Seit Jahren versuchen Wissenschafter, den beinahe ausgestorbenen Tieren dieses verlernte Verhalten neu beizubringen. Erfolge gab es bereits, aber nun hat der erste Waldrapp die Abschlussprüfung bestanden. Projektleiter Johannes Fritz geht davon aus, dass 2012 weitere Artgenossen dem Vorbild der Musterschülerin folgen werden.Ende der 1990er Jahre begannen Forscher, die seit Jahrhunderten fast ausgestorbenen Waldrappe im Almtal in Oberösterreich wieder anzusiedeln. Ziel war, ihnen alte Zugvogelrouten neu beizubringen. 2004 brachen die ersten Tiere zu ihrer großen Reise auf. Sie folgten ihren menschlichen „Zieheltern“, die in einem Leichtflugzeug saßen, nach Italien. Einige Jahre später starteten die Wissenschafter ein zweites Projekt in Burghausen in Bayern.Die sieben Vögel aus dem Almtal haben mittlerweile große Fortschritte gemacht. Allerdings scheiterten sie an der Überquerung des Alpenhauptkammes. Das erste Brutpaar kam 2007 bis Leoben in der Steiermark und wurde dann per Taxi nach Oberösterreich kutschiert. Mittlerweile haben die Waldrappe ein neues Brutgebiet in Friaul gefunden – ein Kompromiss, denn sie vollziehen nun wieder ihre jahreszeitlichen Wanderungen, sparen sich aber den hochalpinen Teil der Reise.Nun hat Goja – sie gehört zur etwa 25-köpfigen bayerischen Vogel-Gruppe – selbstständig den Weg nach Burghausen gefunden. Zur Überraschung der Betreuer tauchte sie vergangenen Donnerstag völlig unerwartet dort auf. Um in Bayern zu brüten, wäre die Waldrapp-Dame zu spät dran, dazu hätte sie bereits im April kommen müssen. Aber Goja ist ohnehin noch nicht geschlechtsreif. Johannes Fritz geht allerdings davon aus, dass sie im nächsten Jahr erneut die Alpen überqueren und vielleicht ein paar Artgenossen mitbringen wird, die dann auch brüten.apa