Dienstag, 03. März 2020

Forscher beobachten mehr Kannibalismus unter Eisbären

Russische Forscher haben mehr Fälle von Kannibalismus unter Eisbären beobachten. Es sei in den vergangenen Jahren häufiger vorgekommen, dass die Tiere Artgenossen jagen und fressen, sagte Ilja Mordwinzew vom Sewerzow-Institut in Moskau. Unklar war aber, ob das nur mit dem Klimawandel zusammenhängt.

Laut russischen Forschern haben Eisbären ihr Verhalten an die steigenden Temperaturen angepasst.
Laut russischen Forschern haben Eisbären ihr Verhalten an die steigenden Temperaturen angepasst. - Foto: © dpa-tmn / Verena Wolff
„In manchen Jahreszeiten mangelt es an Nahrung. Da greifen dann große Männchen Weibchen mit Jungen an.“ Normalerweise jagen die Bären auf dem Meereis Robben. Weil das Nordpolarmeer immer länger eisfrei ist, gehen sie an Land auf Futtersuche. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte, dass sich Eisbären menschlichen Siedlungen genähert haben. So etwas komme immer häufiger vor, sagte Mordwinzew.

Das Sewerzow-Institut, für das Mordwinzew forscht, gehört zur Russischen Akademie der Wissenschaften und befasst sich mit Umwelt- und Evolutionsproblemen.

Nach Mordwinzews Einschätzung stellen sich die Eisbären auf die steigenden Temperaturen ein. „Die Tiere passen sich immer besser an die Bedingungen an.“ Es habe aber schon früher Kannibalismus unter Eisbären gegeben. Doch der Anstieg gebe Anlass zur Sorge.

Russland lässt nun erstmals die Eisbären auf seinem Staatsgebiet zählen. Mit dem größten Monitoring der Geschichte will das Land mehr über das Leben der bedrohten Art erfahren.

dpa