Sonntag, 06. Dezember 2020

Ein völlig anderer Nikolaustag in Bruneck

Seit mehr als 60 Jahren gibt es in Bruneck einen Nikolausverein. Es ist eine eingeschworene Gruppe, die am echten Nikolausbesuch im Kreise der Familie festhält. Heuer ist alles anders – aber ganz vergessen wird der Nikolaus die Kinder deshalb nicht.

Für den Nikolaustag drehten (von links) Matthias und Manfred Preindl sowie Julian Weger ein kurzes Video, damit auch in Corona-Zeiten ein bisschen echte Nikolausstimmung in die Familien kommen kann.
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Für den Nikolaustag drehten (von links) Matthias und Manfred Preindl sowie Julian Weger ein kurzes Video, damit auch in Corona-Zeiten ein bisschen echte Nikolausstimmung in die Familien kommen kann. - Foto: © mt
3 Tage vor dem 6. Dezember und am Nikolaustag selbst sind die 2 Gruppen des Brunecker Nikolausvereins normalerweise täglich gut 4 Stunden lang unterwegs, um Familien, die Kinderstation im Krankenhaus und auch das Altersheim zu besuchen.

Othmar Preindl ist vor 50 Jahren erstmals in das Kostüm des Knecht Ruprecht geschlüpft. Nicht nur als Figur ist er der treue Helfer des Heiligen Nikolaus, auch im Verein war und ist der 80-Jährige – inzwischen mit Sohn Manfred, – für die Organisation zuständig.

Manfred verkörpert seit 27 Jahren eine der beiden Nikolausfiguren des Vereins, sein Sohn Matthias ist inzwischen seit 9 Jahren Krampus und springt auch als Nikolaus ein, wenn Not am Mann ist. Dazu kommen 2 bis 3 „Ersatz-Krampusse“ oder -Knechte.

Die Anspannung bei den Kindern vor dem Nikolausbesuch hat heute im Vergleich zu früher sicher etwas nachgelassen. Die besondere Stimmung, wenn der Nikolaus daheim im kleinen Kreis in die Stube kommt, vermag kein Kaufhausnikolaus und kein Touristik-Weihnachtsmann zu übertreffen. Das Festhalten an dieser besonderen, würdigen Stimmung ist Nikolaus Manfred Preindl sehr wichtig.

Die ersten Telefonate und organisatorischen Schritte der Gruppe beginnen im August. „Im Oktober wird es dann konkreter und bis wenige Tage vor Beginn der Hausbesuche lassen die Anfragen nicht mehr nach“, sagt Manfred Preindl.

Genau in diese organisatorische Zeit fiel heuer die Aussage, wonach ein Nikolausbesuch aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen nicht möglich sein werde.

„Wir haben uns danach gerichtet und die Besuche abgesagt. Nun, wenige Tage vor dem Nikolausfest, wären Besuche wieder möglich, aber nur bis vor die Haustüre“, sagt Preindl. Es habe Anrufe von Familien gegeben, die über einen großen Garten verfügen, in dem der Nikolausbesuch möglich wäre.

„Aber wie soll das im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses funktionieren?“, wirft Preindl ein. Den einen zusagen und den anderen absagen komme für die Gruppe nicht in Frage.

Weil der Nikolaus seine Kinder aber trotz der besonderen Situation nicht im Stich lassen will, hat die Familie Preindl beschlossen, einen online-Besuch zu organisieren.

Matthias (Krampus) und Manfred (Nikolaus) Preindl haben zusammen mit Knecht Ruprecht Julian Weger bei der Rainkirche ein kurzes Video gedreht. Dieses schicken sie zum Nikolaustag allen Familien, die sie bisher besucht oder die um einen Besuch angefragt haben, als Gruß des Heiligen Nikolaus. Othmar Preindl musste zu seinem großen Bedauern absagen, weil er kurzfristig erkrankt war.

Das Video ist auch auf YouTube zu sehen.

„Es ist ein kleines Zeichen, in der Hoffnung, dass wir wieder echte Familienbesuche durchführen können“, sagt Preindl.

Finanziellen Lohn für ihren mehrtägigen Einsatz bekommen die Mitglieder der beiden Gruppen nicht. Die Spenden, die sie bei ihren Besuchen bekommen, werden traditionell für die Brunecker Pfarrkirche, den Waldfriedhof, die Peter-Pan-Kinderkrebshilfe oder andere soziale Projekte eingesetzt; auch heuer wird dies so geschehen.

mt

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