Die turbulente Trennung von seiner zweiten Ehefrau Veronica Lario, seine Versessenheit auf blutjunge Schönheiten und seine protzigen Macho-Allüren haben jahrelang als Skandalgeschichten die Schlagzeilen beherrscht und endlose Diskussionen in der italienischen Öffentlichkeit ausgelöst.Doch diese Ära ist jetzt vorbei. Mit dem Amtsantritt des Eurokraten Mario Monti darf Italien Sexaffären, Escortladys und Showgirls vergessen. Der neue Premier, der Italien vor dem Staatskollaps retten soll, ist seit 40 Jahren verheiratet und führt laut seinen engsten Mitarbeitern eine Musterehe.Berlusconis Ehefrau Lario hatte sich auch vor der Scheidung sehr selten an der Seite ihres prominenten Mannes gezeigt.Nach der spektakulären Trennung von der Ex-Schauspielerin war Berlusconi in der Öffentlichkeit nur noch mit attraktiven Ministerinnen, gelifteten Parlamentarierinnen und ambitionierten Showgirls aufgetreten.Elsa Monti: Eine First Lady ohne Allüren Mit Monti bekommt Italien endlich wieder eine offizielle Premiersgattin. Elsa Antonioli, seit vier Jahrzehnten an der Seite von Italiens neuem Ministerpräsidenten, rückt zur neuen First Lady ohne Allüren auf.Als elegant, bescheiden und diskret gilt die blonde 67-Jährige mit dem kurzen Haarschnitt, die mit dem Premier zwei erwachsene Kinder hat und dreifache Großmutter ist.„Ehrenamtliche Arbeit ist ein Vollzeitjob“ Die gebürtige Mailänderin mit klassischer Brille, die in Politik-Wissenschaften promoviert hat, steht seit zehn Jahren in ihrer Heimatstadt an der Spitze des Roten Kreuzes und wirkt aktiv bei mehreren Wohltätigkeitsprojekten zugunsten Kranker und Armer mit.Unter ihrer Führung wurden in den letzten Jahren in Mailand ein Seniorenheim und eine Zahnarztpraxis eingerichtet, die Mittellosen kostenlose Behandlungen garantieren. „Ehrenamtliche Arbeit ist ein Vollzeitjob“, pflegt sie zu sagen.Die bekennende Katholikin, die jeden Sonntag mit ihrem Mann die Messe besucht, führt kein mondänes Leben. Lediglich bei Premieren an der Scala tritt sie mit einem zeitlosen Perlencollier und eleganten Kostümen ihrer Lieblingsdesignerin, der Mailänder Nobelschneiderin Raffaella Curiel, auf.Ihre Bescheidenheit, die in krassem Widerspruch zu Berlusconis schillernder Damenwelt steht, hat sofort die Aufmerksamkeit der italienischen Medien geweckt. „Alle liegen Frau Monti zu Füßen. Klassisch und elegant: Sofort heilig!“, witzelte die Tageszeitung „Libero“.Hinter einem großen Mann steckt eine große Frau. Und Elsa Antonioli steckt bestimmt als Beraterin hinter der brillanten Karriere ihres Ehegatten.Als Monti 1995 zum EU-Kommissar gehievt wurde, zog sie mit ihm nach Brüssel, wo das Paar neun Jahre lang lebte. Bei Montis Regierungserklärung im Senat vergangene Woche saßen Elsa und ihre Kinder in den Zuschauertribünen und applaudierten der ersten Ansprache des neuen Premiers.Jetzt beginnt für Signora Elsa ein neues Leben. Als First Lady zieht sie in die prunkvolle Wohnung im Regierungssitz Palazzo Chigi ein, in dem seit 1961 Italiens Ministerpräsidenten hausen.In der 300 Quadratmeter großen Wohnung im dritten Stock des Regierungspalais wird sich Elsa Antonioli erst zurechtfinden müssen. Das Appartement ließ Berlusconi in den letzten Jahren vom Stararchitekten Giorgio Pes renovieren.Ob die neue First Lady mit der Einrichtung zufrieden ist, steht noch offen. Lang wird sie ohnehin nicht in den Sälen des Palazzo Chigi weilen. Die Übergangsregierung ihres Mannes, die zur Sanierung der italienischen Finanzen eingesetzt wurde, wird maximal bis Ende der Legislaturperiode 2013 im Amt bleiben.