Montag, 02. November 2015

"Fallschirmspringen ist weniger gefährlich als eine Geburt"

Ein Bond-Girl in besonderer Mission, eine Musikerin mit speziellem Song und eine Aktion, die Leben retten kann. Was es damit auf sich hat, erklärt Liedermacherin Barbara Zanetti in STOL-Gespräch.

Musikerin Barbara Zanetti und die Trommelgruppe Agidigbo.
Musikerin Barbara Zanetti und die Trommelgruppe Agidigbo.

Südtirol Online: Was haben Barbara Zanetti, Bond-Girl Caterina Murino und Fallschirmspringerin Magdalena Schwertl gemeinsam?

Barbara Zanetti, Musikerin und Liedermacherin: Uns verbindet die Aktion "Stand up for African Mothers", die 2012 gestartet wurde und 2015 für den Friedensnobelpreis nominiert war. Ziel ist die Ausbildung von Hebammen in Ostafrika. Denn es ist so, dass dort immer noch viele Frauen bei der Geburt sterben. Dabei könnte eine Hebamme rund 500 Frauen beistehen und ihnen helfen. 

STOL: Die Aktion läuft durch Unterstützung von AMREF Health Africa. Deren Anliegen ist es, einen flächendeckenden Basisgesundheitsdienst in Ostafrika mit einheimischen Fachkräften zu ermöglichen. Warum ist das so wichtig?

Zanetti: Wie gesagt: Es kann doch nicht sein, dass im 21. Jahrhundert Menschen, die Leben schenken, mit ihrem Leben bezahlen. Was mir bei AMREF besonders gefällt ist, dass es um die Hilfe zur Selbsthilfe geht. Wenn die Einheimischen vor Ort ausgebildet werden, dann braucht es nicht den Arzt aus Deutschland. Dies wiederum ermöglicht den Menschen Zukunftsperspektiven - und sie müssen ihr Land nicht verlassen. 

STOL: Auch Bond-Girl und AMREF-Botschafterin Caterina Murino setzt sich für die Aktion ein: Wie wichtig sind prominente Unterstützer und auffallende Aktionen, um die Menschen aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren? 

Zanetti: Bond-Girl Murino ist ein Gesicht, das man auf der ganzen Welt kennt. Extrem wichtig ist dabei, dass das prominente Gesicht auch voll hinter der Aktion steht. Murio ist bereits seit neun Jahren Botschafterin. Auch ich bin erst durch Prominente, wie Wolfgang Ambros und Schauspieler Harald Krassnitzer, auf AMREF Austria aufmerksam geworden. Es sind Themen, die man anders vielleicht nicht wahrnimmt. 

STOL: Für die Sichtbarkeit von "Stand up for African Mothers" wurde im Frühjahr auch ein internationaler TV-Spot gedreht. Deren Inhalt?   

Zanetti: Ganz grob gesagt, kommt Magdalena Schwertl, die Weltmeisterin im Fallschirmspringen, vor. Sie springt aus einem Flugzeug und landet heil. Die Botschaft ist, dass Fallschirmspringen heutzutage weniger gefährlich ist, wie eine Geburt für ostafrikanische Frauen.

STOL: Und Ihr Beitrag bei der ganzen Sache - auch in Anbetracht eines Flashmobs und Video-Clips (siehe Video)?

Zanetti: Man hat mich gebeten, einen Song zu schreiben. Aus dem Versuch Menschen zu verbinden, im Innersten zu berühren und Dinge zu bewegen ist dieses kleine Lied entstanden. Die Videos sind in Zusammenarbeit mit der Filmakademie WIFI Salzburg entstanden. Deren Tanzgruppe hat sich bereit erklärt, einen Flashmob zu veranstalten. Dabei wurde während einer Bahnfahrt in Salzburg zu meinem Song getanzt. 

STOL: Ziel von Hilfsaktionen ist auch immer, Spenden zu sammeln. Derzeit sind hunderttausende Flüchtlinge in und auf dem Weg nach Europa: Haben die Menschen da noch Interesse, Geld nach Afrika zu schicken?

Zanetti: Es geht immer ums Geld und es kann schon sein, dass es schwieriger wird. Es brennt rundherum - und der Zusammenhalt im eigenen Land ist sehr wichtig. Doch es kann gelingen, ein Zeichen zu setzen. Wenn ich mir sage, ich verzichte eine Woche lang täglich auf den Kaffee, dann kann ich schon 10 Euro spenden. Das ist realistisch. Und es ist, wie gesagt, für die Hilfe vor Ort. 

Interview: Petra Kerschbaumer

stol