Montag, 30. März 2020

Edith Starzinger: 100 Jahre, 1000 Geschichten

Seit Monaten freuten sich Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter des Alterheimes Mölten auf den 100. Geburtstag von Edith Starzinger am 28. März. Doch dann kam das Coronavirus, aber unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen konnte trotzdem gefeiert werden.

Edith Starzinger feierte am 28. März ihren 100. Geburtstag im Altersheim Mölten.
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Edith Starzinger feierte am 28. März ihren 100. Geburtstag im Altersheim Mölten. - Foto: © Altershilfe Tschögglberg
Edith Luise Starzinger Wwe. Pircher ist am 28. März 1920 in Meran geboren und die älteste Bürgerin von Vöran. Seit 3 Jahren lebt sie im Altersheim Mölten und erfreut sich an den kleinen Dingen des Lebens und besonders an Blumen. Im Altersheim Mölten ist sie eine ausgleichende Persönlichkeit, schlichtet in herausfordernden Situationen, strahlt Zufriedenheit aus, beteiligt sich an Gymnastikübungen, in der Gartengruppe, beim Gedächtnistraining oder beim Tombola, singt gerne und besucht die Messe.

„Man muss auch mal zurückstecken oder still sein können und nicht immer obenauf sein wollen“, meint sie. Eine ihrer Enkelinnen bezeichnete die Jubilarin in einer Videobotschaft als “weltoffene Frau mit 1000 Erzählungen und Geschichten.“

Um den runden Geburtstag im Altersheim Mölten passend und unter Einhaltung der strikten Corona-Vorschriften zu feiern, haben die Mitarbeiter seit Wochen Vorbereitungen getroffen. Von außen sollte nichts in das Altersheim reinkommen: keine Blumen, keine Geschenke, keine Familienangehörigen. Und doch sollte die Feier für die Jubilarin und die übrigen 41 Bewohner so “normal“ wie möglich sein.

Direktorin Martina Perkmann erzählt von umgetexteten Liedern und Proben der Heimbewohner, von vorgetragenen Gedichten, von kreativen Plakaten im Altersheim, von übertragenen Videobotschaften der 7 Kinder und vielen Enkelkinder, von vorgelesenen Geburtstagswünschen der Vöraner Gemeindeverwaltung, des Pfarrgemeinderates, des Seniorenclubs, von Freunden und Angehörigen. Auch eine Magnumflasche des heimatlichen Arunda-Sektes wurde geköpft.

Seit mehr als 3 Wochen ist auch das Altersheim Mölten von der Außenwelt abgeschottet. Das 56-köpfige Betreuungs- und Pflegepersonal ist enorm gefordert. Die Direktorin des Altersheimes erklärt: „In dieser Zeit gilt es auf sehr vieles zu achten. Meine Sorge gilt neben den im Haus lebenden Menschen vor allem den Mitarbeitern.“ So müsse sie von ihnen die strikte Umsetzung aller Hygiene- und Abstandsmaßnahmen verlangen. Die Arbeit sei durch die Schutzkleidung erschwert. Die Mitarbeiter dürfen nur die Partner, Eltern oder Kindern sehen, die mit ihnen im Haushalt leben, mit allen anderen Menschen müssen sie auf Abstand bleiben. Das verunsichere, zeige sich bis zum heutigen Tag aber wirkungsvoll: In den Wochen seit Ausbruch der Corona-Epidemie hat sich im Altersheim Mölten kein Anzeichen einer Ansteckung mit Covid-19 gezeigt.

„Besondere Zeiten erfordern besonderen Maßnahmen“

Die Direktorin betont: „Menschen wie die Jubilarin Edith Starzinger geben uns Kraft und Motivation.“ So ermutigt die 100-Jährige ihre Mitbewohner die vorgeschriebenen Maßnahmen unbedingt zu befolgen. Die meisten Bewohner hätten bereits schwerere Zeiten durchgemacht. „Uns geht es gut. Wir haben zu essen und warm“, sagt sie zu ihren Mitbewohnern. Sie ruft das Personal auf, “nicht aufzugeben, durchzuhalten und dem Virus die Faust zu zeigen, damit er keine Chance mehr hat.“

Martina Perkmann ist froh, dass die Geburtstagsfeier für Edith Starziner stattgefunden hat. Das sei für die Bewohner eine schöne Abwechslung gewesen und spiegle sich in der aufgehellten Stimmung im Altersheim wider. Die Jubilarin nahm es gelassen, die Verwandten beim Geburtstag nicht bei sich zu haben. „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“, hat sie souverän betont. Ihr gehe es gut. Sie hoffe, dass alle gesund bleiben und ist überzeugt, die Feier mit den Familienangehörigen irgendwann nachholen zu können. Und überhaupt fühle sie sich gar nicht wie 100.

stol