<BR />Über 400 verschiedene Sorten von Gemüse, Kartoffeln und Getreide baut Sabine Schrott Prenn auf dem Felderhof in Uttenheim an. Viele dieser Kulturarten sind alt und selten und drohen, in Vergessenheit zu geraten. „Aber nur Sorten, die gegessen und genutzt werden, werden auch in Zukunft Bestand haben“, sagt die Bäuerin, die eigentlich aus Barbian stammt, aber seit vielen Jahren mit ihrem Mann Franz und Sohn Julian auf dem Felderhof am Südhang oberhalb von Uttenheim lebt. <BR /><BR />Das „Gartlen“ war bei ihr zu Hause immer schon ein Thema, und es hat sie von klein auf fasziniert. So hat Sabine Schrott Gartenbau studiert. Von 2004 bis 2008 arbeitete sie an der Fachschule für Obst-, Wein und Gartenbau Laimburg. Dort ist sie bei einem Kurs zu alten Obstsorten in Kontakt mit einem kleinen Kreis engagierter Saatgutvermehrerinnen gekommen, und sie hat sich rettungslos mit der Thematik „infiziert“. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1083858_image" /></div> Seither gehört sie zweifelsohne zu den engagiertesten Hüterinnen der Vielfalt in Südtirol. Ihre nicht enden wollende Motivation bei der Bewahrung der Kulturpflanzenvielfalt macht die 45-Jährige zu einer Pionierin. Deshalb hat sie die Südtiroler Bäuerinnenorganisation für den „Preis für die Kreativität der Landfrauen“ der „Women’s World Summit Foundation“ (Frauen-Weltgipfel-Stiftung) vorgeschlagen. Als einzige Frau in Europa und als eine von nur 6 Frauen, die weltweit heuer damit ausgezeichnet wurden, wurde Schrott Prenn der Preis zuerkannt. Beim Uttenheimer Kirchtag am Sonntag wurden ihr die Urkunde und das Preisgeld von 1000 Euro überreicht. <BR /><BR />Die Bäuerin möchte kein museales Konservieren der Sorten, sondern ein Reaktivieren: Sie sollen wieder Teil des kulinarischen Alltags werden. Ihr geht es nicht um ein Bewahren um des Bewahrens willen. Sie möchte die alten Sorten wieder nutzen, und nicht ausschließlich als Liebhaberei kultivieren. Nur dadurch haben sie Zukunft. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66944017_quote" /><BR /><BR />Und so wachsen bei ihr am Hof Kartoffeln, die Namen tragen wie Anuschka und Laura, Linzer Delikatess und Cyclame, Arrean Victory und Blaue Schweden oder Getreide wie ein reiner Dinkel ohne Weizeneinkreuzung namens Ebners Rotkorn, oder Purpurweizen. Wenn sie darüber spricht, dann tut sie es mit voller Leidenschaft – und ihre Begeisterung steckt an. Das erleben alle, die bei ihr am Brunecker Bauernmarkt vorbeischauen oder auf den Saatgutfesten, die sie mit Unterstützung anderer Saatgutfrauen 2015 initiiert hat.<BR /><BR />Und sie ist eine Kämpferin. Seit Jahren setzt sie sich ein für eine sinnvolle Gesetzgebung. Es herrsche zu viel Unklarheit über das, was eigentlich möglich und erlaubt sei, und wo die Grenzen des Machbaren liegen. Ein Saatgutgesetz sei notwendig, das die Tätigkeit der lokalen Erhalterinnen und Erhalter nicht einengt. Schrott Prenn fordert mit Vehemenz, dass die Politik die Erhaltung und Weitergabe von lokalem Saatgut endlich fördere. Und sie möchte eine Datenbank aufbauen, die den Zugang zu lokalem Saatgut ermöglichen solle. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1083861_image" /></div> „Es braucht Menschen, die sich um Saatgut und um Kulturpflanzen kümmern und diese auch anbauen, pflegen, hegen, auslesen und vermehren“, sagt Landesbäuerin Antonia Egger. „Wenn sie immer weniger werden, hat das dramatische Auswirkungen auf die Vielfalt der Kulturpflanzen.“ Je mehr Menschen Saatgut vor Ort vermehren, desto vielfältiger seien die Kulturpflanzen. Deswegen seien Menschen wie Sabine Schrott, die das Handwerk der Saatgutvermehrung noch ausüben, sehr wertvoll. „Wir freuen uns, dass sie dafür den Preis für die Kreativität der Landfrauen erhält,“ sagt Landesbäuerin Egger.