<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Lernt man Marlene Straudi persönlich kennen, fällt sofort auf: Diese Frau hat Power! Ihre Stimme? Die ist unüberhörbar: kräftig, tief und rauchig. Und ihr Lachen? Springt direkt über. <BR /><BR />Die 26-Jährige wuchs in der kleinen Ortschaft Söll bei Tramin auf und beschreibt sich selbst als „waschechte Traminerin mit italienischem Temperament“ – kurz gesagt: feurig. <BR /><BR />„Feurig“ ist Marlene Straudi auch beim Kommunizieren. Eine Stärke, die ihr jüngst eine Tür öffnete, von der sie nie zu träumen gewagt hätte: Vom 6. bis zum 22. Februar durfte sie nämlich im Rahmen der Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina 2026 in der „Milano Santa Giulia Ice Hockey Arena“ als Stadionsprecherin die dort ausgetragenen Eishockeyspiele moderieren <I>(Anm. d. Red.: Die Eishockeyspiele fanden in zwei Arenen statt – in der „Milano Rho Ice Hockey Arena“ und in der „Milano Santa Giulia Ice Hockey Arena“)</I>. <BR /><BR />Wie die Studentin der Bildungswissenschaften es geschafft hat, bei den Olympischen Winterspielen – einem der größten Sportereignisse des Jahres – eine so essenzielle Rolle einzunehmen? „Das ist eine ganz kuriose Geschichte“, erzählt sie lachend.<h3> „Eine Stimme, die wir gebrauchen können“</h3>Alles begann im August 2024 – und zwar in Neumarkt. Marlene Straudi jobbte damals während des „Dolomiten Cups“ <I>(Anm.: ein internationales Eishockey-Vorbereitungsturnier, das jedes Jahr an einem Wochenende im August in Neumarkt stattfindet)</I> in einer Bar im Dorfkern. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291611_image" /></div> <BR />Ausgerechnet dort schaute auch Georges Lüchinger, der als Stadionsprecher für den „Dolomiten Cup“ engagiert war, auf einen Drink vorbei. Als der überaus bekannte „Speaker“ und Moderator aus Liechtenstein die Kellnerin am Nebentisch mit Gästen sprechen hörte, spitzte er unwillkürlich die Ohren. <BR /><BR />„Das ist eine Stimme, die wir gebrauchen können“, sagte er zu seinen Begleitern, sichtlich beeindruckt vom besonderen Klang und dem großen Wiedererkennungswert.<h3> Ein Volltreffer, der den Stein ins Rollen brachte</h3>Georges Lüchinger nutzte die Gelegenheit, sprach Marlene Straudi an und fragte sie, ob sie sich zufällig mit Eishockey auskenne. „Klar“, antwortete die taffe Traminerin wie aus der Pistole geschossen. Schließlich spielte ihr kleiner Bruder jahrelang Eishockey. Im Eisstadion in Kaltern stand sie zudem schon mehrere Male am Mikrofon – als Vertretung für ihre Mutter, die dort ebenfalls hin und wieder hobbymäßig Spiele moderiert. <BR /><BR />„Als Georges mir dann auch noch voller Begeisterung erklärte, wie toll er meine Stimme findet, war ich baff“, zeigt sich Straudi noch heute überwältigt von der glücklichen Zufallsbegegnung in der Bar. „Wenn das Glück an die Tür klopft, dann öffne sie – auch wenn es die Tür einer Bar ist“, hat sie gelernt.<BR /><BR />Lüchinger setzte nämlich alles daran, der Traminerin eine einmalige Chance zu ermöglichen: Er wollte sie als Stadionsprecherin für die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina 2026 engagieren. Zuvor aber testete er noch ihr Können im Eisstadion in Neumarkt; und nach einer – wie erwartet – überaus positiven Bewertung setzte er alles daran, sie nach Mailand zu bringen. <h3> Mikro an: „Buongiorno, signore e signori“</h3>Es folgten mehrere Vorbereitungskurse und ein hochkarätiger, internationaler Wettbewerb für Nachwuchs-Stadionsprecher im Eishockey. Unter den wachsamen Augen von Georges Lüchinger, der seit über 20 Jahren im Auftrag des Internationalen Eishockeyverbands IIHF Stadionsprecher für Weltmeisterschaften castet und ausbildet, setzte sich Marlene Straudi als eine von drei Teilnehmerinnen gegen 19 Konkurrentinnen durch. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291614_image" /></div> <BR />Am 5. Februar 2026 war es dann endlich so weit. Die Traminerin moderierte im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand ihr allererstes Eishockeyspiel. Es war das Frauen-Match zwischen Italien und Frankreich – ein Auftakt nach Maß, denn Italien siegte mit 4:1. „Ich war im Vorfeld schon so unfassbar nervös, dass ich beim Spiel selbst überraschend entspannt war“, berichtet die aufstrebende Stadionsprecherin von ihrem „ersten Mal“. An der Seite des erfahrenen Sprechers Lüchinger, der das Spiel in englischer Sprache begleitete, übernahm die perfekt zweisprachige Marlene souverän die italienischen Ansagen. An die ersten Worte, die sie ins Mikro sprach, kann sie sich noch gut erinnern. Sie lauteten: „Buongiorno, signore e signori!“<BR /><BR />Doch kommt alles, was sie als Stadionsprecherin sagt, spontan? „Nein“, verrät sie: „Ich arbeite mit einem Skript, in dem jede Sekunde meines Sprecheinsatzes vermerkt ist. So weiß ich genau, wann ich dran bin, und überschneide mich nicht mit meinem englischen Co-Sprecher.“<h3> „You have one of the best voices I've ever heard!“</h3>Im Verlauf der Winterspiele moderierte die 26-Jährige zahlreiche Frauen- und Männer-Eishockeyspiele – darunter auch zwei an der Seite von niemand Geringerem als Alan Roach, einer Legende unter den Stadionsprechern und offizieller Ansager des Super Bowls <I>(Anm.: Finale der American-Football-Profiliga)</I>. „Es war einfach unglaublich, gemeinsam mit Alan Roach die Arena zum Beben zu bringen“, schwärmt Marlene Straudi noch heute. Und als wäre das nicht genug, setzte Alan Roach noch eins drauf – mit einem Kompliment, das der 26-Jährigen wohl für immer im Gedächtnis bleiben wird. „Er sagte: ‚You have one of the best voices I've ever heard!‘“, berichtet Marlene Straudi strahlend.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1291617_image" /></div> <BR />Das größte Highlight aber war ihre Nominierung als Stadionsprecherin für das prestigeträchtige Männer-Finalspiel zwischen den USA und Kanada am 22. Februar 2026. Eine Art Ritterschlag für ihre herausragenden Leistungen während des Turniers.<BR /><BR />Untergebracht war die Nachwuchs-„Speakerin“ aus Söll übrigens die ganze Zeit über auf einem Studentencampus der Universität Mailand in unmittelbarer Stadionnähe. Angestellt war sie von der „AWE“, einem Unternehmen, das alle Mitarbeiter für das Stadion-Entertainment bei Eishockey, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf stellt. „Die Bezahlung war auch nicht schlecht“, verrät Straudi noch. Doch damit nicht genug: Derzeit ist die motivierte Traminerin wieder in Mailand zugegen, und zwar bei den Paralympischen Winterspielen (6. bis 15. März). Dort moderiert sie in der „Milano Santa Giulia Ice Hockey Arena“ die Para-Eishockeyspiele der Männer und Frauen. <BR /><BR />Und wer weiß, vielleicht ruft ja schon bald die „Speaker“-Legende und Stimme des Super Bowls, Alan Roach, bei der 26-Jährigen an. Immerhin hat er nach ihrer Nummer gefragt.