur um einen bedenklichen Werbegag handeln könnte, ist hingegen Monika Niederstätter. Zumal es die „Vorbildwirkung“ ist, welche der Sportpsychologin und ehemaligen Leichtathletin mit Olympiaerfahrung (400 m Hürden, in Sydney 2000 und Athen 2004) zu denken gibt: „Das ist eine gefährliche Richtung, die hier im Hochleistungssport eingeschlagen wird und die auch Ausdruck unserer Zeit ist. Nämlich dass man sich Erfolg kaufen kann.“<BR /><BR />Das widerspreche, so Niederstätter, komplett dem Gedanken, den sie in ihrer heutigen Arbeit auch jungen Athletinnen und Athleten zu vermitteln versuche: „Nämlich den Anspruch, Leistungssport in dem Sinne zu betreiben, dass man zwar an die eigenen Grenzen gelangt – dabei aber immer fair bleibt.“ Doch nun würden – fast wie einst zu Zeiten des systematischen Dopings in der DDR oder in der Sowjetunion – die für junge Sportler so wichtigen Werte „Fairness“ und „Vertrauen“ im Sinne der (Selbst-)Optimierung geopfert: „Wir haben in der Sportgeschichte gesehen, welche fatalen Folgen dies für die jeweiligen Sportlerinnen und Sportler haben kann – körperlich und psychisch.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1193595_image" /></div> <BR />Doch eine abschreckende Wirkung – wie es etwa bei Suchtmitteln wie Alkohol oder Zigaretten der Fall sein kann – von früheren Dopingfällen oder tragischen Sportlerschicksalen ortet Niederstätter nicht: „Nun, das hat damit zu tun, dass man Suchtmittel für sich selbst genießt. Hier aber geht es um die Außenwirkung, also, dass man als erfolgreich wahrgenommen wird. Die Jungen von heute können mit den alten Dopingskandalen nichts anfangen, haben auch gar keine Vorstellung davon, was systematisches Doping bedeutet. Ganz anders als zu meiner aktiven Zeit, als man bei manchen Leistungen schon grundsätzlich erahnen konnte, was Sache ist.“ <BR /><BR />Deshalb sei – wie die Sportpsychologin warnt – die Verharmlosung von Seiten der „Enhanced Games“-Promotoren und deren Argument, den Sport damit „ehrlicher und gerechter“ zu machen, auch so bedenklich: „Nicht zuletzt, weil diese Keywords in der algorithmischen Welt der sozialen Netzwerke so gut funktionieren und ins dort vermittelte Bild des ‚perfekten Menschen‘ passen. Erfolg ist hier gewissermaßen cool – und es scheint egal zu sein, wie man dazu kommt oder ob man betrügt. Dazu kommt noch das Spiel mit dem Feuer, das die Jugend grundsätzlich anspricht.“<BR /><BR />So gelangt dann auch Monika Niederstätter zum Schluss: „Wir werden sehen, ob und wie das dann im Endeffekt stattfindet. Aber diese ganze Geschichte stellt vieles infrage, wofür der Sport eigentlich stehen sollte. Und das ist sicher nicht Lug und Betrug.“<BR /><h3> „Enhanced Games 2026“ – Das ist der Plan</h3>Perfekt auf das US-Feiertagswochenende des „Memorial Day“ (21. bis 26. Mai) sind im kommenden Jahr die „Enhanced Games“ (dt. „Verbesserte/Optimierte Spiele“) angesetzt. Austragungsort dieser umstrittenen „Dopingspiele“ – die u.a. von Donald Trump jr. und „PayPal“-Chef Peter Thiel unterstützt werden – ist das Hotel- und Casino-Gelände „Resorts World“ in Las Vegas. Erste Details dazu finden sich online ( <a href="https://www.enhanced.com/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.enhanced.com</a>), etwa die geplanten Wettbewerbe: Schwimmen (Freistil/Schmetterling: jeweils 50 und 100 m); Leichtathletik (Sprint: 100 m / Hürden: 100 und 110 m); Gewichtheben (Reißen/Stoßen in drei Gewichtsklassen). Etwa 200 Athleten sollen teilnehmen können, fix mit dabei sind u.a. die einstigen Weltklasse-Schwimmer James Magnussen (AUS) und Andrij Howorow (UKR). <BR /><BR />Letzterer hatte sich zuletzt positiv dazu geäußert, erwartet aber „eine Debatte, Kritik und vielleicht auch Hass.“ Wohin die Reise geht, zeigt letztlich der offen gedopte „Enhanced“-Schwimmer Kristian Golomeew (GRE, i.B): Der vierfache Olympiastarter (33) kraulte für eine eigens produzierte Onlinedoku in 20,89 Sek. über 50 m zum „Weltrekord“. In Las Vegas gibt's dafür eine Million US-Dollar.