Ob Kirchenreinigung, Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern oder Wetterläuten: Verlässlich hat sich Julius Felderer um die vielen Aufgaben als Mesner in der Pfarre Kaltern gekümmert. Für s+ zieht er Bilanz und erläutert, warum er in der nächsten Zeit keine Uhr tragen wird.<BR /><BR /><BR /><BR />Es ist eine Mesner-Dynastie, die nach insgesamt 74 Jahren endet. Julius Felderer hat alle Daten im Kopf: Am 1. Dezember 1921 zog sein Großvater Johann Christanell ins Mesnerhaus ein und übernahm den Dienst in der Kalterer Pfarrkirche. <BR /><BR />30 Jahre später – am 1. Dezember 1951 – löste ihn sein Schwiegersohn Richard Felderer ab. 2 Tage zuvor hatte dieser Christanells Tochter Antonia geheiratet und bekam gleich den Mesnerdienst dazu. Christanell zog aus dem Mesnerhaus aus, das junge Paar zog ein. 1952 kam Julius zur Welt, 1956 Hubert und 1959 Markus. <BR /><BR />„Wir wuchsen mit dem Mesnerdienst auf und halfen schon von klein auf überall mit – während der Vater den Altar schmückte und die Mutter die Kirche putzte“, erzählt Julius Felderer. So schwingt Wehmut mit, wenn er demnächst als Mesner „seine“ Kirche verlässt. <BR /><BR /><b>Erst später in Vaters Fußstapfen getreten</b><BR /><BR />Aber er folgte nicht direkt auf seinen Vater. 1977 hatte er geheiratet. 1983, als Reinhard Felderer den Kirchendienst nach 32 Jahren abgab, war sein Sohn noch nicht bereit zu übernehmen. Die Kinder waren klein und er – als Laimburg-Absolvent – in der Landwirtschaft tätig. So kam eine neue Mesnerfamilie, Paula und Konrad Thaler. „Wir haben sie unterstützt, vor allem an Feiertagen, wenn viel vorzubereiten war“, sagt Julius Felderer. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="708518_image" /></div> <BR /> 26 Jahre lang erfüllte die Familie Thaler den Dienst in der Kirche. Dann war Julius Felderer soweit. Als Sohn Martin ab 2009 in Überetscher Einkaufsgemeinschaft für die Landwirtschaft nur noch halbtägig arbeitete, war er mehr auf dem Hof, und Vater Julius konnte das tun, was er schon immer liebte: das Mesnern. <BR /><BR />Am 1. Dezember 2009 trat er den Dienst an. Jeder Tag beginnt gleich: mit dem Aufsperren der Kirche um 6.45 Uhr. Wenn ein Gottesdienst gefeiert wird, ist vieles herzurichten: Messkelch, Hostienschale, Messgewand und Wein und Wasser. Der Mesner muss auch läuten – pünktlich. „Sonntags wird eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst zeichengeläutet, eine Viertelstunde vorher zusammengeläutet“, sagt Felderer.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="708521_image" /></div> <BR /> Das Läuten übernimmt Sohn Martin. Der Vater zündet unterdessen die Kerzen am Altar an und hilft dem Priester beim Ankleiden. Aufgabe des Mesners ist auch die Opfersammlung. Tochter Barbara ist Pfarrsekretärin. So sind – wie damals – auch jetzt die Kinder in die Arbeit in Pfarre und Kirche eingebunden. <BR /><BR /><b>Von Kirchenreinigung bis Wetterläuten</b><BR /><BR />Nach jedem Gottesdienst werden – seit Covid – die Kirchenbänke desinfiziert, einmal in der Woche muss die Kirche gereinigt werden, jeden Samstag ist der Altar neu zu schmücken. Vor großen Feiertagen wie Ostern oder dem 40-stündigen Gebet wird der Hochaltar besonders festlich geschmückt. <BR /><BR />Dienst hat Felderer auch bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, von denen es in Kaltern 60 bis 65 im Jahr gibt. Nicht zu vergessen ist das Wetterläuten, wenn sich über dem Penegal die Wolken ballen und Hagel droht. Worauf zu achten ist, hat ihm sein Vater gelehrt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="708524_image" /></div> <BR />Das alles lässt er bald hinter sich. „Es ist mir zu anstrengend; ich werde im kommenden Jahr 70“, sagt Felderer. Die Arbeit des Mesners verlange große Konzentration, er dürfe nichts falsch machen und müsse den ganzen Tag auf die Uhr schauen. „Wenn ich in Pension bin, werde ich eine Zeit lang keine Uhr tragen“, weiß Felderer jetzt schon.