Das Unterfangen von Provinzoberin Sr. Mirjam Volgger und Michaela Egebrecht wird von einer Aura des Geheimnisvollen umweht. „Wir haben uns viel Mühe gegeben, das hinter Klostermauern verborgene Wissen über Heilkräuter und Nutzpflanzen zu sammeln, damit es zum einen nicht verlorengeht und zum anderen den Menschen zugutekommt“, umreißt Sr. Mirjam Volgger bei einem Gespräch in der Marienklinik von Bozen das Konzept von „Primula Vita“. <BR /><BR />Dieses treibt sie zusammen mit der Produktentwicklerin Michaela Egebrecht voran, das ungleiche Duo vermittelt einen eingespielten und überaus motivierten Eindruck. Eine Vielzahl von Gesprächen mit Ordensschwestern, das Durchforsten uralter Rezepturen und Blättern in entsprechenden Büchern waren genauso Teil ihrer Wegstrecke wie die Einbindung einer Apothekerin und die fachliche Prüfung der Heilwirkung der Mittel. <BR /><BR />Somit habe man traditionelle Rezepturen mit neuesten pharmazeutischen Methoden verbunden. „Dabei wurde uns versichert, dass wir einen wahren Schatz in den Händen halten und so haben wir unser Vorhaben immer weiter vorangetrieben“, sagt Sr. Mirjam Volgger.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="983764_image" /></div> <BR /><BR />Dieser hinter Klostermauern gehobene Schatz wurde mit Sorgfalt entstaubt und als Basis für diverse Heil- und Hausmittel genutzt. Die so gewonnenen Erzeugnisse umfassen mittlerweile an die 20 verschiedene Salben, Tinkturen, Tees, Hustensäfte, Kosmetika, Öle und dergleichen mehr – das Spektrum reicht von der begehrten Mühlbacher Klostersalbe über das Lavendelhydrolat aus dem Klostergarten bis hin zu Bitterelixier für den Magen, einem Mückenspray oder Sr. Mirjams Wohlfühltrunk, einer Kräutermischung mit Rosenblüten. „Wir waren letzthin auf einigen Märkten und Messen wie etwa der Biolife in Bozen präsent, da wurden wir zwar immer mit einer Mischung aus Verwunderung und Neugier beäugt, aber tatsächlich sind unsere Produkte sehr gefragt“, zeigt sich Sr. Volgger über den bisherigen Verlauf erfreut. Mit ihren Erzeugnissen sind sie erst seit Oktober des vergangenen Jahres unterwegs, die Vorlaufzeit dauerte natürlich etwas länger.<h3>Der Start: Ein Umschlag aus dem Kloster von Mühlbach </h3>Den Anstoß dazu gaben Fragen aus der Bevölkerung, welche den Ursprung von Salben und Tinkturen aus dem Mühlbacher Kloster zum Inhalt hatten. Ein glücklicher Zufall war es dann, dass ein Umschlag der Provinzoberin im Kloster von Mühlbach in die Hände fiel. Darin enthalten waren allerlei Schriften, Briefe und Rezepturen – eine veritable Wissensschatztruhe. Sie erinnert sich: „Mir kam gleich die Idee, dieses Klosterwissen in die heutige Zeit herüberzuretten, die Ordensschwestern waren dagegen skeptisch, aber letztlich konnte ich sie überzeugen.“ <BR /><BR />Die ersten Versuche von Abmischungen bei Sr. Eva Maria in Kaltern stimmten optimistisch, wobei auch sie auf Geheimhaltung bzw. Urheberschutz pochte. Diesem Wunsch kamen die beiden Frauen von „Primula Vita“ gerne nach. <h3>Die Weggefährtin: Eine professionelle Produktentwicklerin </h3>Von Anfang an mit involviert war ihre Weggefährtin Michaela Egebrecht, die sich um Produktentwicklung, Marketing und allerlei organisatorische Dinge kümmert. „Das pflegerische Fachwissen bringt Schwester Mirjam mit, ich hingegen bin auf die Produktentwicklung spezialisiert“, lässt Michaela Egebrecht wissen. Mehrere Jahre lang war die aus Niederösterreich zugewanderte Spezialistin als Produktentwicklerin in der Medizinsparte für den ehemaligen Innovationspark TIS tätig, ehe sie sich von Schwester Mirjams Tatendrang und Begeisterungsfähigkeit für Neues anstecken ließ.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="983767_image" /></div> <BR /><BR />2015 starteten die tatkräftigen Frauen ihre „Innovationsreise“, 2 Jahre später gründeten sie ihre eigene Firma, seither haben sie bereits mehrere Projekte gemeinsam durchgezogen. So haben sie beispielsweise zusammen das Pflegeinstrument „Nuuzy“ entwickelt, einen vielseitig einsetzbaren Flüssigkeitsspender in der Pflege und im sanitären Bereich.<h3>Die Ordensschwester: Ideenreich und unermüdlich</h3>Die aus Weitental bei Vintl stammende Schwester Mirjam Volgger hat schon des Öfteren mit ihren unkonventionellen Ideen aufhorchen lassen und schreckte noch nie vor neuen Aufgaben oder Rollen zurück: 1986 trat sie in den Orden der Tertiarschwestern ein, 1993 schloss sie die Ausbildung zur Diplomkrankenschwester ab, bis 2012 arbeitete sie im Pflegebereich, für einige Jahre war sie Klinikoberin der Marienklinik, Ende Oktober 2019 wurde sie von ihren Mitschwestern zur Provinzoberin gewählt, außerdem wurde die 61-Jährige von Bischof Ivo Muser im Februar 2019 zur Ordensbeauftragten der Diözese für Orden und Kongregationen auserkoren. Zusätzlich zum Glauben wird sie wohl durch ihre vielen Ausflüge beflügelt: Die Ordensfrau ist sowohl mit den Wanderschuhen als auch per Mountainbike oft und gerne in den Bergen unterwegs, dabei gilt ihr Blick immer den Wundern der Natur.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="983770_image" /></div> <BR /><BR />Und so kommt das Interesse für Heilkräuter und Nutzpflanzen auch nicht von ungefähr, aus Erfahrung kann sie mit einem unkonventionellen Tipp bei beschwerlichen Wanderungen aufwarten: „Bei brennenden Fußsohlen schnappe ich mir ein großes Blatt Breitwegerich und verwende es sozusagen als Fußbett im Wanderschuh – die Wirkung ist einfach fantastisch.“ <BR /><BR />Somit kommt für die Salben, Tinkturen und Naturkosmetik eine Vielzahl von bekannten Pflanzen zur Anwendung: Schafgarbe, Ringelblume, Spitzwegerich, Giersch, Rosmarin, Zitronenmelisse, Himbeerblätter, Wildkräuter und vieles mehr. Für die Verarbeitung konnten die beiden beherzten Frauen eine dritte dazugewinnen: die in Tscherms ansässige Apothekerin Martina Garber. Sie ist ausgebildete Pharmazeutin und verfügt neben dem Fachwissen auch über das notwendige Instrumentarium für die Verarbeitung der Naturprodukte. Einen Namen hat sich Martina Garber bereits als Entwicklerin einer Apfelkosmetikserie gemacht. <h3>Die Klostergärten: Eine Oase in hektischen Zeiten</h3>Wir haben nun einen ersten Schritt vollzogen, es sollen noch weitere folgen, auch um die wohltuende und spirituelle Atmosphäre des Klosterlebens den Menschen näher zu bringen“, spannt Sr. Mirjam Volgger einen größeren Bogen. So sei es denkbar, bei Möglichkeit einige Klostergärten zugänglich zu machen, beispielsweise dort Lesungen zu veranstalten. Nachdem über viele Jahrhunderte Klöster nicht nur Orte des Glaubens und des Gebets waren, sondern sehr wohl Stätten der Bildung und des Wissens, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch in den Klostergärten ein immenser Erfahrungsschatz über die Wirkung und Verarbeitung von Heilpflanzen und Kräutern ansammelte. <BR /><BR />Viele Nonnen und Mönche pflegten und hegten ihre Gärten mit großer Gewissenhaftigkeit, sodass neben der Pflanzenvielfalt auch die Schönheit angepriesen wurde. Dabei hatte auch die christliche Symbolik eine wichtige Rolle inne, das reine Weiß der Madonnen-Lilie stand beispielsweise für die Unbeflecktheit der Jungfrau Maria. Zu einer Berühmtheit hat es mit ihrem Wissen über Pflanzenheilkunde die Äbtissin und Mystikerin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) gebracht, ihre Erkenntnisse haben bis in die heutige Zeit überdauert. <h3>Der Nebeneffekt: Brücken bilden</h3>„Ein bisschen dient unser Projekt auch als Türöffner für die Ordensschwestern, im Sinne, dass durch die Heil- und Hausmittel der Austausch mit der Welt außerhalb der Klostermauern auf ganz natürliche Art und Weise erfolgen kann“, meint Sr. Mirjam. Somit dürfte es sich bei „Primula Vita“ um eine Win-Win-Situation handeln: Das gesammelte Wissen von Ordensschwestern und -brüdern kommt einer größeren weltlichen Öffentlichkeit zugute, zugleich wird man auf die Besonderheiten und die Bedeutung von Klöstern mit ihrer ganz und gar speziellen Spiritualität aufmerksam. Und wenn dabei das eine oder andere Geheimnis gewahrt bleibt, umso besser. <BR />