Freitag, 26. Mai 2017

Filmfestspiele Cannes: Fatih Akin stellt NSU-Drama vor

Der deutsche Regisseur Fatih Akin hat mit seinem NSU-Drama ein sehr persönliches Anliegen verfolgt. „Es ist meine persönliche Verarbeitung mit dem Phänomen NSU“

Fatih Akin und Diane Kruger, Hauptdarstellerin in seinem neuen Film, bei den Filmfestspielen in Cannes.
Fatih Akin und Diane Kruger, Hauptdarstellerin in seinem neuen Film, bei den Filmfestspielen in Cannes. - Foto: © APA/AFP

Der 43-jährige Sohn türkischer Einwanderer erklärte im Interview der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Premiere von „Aus dem Nichts“ beim Filmfest Cannes am Freitagabend, wie persönlich das Projekt für ihn sei.

In seinem Film geht es um den Anschlag zweier Neonazis, bei dem ein kurdischer Vater und dessen Sohn sterben. Zurück bleibt die Ehefrau und Mutter, gespielt von Diane Kruger. „Ich fand sehr skandalös, dass die Ermittler davon ausgingen, dass die Opfer und ihre Familien irgendwie Dreck am Stecken hatten – einfach aufgrund der Herkunft“, sagte der in Hamburg lebende Akin zu der langjährigen Annahme, dass die NSU-Opfer selbst eine Mitschuld an den Morden trugen. „Das ist Rassismus.“ Für ihn sei das fast genauso schlimm wie die Ermordung.

Sein Leben lang von Rassismus umgeben

„Als jemand mit türkischem, mit ausländischem Hintergrund hatte ich da schon das Gefühl, dass mich das persönlich angeht. Das hätte auch mich treffen können.“ Mit „Aus dem Nichts“ geht Akin als einziger deutscher Regisseur ins Rennen um die Goldene Palme. In der Hauptrolle ist Hollywoodstar Diane Kruger zu sehen, die hierfür zum ersten Mal auf Deutsch drehte. Die 40-Jährige wurde im niedersächsischen Hildesheim geboren und dann mit US-Kinoerfolgen wie „Troja“ und „Inglourious Basterds“ international bekannt. Eine weitere Rolle hat der Österreicher Johannes Krisch übernommen.

„Dies ist eine Rolle, die mich ziemlich verängstigt hat“, sagte Kruger am Freitag. „Fatih hat mich gebeten, ins Unbekannte zu springen.“ Fast täglich gäbe es mittlerweile Nachrichten über Terroranschläge, sagte die Schauspielerin. „Man hört aber nie über die Menschen, die zurückbleiben.“ Sie habe sich gefragt, wie man mit dieser Ungerechtigkeit zurechtkommen könne.

2007 prämiert

2007 wurde Akin in Cannes bereits für sein Drama „Auf der anderen Seite“ mit dem Preis für das beste Drehbuch geehrt. Sollte er mit „Aus dem Nichts“ am Sonntagabend die Goldene Palme gewinnen, wäre er der erste deutsche Filmemacher mit dieser Auszeichnung seit mehr als drei Jahrzehnten: 1984 gewann Wim Wenders mit dem in den USA gedrehten Werk „Paris, Texas“ die begehrte Trophäe. Insgesamt konkurrieren heuer 19 Beiträge um die Hauptpreise, darunter auch der österreichische Meisterregisseur Michael Haneke mit seinem Familienporträt „Happy End“.

apa/dpa

stol