So zumindest beschreibt es Thomas von Celano in seiner 1228 verfassten ersten Lebensgeschichte des Franz von Assisi. Mit der Vita beauftragt hatte ihn Papst Gregor IX. – und dem ging es dabei auch um politische Interessen, für die die Wundmale (Stigmata) des Ordensgründers wichtig wurden.<h3> Stigmata: Die Wundmale Christi auf dem Körper </h3>Dabei sind Stigmata eher ein Phänomen der Moderne. Erst im 19. und 20. Jahrhundert tauchen viele Berichte auf von Menschen, die ständig oder zeitweise die Wundmale Christi an ihrem Körper tragen: an Händen, Füßen, Brust und Kopf. Oft sind es junge Frauen wie die bayerische Seherin Therese Neumann von Konnersreuth (1898-1962); in Südtirol bekannt sind die Mystikerin Maria von Mörl (1812-1868) aus Kaltern und Maria Domenica Lazzeri (1815-1848) aus Capriana im Fleimstal. Der Kapuzinermönch Pio von Pietrelcina (1887-1968; „Padre Pio“) gilt neben Franz von Assisi als einer der ganz wenigen stigmatisierten Männer. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1072653_image" /></div> <h3> Experten führen Stigmata auf Auto- oder Fremdsuggestion zurück</h3>Sofern es kein Betrug mit Selbstverletzung und Wundermittelchen ist, führen Experten Stigmata auf Auto- oder Fremdsuggestion zurück. Religiöse Fantasien hätten mehr Kraft, körperliche Symptome auszulösen, als andere Vorstellungen.<BR /><BR />Im 13. Jahrhundert jedoch interessierten weniger medizinische Phänomene. Wichtiger war, was diese Zeichen bedeuten. Beteiligt am rund 180 Jahre dauernden Prozess der Verklärung des Franziskus zu einem „zweiten Christus“ waren: der Franziskanerorden, konkurrierende Orden, die Päpste sowie politische Verbündete und Gegner.<h3> „Franziskus sah aus wie ein Gekreuzigter“</h3>Begonnen hatte es mit einer Notiz über den Tod des Franziskus am 3. Oktober 1226. Leo von Assisi, Beichtvater und Sekretär von Franziskus, „der zugegen war, als er (Franziskus) nach seinem Tode vor dem Begräbnis gewaschen wurde“, so ein Chronist, habe berichtet, dass Franziskus „genau so aussah wie ein Gekreuzigter nach der Kreuzabnahme“. Dass an Händen und Füßen so etwas wie Wundmale zu sehen waren, dürfte sicher sein. Die sollen aber erst kurz vor seinem Tod aufgetreten sein, und nicht schon 1224, also 2 Jahre vor seinem Tod.<h3> „Ein neues Wunder“</h3>Bald nach dem Tod des Ordensgründers verkündete dessen Stellvertreter Elias von Cortona in einem Rundschreiben „ein neues Wunder“: Vor seinem Tod sei Franziskus wie ein Gekreuzigter gewesen, „mit 5 Malen an seinem Körper, die wahrhaft die Stigmata Christi sind. Denn seine Hände und Füße hatten gleichsam von beiden Seiten her die Löcher der Nägel, die Narben zurückließen und die Schwärze der Nägel zeigten. Seine Seite erschien wie von einer Lanze durchstoßen und schwitzte häufig Blut aus.“<BR /><BR />Damit begann die Verklärung des Mannes aus Assisi. Papst Gregor IX. selbst zweifelte zunächst. Ein Traum zerstreute die Skepsis, der Papst sprach Franziskus schon im Juli 1228 heilig und beauftragte Thomas von Celano mit einer neuen Heiligen-Vita.<h3> Zweifler sollten exkommuniziert werden</h3>Dennoch musste die Ordensleitung der Franziskaner einräumen: „Viele auf dem Erdenrund zweifeln an den Wundmalen.“ Nur die Wunden Jesu dürften verehrt werden, ermahnte der Bischof von Olmütz die Gläubigen. Dagegen schärften päpstliche Dekrete den Glauben an die Stigmata ein, drohten Zweiflern mit Exkommunikation. Aber: Die Päpste brauchten den bei Volk und Fürsten einflussreichen Franziskanerorden als Verbündeten gegen politische Gegner. Zugleich sahen sie, wie die evangeliumsgemäßere Lebensweise der Minderbrüder das religiöse Leben wiederbelebte.<BR /><BR />Rund 400 Jahre lang waren die Stigmata das besondere Privileg des Franziskus. Erst 1630 anerkannte die Kirche offiziell, auch die Kirchenlehrerin Katharina von Siena (1347-1380) habe solche Male am Körper getragen. Dabei waren Stigmata im 13. Jahrhundert nicht unbekannt. Sie fanden sich aber bei Menschen, die sich die Wunden selbst beigebracht hatten, um mit Christus zu leiden. Sie durften sich nur nicht anmaßen, Christus ähnlich zu sein.