Dienstag, 21. Juni 2016

Ein „Erdbeermond“, der keiner war

Der Himmel hat in vielen Orten Europas in der Nacht zum Dienstag ganz besonders beeindruckend ausgesehen: der Mond schimmerte rot, manchmal fast lila oder auch orange. Viele sprachen dabei von einem „Erdbeermond“ – das ist aber kein astronomischer Begriff.

Viele Menschen bezeichneten den gestrigen Mond als "Erdbeermond". Diese Bezeichnung existiert allerdings nicht.
Viele Menschen bezeichneten den gestrigen Mond als "Erdbeermond". Diese Bezeichnung existiert allerdings nicht. - Foto: © APA

„Den Erdbeermond gibt es eigentlich nicht als Begriff oder Naturereignis“, sagte Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg. „Das ist eine Erfindung der Neuzeit.“ Die Formulierung komme wohl aus dem angelsächsischen Sprachraum.

Dort sei der „strawberry moon“ ein Vollmond während der typischen Erntezeit von Erdbeeren. Mit der Farbe hat das aber erstmal nichts zu tun.

Aber warum leuchtete der Mond dann so rot? „Im Sommer hat der Mond eine viel flachere Bahn“, sagt Stephan Fichtner vom Planetarium Hamburg. „Steht der Mond tief, muss sein Licht einen weiteren Weg durch unsere Luftschichten zurücklegen, als stünde er direkt über uns.“

Dabei würden die blauen Anteile seines Lichts herausgefiltert – der Mond schimmert rot – und je länger er am Horizont steht, desto auffälliger ist das für den Beobachter. Im Sommer – vor allem sehr nah an der Sommersonnenwende – dauert es also länger, bis er aus diesen Dunstschichten heraus steigt.

So funktioniert es übrigens auch bei einem Sonnenuntergang im Winter: Befindet sich die Sonne im Winterhalbjahr auf einer flacheren Bahn länger in diesen Luftschichten, dann enden die Sonnenuntergänge besonders häufig mit einem Abendrot.

Das Besondere sei also, das ausgerechnet in der Nacht zur Sommersonnenwende auch Vollmond war. Aber: „Jedes Jahr im Juni gibt es einen Vollmond.“ Auch dann sehe er länger rot aus – für die Astronomen ist das also kein allzu besonderes Ereignis.

Andreas Quirrenbach, Professor am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg, hat noch eine andere mögliche Erklärung: „Das liegt an Staub in der Atmosphäre“, sagte er. Partikel wie Sahara-Staub könnten das Licht des Mondes bei bestimmten Einfallswinkeln brechen und so die Farbe verändern. Im Sommer kann das Phänomen dem Wissenschaftler zufolge häufiger auftreten, weil dann die Atmosphäre trockener ist.

dpa

stol