Dienstag, 01. August 2017

Ein Royal wird Rentner - Prinz Philip und seine Fettnäpfchen

Seine Rolle als Prinzgemahl nimmt er gerne selbst auf die Schippe, noch vor drei Monaten witzelte Philip bei der Einweihung einer neuen Tribüne im Londoner Cricketstadion, er sei der „erfahrenste Gedenktafel-Enthüller der Welt“. Und doch unterschätzt niemand seine Bedeutung als Stütze seiner Frau, Königin Elizabeth II., und ihrer Familie. Mit seinen Repräsentationspflichten ist jetzt aber Schluss: Am Mittwoch nimmt der 96-Jährige seinen letzten offiziellen Termin wahr.

Prinz Philip tritt in den Ruhestand - mit stattlichen 96 Jahren. Damit dürften nicht nur seine öffentlichen Auftritte, sondern auch seine berühmt-berüchtigten Sprüche weniger werden.
Prinz Philip tritt in den Ruhestand - mit stattlichen 96 Jahren. Damit dürften nicht nur seine öffentlichen Auftritte, sondern auch seine berühmt-berüchtigten Sprüche weniger werden. - Foto: © LaPresse

Vor seinem „Pensionsantritt“ wird Prinz Philip eine Militärparade im Buckingham-Palast zum Abschluss einer Spendenaktion der Royal Marines abnehmen. Der Herzog von Edinburgh war selbst einmal Marineoffizier, musste seine Karriere aber an den Nagel hängen, als seine Frau nach dem Tod ihres Vaters George VI. am 6. Februar 1952 Königin wurde. Als Nachfolger seines Schwiegervaters ist Prinz Philip seit Juni 1953 Captain General der Royal Marines.

Bereits im Mai hatte der Buckingham-Palast Prinz Philips Rückzug angekündigt, gleichzeitig aber erklärt, dies schließe eine gelegentliche Teilnahme an öffentlichen Ereignissen nicht aus, wenn der Prinz dies selbst wünsche. Am Montag präzisierte eine Palast-Sprecherin, dass es Termine sein werden, bei denen er seine Frau „von Zeit zu Zeit“ begleiten könnte.

Seit fast 70 Jahren verheiratet, seit 65 Jahren Prinzgemahl 

Prinz Philip wurde am 10. Juni 96 Jahre alt. Er ist seit fast 70 Jahren mit Königin Elizabeth II. verheiratet, seit 65 Jahren steht er ihr als Prinzgemahl zur Seite. Bisher war er laut Buckingham-Palast Schirmherr, Vorsitzender oder Mitglied von mehr als 780 Organisationen. Seit 1952 nahm er 22.219 offizielle Termine ohne seine Frau wahr, unternahm 637 offizielle Auslandsreisen und hielt 5.496 Reden.

Trotz seiner robusten Konstitution hinterließen die zahllosen Verpflichtungen mit den Jahren ihre Spuren. Schon im Jahr 2011 ließ Prinz Philip in einem Interview durchblicken, dass er fortan „ein bisschen Spaß“ haben möchte – machte aber dennoch weiter. Im selben Jahr wurde ihm ein Stent am Herzen gelegt, im Jahr darauf erkrankte er an einer Blasenentzündung.

Als er und seine Frau zu Weihnachten eine schwere Erkältung hatten, war ganz Großbritannien in Sorge. Ebenso, als Prinz Philip kurz nach seinem 96. Geburtstag wegen einer Infektion für zwei Tage ins Krankenhaus musste. Weder konnte er seine Frau zum Pferderennen nach Ascot begleiten, noch zur feierlichen Eröffnung der neuen Sitzungsperiode des Parlaments – normalerweise hält er ihr beim Gang durch den Westminster-Palast bis zum Thron die Hand.

Prinz Philips Pflichten werden künftig die jüngeren Mitglieder der Königsfamilie übernehmen. Schon vorher ließen er und auch seine Frau sich bei Auslandsreisen von Thronfolger Prinz Charles oder den Prinzen William und Harry vertreten.

Eine Auswahl berühmt-berüchtigter Sprüche von Prinz Philip

Nach Jahrzehnten mit dem vollen Kalender eines Prinzgemahls zieht sich der britische Prinz Philip weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. Seine Sprüche aber, mit denen er seine Rolle auskleidete, werden bleiben, wohl dokumentiert unter anderem in einem Buch („Duke of Hazard: The Wit and Wisdom of Prince Philip“). Eine Auswahl seiner berühmt-berüchtigten Äußerungen:

„Sie werden gleich den erfahrensten Gedenktafel-Enthüller der Welt sehen“ – im Mai 2017 bei der Eröffnung einer neuen Tribüne im Londoner Cricketstadion Lord's Cricket Ground

„Kinder gehen zur Schule, weil ihre Eltern sie nicht zu Hause haben wollen“ – im Oktober 2013 zu der pakistanischen Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai, die ein Jahr zuvor von den Taliban fast getötet worden wäre, weil sie sich für das Recht von Mädchen auf Schulbesuche einsetzte. Bei Malala löste der Spruch einen Kicheranfall aus.

„Bewerfen Sie sich immer noch mit Speeren?“ – Frage an einen Aborigine während eines Australien-Besuchs 2002

„Wissen Sie, dass es jetzt auch Hunde gibt, die für Magersüchtige das Essen übernehmen?“ – 2002 zu einer blinden Frau mit einem Blindenhund

„Ach, Sie fahren diesen schrecklichen Wagen? Auf dem Weg zum Windsor Castle sieht man ihn ständig“ – 2001 zum britischen Popstar Elton John

„Also, darin wirst Du nie fliegen, Du bist zu dick“ – 2001 zu einem 13-jährigen Buben, der ihm erzählte, dass er Astronaut werden wolle

„Und Sie haben es also geschafft, nicht gegessen zu werden?“ – 1998 in Papua-Neuguinea zu einem Studenten, der den Inselstaat durchwandert hatte

„Wenn ein Cricket-Spieler plötzlich beschließt, in eine Schule zu gehen und mit einem Cricket-Schläger viele Menschen totzuschlagen, was für ihn ein Leichtes wäre: Würde man dann Cricket-Schläger verbieten?“ – 1996 zur Debatte um ein Schusswaffenverbot nach einem Amoklauf in einer Schule im schottischen Dunblane

„Wie halten sie die Eingeborenen hier lange genug vom Saufen ab, damit sie die Prüfung bestehen?“ – 1995 zu einem schottischen Fahrlehrer

„Ihr Land ist eines der berüchtigtsten Zentren für den Handel mit bedrohten Tierarten.“ – 1991 in Thailand nach der Entgegennahme eines Umweltschutzpreises

„Wenn Ihr hier länger bleibt, bekommt Ihr noch Schlitzaugen“ – 1986 zu einer Gruppe britischer Studenten während eines Staatsbesuchs in China

„Wenn es vier Beine hat und kein Stuhl ist, wenn es zwei Flügel hat und fliegt, aber kein Flugzeug ist, und wenn es schwimmt und kein U-Boot ist, werden es die Kantonesen essen.“ – 1986 während eines Treffens des WWF über die chinesische Küche

„Danke Madam – Sie sind doch eine Frau, oder?“ – 1984 zu einer Ureinwohnerin in Kenia, die ihm ein kleines Geschenk überreicht

„Zuerst forderten alle mehr Freizeit. Nun beklagen sie sich, dass sie arbeitslos sind.“ – Bemerkung zu britischen Arbeitslosen im Rezessionsjahr 1981

„Britische Frauen können nicht kochen“ – mit dieser Bemerkung bricht der in Griechenland geborene Prinz 1966 Millionen von Hausfrauen das Herz

„Ich erkläre das Ding für eröffnet – was immer es auch ist“ – 1969 bei einem Besuch in Kanada

apa/afp

stol