Samstag, 01. August 2015

"Einfach mal loslassen": Ungewöhnliche WM in Deutschland

Unter dem Banner von „grenzenloser Wurffreiheit“ treten am Samstag in Bottrop-Kirchhellen in Deutschland 60 Athleten aus zahlreichen Ländern bei der vierten offiziellen Weltmeisterschaft im Handtaschen-Weitwurf (HTWWWM) gegeneinander an.

Foto: © APA/EPA

Österreich ist nach einem Triumph im Vorjahr Titelverteidiger. „Wir können es erneut schaffen“, gab sich Teamleader Andy Roland gegenüber der APA optimistisch.

Im vergangenen Jahr setzte des Team Österreich mit dem Rekord von 92,81 Metern an Gesamtweite neue Maßstäbe. Da machte es auch nichts, dass die Teilnehmer gar nicht ausschließlich aus Österreich kamen. „Man kann auch für ein Land antreten, dem man sich nahe fühlte“, sagte der deutsche Staatsbürger Roland. So gibt es etwa auch ein Team Vatikan-Stadt und Kuba.

So funktioniert es

Die Regeln sind im Prinzip einfach: Die Teilnehmer müssen versuchen, eine Handtasche möglichst weit zu werfen. Als Technik sind Kurbeln, Stoßen oder Freestyle erlaubt, der Diskuswurf wurde heuer als regelwidrig befunden. Profis setzen aber sowieso beinahe ausschließlich aufs Kurbeln.

Dabei wird der Arm mit der Tasche immer schneller gekreist und diese im besten Moment losgelassen. „Einfach werfen bringt nichts“, erklärte Roland. Neben der Weite fließen auch Haltungsnoten der Jury in die Gesamtwertung ein.

Wie es zu der ungewöhnlichen WM kam

Die Geburtsstunde der HTWWWM hatte einen dunklen Hintergrund. Der spätere Organisator Andre Puchta beobachtete in einem Kölner Cafe, wie ein Dieb vergeblich versuchte, einer älteren Dame die Handtasche zu entreißen. Die Frau nahm zwar den Verlust von ihrer Geldbörse und mehreren Wertgegenständen in Kauf, ihre Tasche verteidigte sie aber ebenso verbissen wie erfolgreich.

Und so kam er damals auf die Idee, eine Weltmeisterschaft im Handtaschen-Weitwurf auszutragen. Die Botschaft: „Einfach einmal loslassen“.

Als HTWWWM flogen die ersten Taschen im August 2012 durch die Luft. Aus dem humorvollen Freizeit-Event ist für die Veranstalter ein respektabler Sport geworden. „Mittlerweile nehmen wir das ernst“, sagte Puchta. „Wir haben heuer richtig trainiert, das letzte Training fand gestern im Regen statt“, unterstrich auch Roland.

apa/dpa

stol